Mittwoch, 16. September 2015

Frisch aus dem Kinosaal: Everest 3D

(© Universal Pictures)

So, seit langer Zeit hab ich mich mal wieder dazu bewegen können, Geld in einen 3D-Film zu stecken (der letzte war wohl 'Mad Max') und zwar in 'Everest'. 
Das hat auch ganz bestimmte Gründe: ich steh total auf gute, wuchtige Naturaufnahmen, beklemmende Settings, Bergsteigerfilme und Katastrophenfilme an sich. Und da ich dann noch gehört habe, dass 3D hier wirklich mal wieder Sinn macht, war die Entscheidung schnell getroffen, mich heute Abend in die Premiere zu hocken. Ob sich das gelohnt hat, lest ihr weiter unten.

Zunächst mal zum Film selbst. Regie führte der Isländer Baltasar Kormakur, der sich schon für meine beiden liebsten isländischen Filme verantwortlich zeigte, '101 Reykjavik' und 'The Deep'. In letzterem bewies er bereits sein Gespür dafür, Katastrophen und Beklommenheit auf eine sehr eigene, ruhige aber extrem packende Art auf die Leinwand zu bringen.
International machte Korvakur in den letzten Jahren vor allem durch die Hollywood-Produktionen 'Contraband' und '2 Guns' auf sich aufmerksam.

Dazu kommt ein extrem populärer und talentierter Cast. Wir sehen Jason Clarke ('Zero Dark Thirty', 'Terminator Genysis'), Jake Gyllenhall ('Brokeback Mountain', 'Southpaw'), Josh Brolin ('Inherent Vice', 'True Grit'), Sam Worthington ('Avatar'), Keira Knightley ('Fluch der Karibik') und Emily Watson ('Die Entdeckung der Unendlichkeit') - um nur die Speerspitze der Prominenz zu nennen.



Der Film behandelt die wahre und deshalb umso traurigere Geschichte zweier Bergsteiger-Teams, die sich im Jahr 1996 an die Besteigung des höchsten Berges der Welt, des Mount Everest machten.
In den 90er Jahren wurde es immer mehr zur Mode, auch unerfahrenere Bergsteiger auf den Gipfel zu führen - wodurch ein, bis heute immer mehr ausartender, Massentourismus am Everest entstand.
Jason Clark spielt dabei Rob Hall, die Hauptperson des Films und den zu dieser Zeit führenden Veranstalter solcher Touren. Keira Knightley spielt dessen schwangere Frau, welche im Hotel am Fuße des Berges zurück bleibt, Emily Watson Hall's Partnerin und 'Basiscamp-Mutti'. Scott Fisher, der Führer einer weiteren Gruppe, welche sich schließlich für den Aufstieg mit Hall's Gruppe zusammen tut, wird von Jake Gyllenhall dargestellt. Der Rest spielt, mehr oder weniger erfahrene, Bergsteiger, die versuchen zum Gipfel vorzustoßen.

Die erste Hälfte des Films führt uns mit beeindruckenden Bildern Nepals in diesen Status Quo ein - bevor der Film in seiner zweiten Hälfte mit dem spektakulären Aufstieg so richtig Fahrt aufnimmt. Bereits dort entwickelt sich eine sehr beklemmende Stimmung und es kommt zu einigen Komplikationen - doch die wahre Katastrophe nimmt erst mit einem aufziehenden Sturm ihren Lauf.

Neben den unfassbar schönen Bildern der unfassbar gefährlichen Natur, schafft es der isländische Regisseur einen Sog zu entwickeln, der den Zuschauer mit sämtlichen Protagonisten mitfiebern lässt und dreht dabei langsam, aber stetig an der Spannungsschraube. Das letzte Drittel des Films ist dann wirklich nervenaufreibend, höchst dramatisch und zutiefst emotional.
Jeder der Beteiligten Schauspieler bringt seine Rolle dabei überzeugend und sehr glaubhaft rüber - ich möchte beim besten Willen keinen hervorheben.
Doch der wahre Star des Films ist und bleibt der Berg - selten habe ich einen Film gesehen, in dem die Natur so angsteinflößend und bedrohlich war, am ehesten noch im bereits zuvor erwähnten 'The Deep' des gleichen Regisseurs. 

Während dieser noch erfrischend ohne jegliche Hollywood-Klischees auskommt, bedient sich 'Everest' ab und zu doch bei diesen - was aber nicht negativ ins Gewicht fällt. Ebenso die wenigen Stellen, an denen man sieht, dass die Felsen des Berges in einem Studio stehen - aber umso beeindruckender ist es, dass der Film zu mindestens 95% so aussieht, als wäre er wirklich an den originalen Schauplätzen in acht Kilometern Höhe entstanden. So ganz einen Reim darauf machen, wie der gesamte Film gedreht wurde, kann ich mir gerade noch nicht - aber es muss für die gesamte Crew ein enormer Aufwand gewesen sein. 

Zum 3D kann ich als großer Kritiker dieser Technik sagen: es lohnt sich tatsächlich. Während ich bei Filmen wie 'Der Hobbit' oder 'Mad Max' noch relativ enttäuscht war, fügt sich der 3D-Effekt hier perfekt in die Aufnahmen der Höhen und Tiefen ein und macht das ganze noch eine Spur beeindruckender. Allerdings Schmerzen meine Augen nun ein wenig - denn durch den vielen Schnee ist der Film fast durchgehend sehr hell, was nochmal ein wenig Anstrengung auf den 3D-Effekt draufpackt. Das Problem der Schneeblindheit überträgt sich so auch teilweise auf den Zuseher- vielleicht liegt es aber auch einfach nur an meinen Augen.

Insgesamt kann ich 'Everest' eigentlich nichts negatives ankreiden. Was aber mit Sicherheit auch an meiner Vorliebe für diese Art von Film - der Beklommenheit, Verzweiflung und dem Spiel mit den menschlichen Urängsten - liegt. Nichtsdestotrotz haben wir großartige Aufnahmen, brillierende Schauspieler und einen packenden Spannungsaufbau - und obendrauf ist auch noch das 3D in Ordnung.
Alles in allem eine klare Sehempfehlung von mir - 9 von 10 Punkten!

... und wenn ihr noch nicht gänzlich überzeugt seid, schaut doch mal 'The Deep' von Regisseur Baltasar Kormakur. Danach werdet ihr bestimmt anders denken. Hier schon mal der Trailer:


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