Donnerstag, 21. September 2017

Ein paar Gedanken zu „Starship Troopers: Traitor Of Mars“

(© Sony Pictures Home Entertainment)
„Starship Troopers: Traitor of Mars“ (USA 2017)

Regie: Shinji Aramaki
Drehbuch: Edward Neumeier

Mit: Casper Van Dien, Dina Meyer, DeRay Davis

Handlung: 20 Jahre ist es her, dass Johnny Rico (Stimme im Original: Franchise-Rückkehrer Casper Van Dien) als junger Soldat seine ersten Schlachten gegen die Bugs schlug. In der Zwischenzeit wurde der Infanterist sogar zum General befördert – jedoch auch wieder degradiert, nachdem er nicht verhindern konnte, dass eine gewaltige Bug-Königin die Erde erreicht. In seiner neuen Rolle als Colonel muss der dekorierte Kriegsheld nun auf einer Raumstation unerfahrene Rekruten unterrichten und auf den Kriegsdienst vorbereiten. Als das todbringende Alien-Ungeziefer jedoch urplötzlich eine Satellitenstation auf dem Mars unter ihre Kontrolle bringt, ist Rico gefragt – und ohne zu überlegen stürzt er sich mit seinen Soldaten-Schülern in die aussichtslos erscheinende Schlacht. Währenddessen befindet sich der medial begabte Geheimdienstoffizier Carl Jenkins (Stimme: Justin Doran), ein alter Freund von Rico aus Schultagen, in der Gefangenschaft von Militär-Anführerin Amy Snapp (Stimme: Emily Neves). Er wird verdächtigt, für die plötzliche Bug-Invasion auf dem Mars verantwortlich zu sein.


Wertung★★★★

Wie bereits „Starship Troopers: Invasion“ ist „Traitor of Mars“ ein Animationsfilm im Stile der „
Final Fantasy“-Filme. Doch im Vergleich zum misslungenen Vorgänger ist schon alleine optisch eine deutliche Verbesserung erkennbar:
 Die staubig-roten Landschaften des Mars, die Weiten des Alls und die darin umherschwirrenden Raumschiffe sehen blendend, stellenweise fast fotorealistisch aus. Und wenn sich Rico und seine wenigen Untergebenen in futuristischen Kriegsanzügen den heranrückenden Alien-Horden gegenüberstellen und wie die 300 Spartaner im Kampf gegen eine um ein vielfaches überlegene Perser-Armee tapfer ihr Leben verteidigen, dann bekommt man nicht nur die bestaussehendsten Bugs der Film-Reihe zu sehen, sondern darüber hinaus auch die unterhaltsamsten Action-Sequenzen seit 1997. Nur bei der Darstellung der Protagonisten gibt es Abzüge in der B-Note: Vor allem beim Körperkontakt zweier Figuren wirken die Animationen schnell unmenschlich. Speziell ein Kuss zwischen Rico und Überraschungsrückkehrerin Dizzy (Stimme: Original-Schauspielerin Dina Meyer) wirkt so leider in keiner Weise gefühlvoll oder leidenschaftlich, sondern vielmehr als würden die Gesichter einer Barbie- und einer Ken-Puppe schroff aufeinander gedrückt.
Beinahe ebenso wenig real wie dieser Kuss erscheinen leider auch die Hauptfiguren, die jeweils auf ihre offensichtlichste Charaktereigenschaft reduziert werden: Rico ist der taffe Kriegsheld, der mit kampflustigen Parolen um sich wirft (gleich zweimal brüllt er das mittlerweile obligatorische: „Wollt ihr etwa ewig leben?“) und „Sky Marshal“ Amy Snapp die ultimativ böse und von sich selbst eingenommene Möchtegern-Diktatorin, die genüsslich ihre eigenen Propaganda-Spots bewundert und sich danach noch bestätigen lässt, welch großartige Person sie doch ist. Alle anderen Figuren außerhalb dieser Held/Antagonist-Konstruktion werden stiefmütterlich behandelt und dienen eigentlich nur als Stichwortgeber oder zum Vorantreiben der Handlung.

Snapp ist aber immerhin an einem der erfreulichsten Elemente von „Traitor of Mars“ beteiligt: Wenn die Politikerin ihre kontroversen Reden an das Volk vor einem leeren Saal aufnimmt und für die Ausstrahlung im Medien- und Propagandanetzwerk FedNet Jubelstürme und brandender Applaus eingespielt werden oder sie aus voller Überzeugung für die Vernichtung eines ganzen Planeten mitsamt seiner Einwohner für das größere Wohl einsteht, wird tatsächlich ein leichter Anti-Kriegs-, Anti-Rassismus- und Anti-Propaganda-Kommentar erkennbar. Die amüsant überhöhten Einspieler aus fiktiven Nachrichtensendungen oder Talkshows sowie die manipulativen Wahlwerbespots versprühen zudem stellenweise den satirischen Charme des Originals.

Darüber hinaus bietet sich dieser fünfte Teil für eingefleischte „Starship Troopers“-Fans auch als hervorragendes Trinkspiel an: Wenn bei jedem Verweis auf Verhoevens Kultfilm ein Schnaps gehoben wird, kippt selbst der härteste Trinker nach spätestens zehn Minuten von der Couch. Und während man bei der Frage von Sky Marshall Snapp, ob man sich Carl Jenkins in der High School vorstellen könne, noch amüsiert an den Beginn von Teil eins und den großmäuligen Neil Patrick Harris zurückdenkt, beginnt die große Verweisdichte spätestens dann zu nerven, wenn ganze Szenen des Originals, wie zum Beispiel das Liebesspiel zwischen Rico und Dizzy, noch einmal ausführlich durchgekaut werden.

Fazit: Mit „Traitor of Mars“ gelingt Regisseur Shinji Aramaki zwar die beste „Starship Troopers“-Fortsetzung, aber dennoch kein großer Wurf. Während die Actionszenen sowie die stellenweise durchschimmernden satirischen Untertöne zu gefallen wissen, bleiben vor allem die Figuren ärgerlich unterentwickelt.


(Kritik zuerst erschienen auf: www.filmstarts.de)

Freitag, 15. September 2017

7 Gründe dafür, dass Stephen Kings „Es“ einer der besten Horrorfilme der letzten Jahre ist

(© Warner Bros.)
„Es“ (USA 2017)

Regie
: Andrés Muschietti
Drehbuch: Chase Palmer, Cary Fukunaga, Gary Dauberman, Stephen King (Roman)
Mit: Jaeden Lieberher, Sophia Lillis, Finn Wolfhard, Jeremy Ray Taylor, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer, Wyatt Oleff, Nicholas Hamilton, Bill Skarsg
ård

Wertung★★★★★★★★

Handlung: In der Kleinstadt Derry im US-Bundesstaat Maine verschwinden immer wieder Menschen – so auch Georgie, der kleine Bruder von Bill Denbrough. Dafür verantwortlich ist ein namenloses Unheil, das meist in Form eines mörderischen Clowns mit dem Namen Pennywise auftritt. Nach und nach begegnen auch Bill und seine Freunde diesem unheimlichen Bösen. „Der Club der Verlierer“, wie die sieben Heranwachsenden sich selbst nennen, beschließt, sich ihm entgegen zu stellen und Georgies Tod zu rächen.



1. Die Eröffnungssequenz: Der Prolog des Buches ist zum Klassiker geworden – Andrés Muschiettis Leinwand-Umsetzung dessen schon jetzt auf dem besten Weg dorthin. Der stark erkältete Bill (Jaeden Lieberher) baut für seinen kleinen Bruder Georgie (Jackson Robert Scott) ein Papierschiff, schickt den verängstigten kleinen Jungen in den dunklen Keller, wo er Wachs holen, währenddessen klimpert die Mutter der beiden eine beunruhigende Melodie auf dem Klavier. Als Georgie dann in seinem gelben Regenmantel das Schiffchen über die vom andauernden Regen gefluteten Straßen Derrys schwimmen lässt und es in einem Abfluss verschwindet, trifft er dort auf Pennywise (Bill Skarsgård). „Ich bin Pennywise, der tanzende Clown“, stellt dieser sich vor, fragt den Jungen, ob er nicht gerne einen Ballon hätte. „Hier unten schweben wir alle“, sagt er mit bösartig-verschmitztem Lächeln. Am Ende verliert George nicht nur seinen Arm, sondern gleich sein Leben. Pennywise hat sein erstes Opfer gefordert. Fast eins zu eins adaptiert Regisseur Muschietti diese Sequenz aus Stephen Kings Roman und zwar so intensiv, dass der Film den Zuschauer bereits in den ersten Minuten für sich einnimmt. Dafür sorgt auch Bill Skarsgård, der bereits in seiner ersten Szene auf den Punkt bringt, mit wem der „Club der Verlierer“ es in den nächsten zwei Stunden zu tun bekommen wird: Mit einem blutrünstigen und verschmitzt-bösartigen Verführer. 


2. Pennywise: Ja, Tim Currys Darstellung des scharfzähnigen Killer-Clowns Pennywise im TV-Zweiteiler von 1990 ist großartig furchteinflößend und nicht umsonst auch heute noch weltberühmt, während die Erinnerung an den Rest des Films bei den meisten wohl lange verblasst ist – und nur beim ausführlichen Herumkramen im Gedächtnis noch die Bilder der holprig getricksten Stop-Motion-Spinne im großen Finale oder die der leuchtend rote Mähne des jungen Seth Green gefunden werden. Aber tatsächlich steht Bill Skarsgårds Pennywise dem von Tim Curry in nichts nach: Er legt seine Verkörperung weniger ironisch und zwielichtig an, sondern vielmehr als direkt-grauenerregende Horror-Gestalt. Der hinter den Hasenzähnen hervorsprudelnde Sabber, das alptraumhafte Grinsen, die melodiös-bösartige Art, wie er jedes einzelne Wort ausspuckt – Skarsgårds Pennywise ist eine der faszinierendsten und grauenerregendsten Horrorfilm-Wesen der vergangenen Jahre, wenn nicht überhaupt. 

3. Die Besetzung: Bei Finn Wolfhard, der den Nachwuchskomiker Richie Tozier verkörpert, war bereits nach der ersten Staffel „Stranger Things“ im vergangenen Jahr klar, dass er sich perfekt in den „Club der Verlierer“ einfügen würde. Und meiner Meinung nach toppt er seine Leistung aus der Netflix-Serie mit seinem schelmisch-vorlauten Auftritt in „Es“ sogar nochmal. Nicht weniger überzeugend ist Jaeden Lieberher („Midnight Special“) in der Hauptrolle als „Stotter Bill“ Bill Denbrough. Er spielt den schüchternen Jungen mit Sprachfehler, der nach dem grausamen Tod seines kleinen Bruders Georgie über sich hinauswächst und die treibende Kraft im Kampf gegen das namenlose Böse Es ist, zu jeder Sekunde ebenso überzeugend wie sympathisch. Aber auch die anderen Mitglieder des Clubs sind hervorragend besetzt, vor allem die Chemie zwischen ihnen hätte nicht besser sein können. Besonders hervorheben muss man jedoch noch Sophia Lillis („37“), die mit ihrer Verkörperung der taffen und gepeinigten Beverly Marsh Millie Bobby Brown (Eleven in „Stranger Things“) den Ruf als vielversprechendste Nachwuchsschauspielerin zumindest vorerst abläuft. Als gewalttätiger Mitschüler Henry Bowers glänzt zudem Nicholas Hamilton („Captain Fantastic“), der es mehr als nur überzeugend schafft, in seiner Darstellung von jetzt auf gleich vom außer unter Kontrolle geratenen Nachwuchs-Psychopathen zum verängstigten und in sich zusammengekauerten Jungen zu wechseln, sobald sein dominant-aggressiver Leinwand-Vater die Bühne betritt.

4. Die 80er-Jahre-Atmosphäre: 
Während die Handlung im Roman in den 1950er Jahren spielt, wurde sie für den Film in die 1980er, genauer gesagt ins Jahr 1989 verlegt. Das hat einen ganze einfachen Grund: Die Geschichte mit dem erwachsenen „Club der Verlierer“, die im kommenden zweiten Teil erzählt wird, soll in der Gegenwart spielen. Da Es alle 27 Jahre aus seinem ausgedehnten Winterschlaf erwacht, ist es demnach nur logisch, dass der erste Teil am Ende der 1980er angesiedelt ist. Und diese Zeit wird perfekt einfangen: Von den umherfahrenden Autos über die Kleidung der Protagonisten bis hin zu den Freizeitaktivitäten. Sie kämpfen in der Spielhalle um Street-Fighter-High-Scores, im Kino läuft „A Nightmare On Elm Street 5“ und aus den Kopfhörern von Bens (Jeremy Ray Taylor) Walkman schallen die New Kids On The Block. So wie in J.J. Abrams „Super 8“ das Ende der 1970er und in „Stranger Things“ die Mitte der 1980er, wird in „Es“ das Ende eben diesen Jahrzehnts glaubhaft wieder zum Leben erweckt. Für 135 Minuten fühlt man sich, als wäre man mit einer Zeitmaschine mitten ins Jahr 1989 katapultiert worden.

5. Die Coming-of-Age-Geschichte: 
Das wahre Prunkstück von Andrés Muschiettis „Es“: Die einzelnen Coming-of-Age-Geschichten der 12- bis 13-jährigen Protagonisten, die sich schlussendlich vereinen. Jeder hat tiefsitzende Probleme, nicht umsonst nennen sie sich „Club der Verlierer“. Beverly (Sophia Lillis) wird von ihrem Vater missbraucht, Bills Bruder wurde ermordet, Ben (Chosen Jacobs) ist der neue in der Stadt und außerdem alles andere als schlank und Eddie (Jack Dylan Grazer) hat eine übervorsichtige Mutter, die ihn am liebsten daheim einsperren würde. Dazu kommt die voranschreitende Pubertät, sowohl bei Beverly, die ihre erste Periode vor ihrem Vater zu verbergen versucht, als auch bei den Jungs, die um die Gunst der rothaarigen Bev konkurrieren. Mit diesen Themen hätte der Film bitter und schwermütig werden können, doch dank der stark geschriebenen Figuren ist er das zu keiner Sekunde: Alle Probleme der Heranwachsenden werden mit kindlicher Naivität und Lockerheit betrachtet, lieber bringt man einen kessen Spruch als stattdessen Trübsal zu blasen. Es ist immerhin Sommer und da soll man Spaß haben! Dennoch fehlt nie die Ernsthaftigkeit, nie wird etwas zur Auflockerung ins Lächerliche gezogen. Stets weht ein unüberhörbarer Wind, der „Stand By Me“ oder „Breakfast Club“ flüstert. Allerdings erhebt sich dieser Wind nie zu einem Sturm, nie wirkt etwas abgekupfert, „Es“ bleibt stets eigenständig.


Der „Losers Club“: Chosen Jacobs, Finn Wolfhard, Sophia Lillis, Jaeden Lieberher, Jack Dylan Grazer, Wyatt Oleff & Jeremy Ray Taylor (v.l.n.r.)
(© Warner Bros.)
6. Der Horror: Während die Chemie zwischen den sieben Kindern und Skarsgårds Pennywise-Darstellung die beiden absoluten Glanzstücke des Films sind, sind auch die weiteren Horror-Elemente stark und furchterregender als in all den (fast)immergleichen Haunted-House-Schockern der letzten Jahre. Ständig wechselt der Clown seine Gestalt, taucht mal als gruselig deformierte Frau aus dem Büro von Stan Uris‘ (Wyatt Oleff) Vater auf, dann mal als gigantische Version seiner selbst oder auch als widerlich entstellter Aussätziger, den man schon aus Kings Roman kennt. All diese Erscheinungen sind toll designt und effektvoll zum Leben erweckt. Wenn zum Beispiel ein kopfloses Kind in stotternden Bewegungen auf Ben zuwankt, dann ist das gleichzeitig eine Hommage an die Stop-Motion-Monster der TV-Version, aber ebenso auch auf seine ganz eigene Art beängstigend. Selbst die Jump Scares gefallen in „Es“: Sie sind nicht bloß da, um den Zuschauer zu erschrecken, sondern stets sinnvoll in die Handlung eingebunden. Man durchlebt diese Schreckmomente aus der Sicht der Protagonisten, die diese Augenblicke genauso oder zumindest ähnlich wahrnehmen.

7. 
Die perfekten Stimmungswechsel: Eine der erstaunlichsten Leistungen von Muschietti und seinem Team sind die gelungenen Stimmungswechsel, die den ganzen Film durchziehen: Innerhalb von wenigen Minuten werden die Kinder von angsteinflößenden Monstern terrorisiert, rennen um ihr Leben, lachen über einen angebracht-unangebrachten Krebs-Witz von Richie (Finn Wolfhard) und werfen sich Deine-Mutter-Sprüche an den Kopf. Und auch als Zuschauer lässt man sich aus der Schockstarre wieder gemütlich in den Sitz rutschen, stimmt in das Gelächter der Gruppe ein. Gemeinsam mit ihnen verdrängt man die schrecklichen Bilder – nur, damit sie sich kurz darauf in anderer Form umso schockierender wieder ins Sichtfeld schieben. Wo so schnelle Stimmungswechsel bei anderen Filmen störend wirken würden, kauft man den jungen Protagonisten sowohl ihre Angst als auch ihre ausgelassene Freude zu jedem Moment ab – und steigt sogar mit ein.


Freitag, 8. September 2017

Reingehört: „Good Time“-Soundtrack

(© Temperclayfilm)

„Good Time(USA 2017)

Regie: Benny Safdie & Josh Safdie
Drehbuch: Ronald Bronstein & Josh Safdie
Mit: Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Benny Safdie
Musik: Daniel Lopatin aka Oneohtrix Point Never

Am 2. November startet hierzulande der düstere Indie-Thriller „Good Times“, der auf dem diesjährigen Filmfestival in Cannes für Furore sorgte (Was sich in minutenlangem Beifall äußerte). Da ich den Film noch nicht gesehen habe, kann ich an dieser Stelle nichts zu dessen Qualität sagen – dafür aber zu der des Soundtracks, den ich für das Intro Magazin rezensieren durfte. Da ich wirklich hellauf begeistert war und noch immer bin vom Synthie-Score des amerikanischen Künstler Oneohtrix Point Never, will euch diese hier nicht vorenthalten. Meine Vorfreude auf den Film hat das Soundtrack-Album auf jeden Fall noch einmal deutlich gesteigert!


Filme mit elektronischen Klängen statt großen Orchester-Melodien zu unterlegen, ist in den vergangenen Jahren ebenso en vogue wie der massive Einsatz von Hans Zimmers Inception-Dröhnen in so gut wie jedem Hollywood-Streifen. Dass diese Kombination wunderbar funktioniert, zeigte zwar in den 1980ern schon Vangelis mit der großartigen musikalischen Untermalung von Die Stunde des Siegers und Blade Runner, doch gerade in diesem Jahrzehnt zeichnen mit dem Niederländer Junkie XL (Mad Max: Fury Road) und Ex-Chili-Peppers-Schlagzeuger Cliff Martinez (Drive) zwei Komponisten, die hauptsächlich mit elektronischen Klängen arbeiten, für einige der interessantesten Film-Scores verantwortlich. 
Vor allem letzterem eifert der Amerikaner Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never nach: Nachdem Martinez 2016 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis für den besten Soundtrack ausgezeichnet wurde (für Nicolas Winding Refns The Neon Demon), konnte sich in diesem Jahr Lopatin mit dieser Ehre schmücken. Auch musikalisch gibt es einige Parallelen zwischen beiden Musikern. Der Score zum gefeierten Thriller-Drama »Good Times« wird dominiert von kühlen, wummernden Synthie-Soundwänden. Diese kommen mit einem prägnanten Retro-Sound daher, der oft an Vangelis oder Elektro-Pionier Jean-Michel Jarré erinnert. Dabei wirken die einzelnen Tracks so lebendig, dass man sich allein dadurch prompt hinter das Steuer eines durch nächtlich-neonbeleuchtete Straßen rasenden Wagens versetzt fühlt. Ein besonderes Bonbon des Good Time OST ist die Single The Pure And The Damned, zu der Iggy Pop den Gesang beisteuerte – und bei der man meinen könnte, die Stimme des Punk-Veteranen sei einzig und allein für Lopatins eisig-düstere Soundwelten kreiert.
Veröffentlicht auf: www.intro.de

Freitag, 25. August 2017

Ein paar Gedanken zu: „Table 19 – Liebe ist fehl am Platz“

(© Twentieth Century Fox)
Table 19 (USA 2017)

Regie: Jeffrey Blitz
Drehbuch: Jeffrey Blitz, Mark und Jay Duplass (Story)
Mit: Anna Kendrick, Stephen Merchant, Craig Ferguson, Lisa Kudrow, June Squibb, Tony Revolori, Wyatt Russell

Handlung: Eloise (Kendrick) wird kurz vor der Hochzeit einer langjährigen Freundin von ihrer Aufgabe als Trauzeugin entbunden – weil ihr Freund Teddy (Russell), Bruder der Braut und ebenfalls Trauzeuge, mit ihr Schluss macht. per SMS. Doch erhobenen Hauptes macht sie sich dennoch auf den Weg zur Hochzeit, wo sie an einem Tisch mit den anderen
Unerwünschten platziert wird. Und die sechs Fremden versuchen daraufhin, das Beste aus der Situation zu machen...

Wertung★★★★☆☆☆☆


„Table 19“ lässt sich grob in zwei Hälften einteilen. In den ersten 45 bis 60 Minuten werden Hochzeitsklischees durch die Augen schrullig-verschrobener und stets sympathischer Außenseiter betrachtet und durch den Kakao gezogen, wodurch eine Vielzahl humorvoller Situationen entsteht – wie zum Beispiel das gezwungene Zusammentreffen völlig verschiedener Charaktere, deren Diskussion schließlich in einen fast Guy-Ritchie-esken Rundflug durch die Hochzeitsgesellschaft ausartet. Hier zünden sogar die meisten Gags noch recht gut, selbst wenn sie auf reinen Slapstick ausgelegt sind und auch die Eigenheiten der sehr überspitzten Figuren sind interessant und noch nicht abgenutzt.

Kurz nach dem imaginären Halbzeitpfiff des Films schlägt die Stimmung durch ein paar kleine und einen großen Twist dann aber plötzlich um und auch das Genre scheint plötzlich ein anderes: Von der beschwingt-skurrilen Komödie wird „Table 19“ zur versucht rührenden und gewollt romantischen Dramödie. Die Gags bis zum Ende des Films lassen sich jetzt an einer Hand abzählen und leider wirkt plötzlich alles gezwungen. Als hätten die Autoren Jeffrey Blitz sowie Jay und Mark Duplass sich gedacht: „45 Minuten lang machen wir, worauf wir Lust haben – aber dann muss hier eine bewegende und tiefgründige Geschichte rein.“ Und leider funktioniert das überhaupt nicht, vor allem das gewollt Tiefgründige wird zum Problem: Wenn das Ehepaar Kebb (Craig Robinson und Lisa Kudrow) seine Beziehungsprobleme vor dem Publikum ausbreitet, dann ist das weder dramatisch, noch macht es die Figuren vielschichtig – nein, vielmehr ist es nur langweilig und stets ist der Ausgang des Ganzen am Horizont sichtbar. Über das Happy End, das der insgesamt vergurkten zweiten Hälfte schlussendlich die traurige Krone aufsetzt, möchte ich hier gar nicht viele Worte verlieren. Aber: Bevor es sich – immer noch sehr unrund – in den Film eingefügt hat, musste es wohl erst gedemütigt, gefesselt, geknebelt und bewusstlos geschlagen werden.

v.l.n.r.: Tony Revolori, Stephen Merchant, Anna Kendrick, June Squibb
(© Twentieth Century Fox)


Positiv hervorzuheben sind aus „Table 19“ aber zumindest noch zwei Darsteller. Der Erste ist Stephen Merchant, dessen Verkörperung des Knasti-Muttersöhnchens Walter sich irgendwo zwischen unheimlich und zum Brüllen komisch bewegt und der zudem für den besten Running Gag des Films sorgt, wenn er alle Nase lang mit dem Hotelpersonal verwechselt wird und nur zu gerne zur Hand geht. Zusammen mit „Grand Hotel Budapest“-Page Tony Revolori (der mit adretter Fell-Fliege ausgestattet schon mal mit seinem Riesenglied prahlt) streut der schlaksige Brite eine schöne Prise Nonsens in die sich sonst in recht gewöhnlichen Bahnen bewegende Komödie. Die Zweite, die ich hier lobend erwähnen will, ist Hauptdarstellerin Anna Kendrick („Pitch Perfect“), die die Adjektive „süß“ und „witzig“ mit ihrer Darstellung der geschassten Freundin und Trauzeugin Eloise in Perfektion vereint (Die Aufnahme von „sützig“ in den Duden ist schon beantragt).

Aufgrund der einzelnen Charaktere, die sich am titelgebenden Tisch 19 versammeln und alle ihre (zumindest zu Beginn noch) interessanten Eigenarten mitbringen, lohnt sich ein Blick auf „Table 19“. Auch, weil es alle Darsteller schaffen ihren Rollen eine schöne Portion Herzlichkeit mitzugeben. Mit einem besseren (heißt: originelleren und ausgewogeneren) Drehbuch hätten die sechs unerwünschten Hochzeitsgäste wohl eine durchgehend witzige-unterhaltsame Kino-Party feiern können. So muss man leider das Fazit ziehen, dass die zweite Hälfte enorm abfällt und die gute erste damit leider ein Stück weit mit in den Abgrund gezogen wird. Vor allem das gekünstelte Finale hinterlässt schlussendlich einen bitteren Geschmack.


Dienstag, 15. August 2017

Ein paar Gedanken zu: "Bullyparade – Der Film"

(© Warner Bros.)
Bullyparade – Der Film (Deutschland 2017)

Regie: Michael "Bully" Herbig
Drehbuch: Bully, Rick Kavanian, Christian Tramitz, Alfons Biedermann
Mit: Bully, Kavanian, Tramitz, Sky Du Mont, Andreas Fröhlich (Erzähler)

Handlung: In insgesamt fünf Episoden werden aus der Bullyparade bekannte Sketche aufgegriffen. So müssen die Kasirske-Brüder den Fall der Mauer verhindern, Winnetou ist verliebt, Sissi und Franz wollen ein Ferien-Domizil kaufen, Lutz und Löffler gehen an die Wall Street und Captain Kork, Spucki und Co. landen auf dem Planeten der Frauen.

Wertung★★★★☆☆☆☆



In meinen (sehr) jungen Jahren war ich großer Fan der Bullyparade: Die Vorfreude war stets enorm, die Enttäuschung für meine gesamte Familie spürbar, wenn ich einmal nicht pünktlich zur wöchentlichen halben Stunde Bully vor dem Fernseher saß. Auch Der Schuh des Manitu war für mein zehnjähriges Ich eine Offenbarung – ganze dreimal schleppte ich diverse Verwandte in den Kinosaal, immerhin genauso oft wie im selben Jahr in Der Herr der Ringe – Die Gefährten. Doch schon als 2004 Traumschiff Surprise startete, lag mein Humor nicht mehr ganz auf einer Wellenlänge mit dem Michael Herbigs. Und als ich nun zur Vorbereitung auf Bullyparade – Der Film noch einmal in die TV-Show und den Schuh hineinschaute, musste ich wenig überrascht feststellen: In den vergangenen 13 Jahren schritt diese Entwicklung nur weiter voran.

Bullyparade – Der Film ist eher Zurück in die Vergangenheit. Dennoch: Der Einstieg mit dieser ZidZ-Parodie ist noch recht gelungen.

Doch tatsächlich muss ich sagen, dass der Beginn recht stimmungsvoll und unterhaltsam geraten ist: Die ostdeutschen Kasirske-Brüder (Herbig und Tramitz) retten in einer gelungenen Zurück-in-die-Zukunft-Parodie die DDR vor dem Mauerfall und dem anschließenden David-Hasselhoff-Konzert. Vor allem die Einbindungen der Kasirskes in Archivmaterial, wie der Pressekonferenz, in der Günter Schabowski die Öffnung der Mauer verkündete, sind witzig und auch optisch rundum gelungen. Doch leider stürzt die Humor-Qualität nach dieser einleitenden Episode und dem folgenden Vorspann schnell in erschreckende Tiefen: Sowohl der halbgare Schuh-des-Manitu-Aufguss – vor allem bei einer peinlichen Django-Unchained-Persiflage kann man sich nur an den Kopf fassen –, als auch die höchst alberne Sissi-Parodie locken nicht einmal ein müdes Lächeln hervor. Vielmehr regiert hier der Fremdscham.

Peinlich: Rick Kavanian als Dr. Schmitz mit seiner Handpuppe Tschango...

Ein wenig bergauf geht es dann mit der Episode Lutz of Wall Street, in der Bully die beiden Jojoba-Guys Lutz (Bully) und Löffler (Tramitz) Martin Scorseses Wolf of Wall Street durch den Kakao ziehen lässt. Immerhin die humorvolle Kopie von Matthew McConaugheys Brust-Klopf-Szene und ein Mini-Mini-Mini-Cameo von Action-Legende Chuck Norris bringen hier Spaß.

Die beste Entscheidung von Regisseur Herbig kristallisiert sich jedoch erst am Schluss heraus: Nämlich den Film mit dem Traumschiff-Surprise-Aufguss Planet der Frauen zu schließen. Dieser ist das unstrittige Highlight, dringt tatsächlich in unerwartete Humor-Galaxien vor, mit denen kein Zuschauer zuvor gerechnet hat, und ist zudem noch sehr schick getrickst! Mit dem Yeti (Kavanian) taucht hier dann auch der anarchistischste und beste Charakter aus der Bullyparade auf und versorgt als rotziger Chewbacca-Verschnitt die Star-Trek-Parodie mit einigen guten Lachern.

Mit das Beste am Film: Der Yeti (Kavanian, links.)

Doch wird auch in dieser finalen Episode eine der größten Schwächen des Films deutlich: Die vielen Gaststars (neben Chuck Norris u.a. noch Peter Maffay, Lena Meyer-Landrut, Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Jürgen Vogel) sind vollkommen verschenkt, sind nur da, um da zu sein oder dürfen höchstens als Stichwortgeber dienen. So schauen Schweighöfer und Schweiger nur für den Hauch eines Moments in die Kamera, Jürgen Vogel darf immerhin einen platten One-Liner zum Besten geben. Völlig verschenkt! So geht es den ganzen Film über und es drängt sich zwangsläufig die erschreckende Gewissheit auf, dass selbst im kürzlich erschienenen und katastrophal-grottigen Sharknado 5 die „Promi“-Auftritte besser und amüsanter eingesetzt wurden.

Insgesamt erinnert Bullyparade – Der Film in seinen besten Momenten an die Glanzzeiten der TV-Show – doch gibt es von diesen Momenten höchstens eine Handvoll. Der Rest lässt ein-, zwei-, dreimal schmunzeln, jedoch meist nur müde gähnen und selbst warme Nostalgie-Gefühle melden sich nur selten und wenn, dann leise und schüchtern. Am Ende bleibt die große Frage: Warum das Ganze? Warum Sketche, deren Humor-Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten ist, noch einmal aufwärmen? Ich weiß es nicht. Aber immerhin scheinen Bully, Tramitz und Kavanian einen Heidenspaß gehabt zu haben. Denn das sieht man ihnen und dem Film an – und diese oft in Albernheiten abgleitende Spielfreude rettet immerhin einige Gags ins Ziel.


Samstag, 12. August 2017

Ein paar Gedanken zu: "Sharknado 5: Global Swarming"

(© SyFy)
Sharknado 5: Global Swarming (USA 2017)


Regie: Anthony C. Ferrante
Drehbuch: Scotty Mullen
Mit: Ian Ziering, Tara Reid, Cassandra Scerbo
Handlung: Nein.
Wertung★★☆☆☆☆☆☆☆☆

Was aus einer hirnverbrannt-spaßigen Idee heraus entstand, hat sich mit Teil 5 (und eigentlich auch schon mit Teil 4) endgültig abgenutzt: Global Swarming ist nichts weiter als eine billige Nummernrevue, zusammengesetzt aus hässlichem CGI-Matsch und größtenteils albern-unnötigen Cameo-Auftritten von C-Prominenz, die für Dschungelcamp und Promi-Big-Brother zu unpopulär ist.


Zugegeben: Eine handvoll netter Einfälle haben sich Regisseur Anthony C. Ferrante und sein Asylum-Team wieder aus den Fingern gesogen. Darunter wenige Besetzungscoups wie Schundroman-Covermodel Fabio Lanzoni in die Rolle des Papstes zu stecken oder am Ende des Films, als die weltweite Sharknado-Seuche zur Apokalpyse geführt hat und nur Hauptfigur und Profi-Hai-Killer Fin (Ian Ziering) überlebt zu haben scheint, Dolph Lundgren als seinen Sohn aus der Zukunft anbrausen zu lassen, woraus tatsächlich eine mittelmäßig gelungene Zurück-in-die-Zukunft-Anspielung entsteht. 

Doch wo diese Einfälle noch ein müdes Lächeln hervorrufen, kann man beim Rest nur die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen. Nein, schlimmer noch: Man ist einfach nur gelangweilt. Die Sharknado-Reihe hat sich endgültig in den Abgrund geritten und funktioniert nicht mehr – falls sie das überhaupt mal hat. Zumindest tut sie das nicht in der storylosen Art und Weise, wie sie derzeit aufgezogen wird. Erschreckend ist zudem auch die Entwicklung von Tara Reid: Wie auch ihre Film-Figur April ist die einst so süße American-Pie-Blondine zum emotionslosen Plastik-Cyborg ohne jegliche menschliche Regungen geworden. Neben ihr wirkt Ian Ziering wie ein rothaariger Daniel Day-Lewis. Und warum tragen eigentlich ALLE Hauptfiguren Leder-Outfits?

Fazit: Macht spätestens jetzt einen Bogen um die Reihe. Selbst Trash-Fans kommen hier nicht auf ihre Kosten. So – 'nough said!


Donnerstag, 10. August 2017

Meine Gedanken zu: "Planet der Affen: Survival"

(© Twentieth Century Fox)
Planet der Affen: Survival (USA 2017)

Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Matt Reeves, Mark Bromback
Mit: Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, Judy Greer, Amiah Miller

Wertung: ★★★★★★★★☆☆

Handlung: In Planet der Affen: Survival muss Caesar (Andy Serkis) einen brutalen Anschlag auf seinen Stamm hinnehmen. Obwohl er eigentlich nur in Frieden leben will, macht er sich deshalb mit seinen engsten Vertrauten auf die Suche nach dem brutalen Colonel (Woody Harrelson).

Schon die ersten beiden Filme der Planet-der-Affen-Neuauflage haben mir sehr gut gefallen. Der Ansatz, die "Entstehung" des Primaten-Planeten von Beginn an zu erzählen, als Trilogie aufzubauen und mit Caesar einen Affen in den Mittelpunkt zu stellen, mit dem man gemeinsam die Entwicklung der Tiere durchlebt, ist stark – die größte Stärke der Reihe war jedoch immer die atemberaubende Optik.

Und auch der dritte Teil ist eine visuelle Offenbarung! Schönere und realistischere Special Effects hat man im Kino noch nicht gesehen und es wäre ein Traum, wenn dies der aktuelle Standard wäre. Der größte Gewinn der tollen Optik: Man vergisst komplett, dass es sich bei den mittlerweile zu den Hauptfiguren der Reihe mutierten Affen um computergenerierte Wesen handelt. Wenn Wind durch das Fell weht, jedes einzelne Härchen erkennbar ist und sich anders bewegt als das nebenliegende oder aber die Kamera sich nur Zentimeter vor dem Gesicht eines Affen befindet und jede Emotion allein durch die komplett natürlich wirkende Mimik verständlich wird, dann nimmt man sie tatsächlich als echte Lebewesen wahr (Wozu natürlich auch die Leistungen der Mo-Cap-Darsteller – allen voran Serkis – beitragen ).


Beeindruckend: Bessere Kreaturen-Effekte hat man im Kino noch nicht gesehen.














Doch auch abseits des Visuellen überzeugt Survival: Schon die ersten knapp 20 Minuten sind Suspense pur. Menschliche Soldaten schleichen auf der Suche nach dem Hauptquartier der Affen durch einen dichten Wald, bis sie auf einen Trupp der Primaten stoßen und ein brachial-brutales Gefecht ausbricht. Einen Bärenanteil an der dichten und bis zum Hals mit Spannung aufgeladenen Atmosphäre hat Komponist Michael Giacchino (Jurassic World, Rogue One), der den gesamten Film mit einem wahren Hammer-Score untermalt – vielleicht sogar mit dem besten Blockbuster-Score des Jahres, obwohl erst kürzlich Hans Zimmer zu Dunkirk ein wahres Soundtrack-Brett ablieferte. 

Die großen Versprechen der ersten Hälfte kann die zweite leider nicht mehr ganz halten, obwohl die Ideen und Ansätze noch immer großartig sind. Sei es das faschistische Regime, das Woody Harrelson führt, die beinahe an ein Konzentrationslager erinnernden Szenen der Affen in Gefangenschaft oder, dass der Mensch selbst der wahre Feind des Menschen ist. Dennoch verliert sich der Film schlussendlich ein wenig in unnötig großen Action-Sequenzen, die es nicht gebraucht hätte. Auch einige weitere kleine Entscheidungen, wie die Einführung eines Comic-Relief-Charakters, stören die fast durchgehend düster-bedrückende Stimmung, wodurch das Finale die dichte Intensität des Auftaktes leider nie erreicht.

Doch gerade, wenn man im Kopf die im Verlauf der drei Filme miterlebte Geschichte von Caesar rekapituliert, dann wird eine weitere ganz große Stärke von Survival offensichtlich: Er ist der fast perfekte Abschluss einer tollen Trilogie. Caesars Entwicklung wird optimal zu Ende gebracht und man freut sich, an seinem Leben teilgehabt zu haben. Genau so sollten Blockbuster-Franchises sein und mir fällt spontan kein weiteres ein, dass in den vergangenen Jahren eine solche Qualität aufgewiesen hätte, wie Planet der Affen.