Freitag, 18. September 2015

Frisch aus dem Kinosaal: Frank


Nachdem ich schon fast dachte, dass ich nicht mehr dazu komme, da der Film relativ schnell aus den meisten Kinos verschwunden war, habe ich's gerade dann doch noch geschafft 'Frank' zu sehen.
Der Film von Lenny Abrahamson ('Adam & Paul', 'What Richard did'), welcher mir zuvor kein Begriff war, lief bereits im Mai 2014 in den britischen Lichtspielhäusern an und hat es nun - zum Glück - doch noch zu uns geschafft.

Obwohl es sich um einen kleinen Film mit einem Budget von knapp einer Million Pfund handelt, ist die englisch-irische Produktion wirklich hochkarätig besetzt.
In der Rolle des titelgebenden Frank sehen wir Michael Fassbender ('Shame', '12 Years A Slave'). Neben ihm, unter anderem, noch Domhnall Gleeson ('Harry Potter', 'Ex Machina'), Maggie Gyllenhall ('Donnie Darko', 'The Dark Knight') und Scoot McNairy ('Argo', 'Gone Girl').
Die eigentliche Hauptrolle in diesem kleinen, skurrilen Filmchen spielt Domhnall Gleeson als Jon, einem Möchtergern-Musiker, der in einer kleinen, englischen Küstenstadt wohnt. Dort versucht er seine Karriere als Keyboarder und Songwriter voranzutreiben - bzw. diese überhaupt zu starten.
Zufällig sieht er, wie ein Mann - mehr schlecht als recht - versucht sich im Meer zu ertränken. Während dieser Situation trifft er auf die Band, deren Keyboarder der unfähige Fast-Selbstmörder war - und wird glatt als Ersatz für den am Abend stattfindenden Auftritt engagiert. Dieser geht erheblich daneben, trifft dort aber das erste Mal auf Frank - den sehr eigensinnigen Frontmann dieser Band, welcher immer -wirklich immer - einen riesigen Pappkopf trägt. Dieser Kopf ist die des, in Großbritannien in den 70er Jahren bekannten, Musikers und Komikers Frank Sidebottom nachempfunden. (manchen vielleicht schon bekannt aus dem Film 'Drecksau'). 
Schließlich entschließt Jon sich, mit der Band für 'ein Projekt' nach Irland zu fahren, woraufhin sich eine wirklich absurde Geschichte und Odyssee entwickelt.

Die Band besteht aus insgesamt 5 Personen. Neben Frank noch Clara, die Theremin-Spielerin der Gruppe (Maggie Gyllenhall), Nana, die Drummerin (Carla Azar), Baraque, der den Bass spielt (François Civil) und Manager Don (Scoot McNairy) - dazu stößt dann noch Jon.
Alle Figuren sind schön kauzig und skurril, allen voran Frank. Der Humor ist durch und durch britisch bissig und, vor allem in der ersten Hälfte des Films, kommt man nicht darum herum, mehrmals laut loszulachen. 
In der zweiten Hälfte kommt es dann zu einer Wende im Film - und spätestens im letzten Drittel verlässt der Film seine lustig-skurrile Linie und schlägt deutlich ernstere Töne an. 
Die ersten zwei Drittel des Films sind wirklich herrlich. Man bekommt eine Menge zu lachen und schmunzeln und will nur mehr und mehr von diesen Protagonisten erfahren. Leider ist der Cut zum relativ ernsten letzten Drittel dann sehr hart. Es kommt einem fast so vor, als sehe man einen anderen Film.
Dies ist keineswegs negativ, auch der Schluss weiß zu überzeugen, doch wünscht man sich, dass der Film nicht wie zwei Teile, sondern mehr wie eine Einheit wirken würde. 

Wirklich klasse in diesem Film, neben den Figuren selbstverständlich, sind deren Darsteller. Michael Fassbender bietet eine unglaubliche Performance, gerade weil man sein Gesicht nicht sieht und er sich somit nicht auf seine Mimik verlassen kann. Auch die anderen Bandmitglieder passen perfekt in ihre Rollen und spielen klasse - mit Abstrichen vielleicht Nana und Baraque, was aber hauptsächlich (nein, nur) daran liegt, dass diese deutlich im Hintergrund stehen gegenüber den vier Hauptpersonen und lange nicht so viel Screentime bekommen.
Auch die Dialoge, die wir zu hören bekommen sind teilweise zum brüllen, teilweise nachdenklich - aber eigentlich immer tiefgründiger, als sie auf den ersten Blick wirken. 
Dazu gibt es viele Momente, in denen die Hauptfigur Jon Tweets absetzt, welche als Texte visualisiert werden - dies ist toll gemacht, doch leider wurden diese ins Deutsche übersetzt und nicht, wie der restliche Film (ich weiß gar nicht, ob es eine synchronisierte Fassung gibt - bei uns lief auf jeden Fall nur die OmU-Version), untertitelt. Diese Übersetzung reicht wohl leider nicht ganz an das Original an - doch man kann sich meistens denken, was dort wohl im Englischen stand.

Weiterhin ist die Musik genial. Auch diese ist sehr absurd - was die Instrumentalisierung angeht, aber vor allem die Texte, die Fassbender auf eine geniale Art zum besten gibt. Die Figur des Frank wird als eine Art musikalisches Genie dargestellt - und die Musik im Film spiegelt auch genau dies wieder. Ohne zu zögern würde ich mir ein Album davon kaufen. So etwas hat man noch nie gehört und damit ist den Machern des Films hier ebenfalls etwas ganz Starkes gelungen, denn würde man der Musik ihre Genialität nicht abkaufen, wäre das in der Gesamtheit des Films wahrscheinlich stören. 
Insgesamt ist der Film kein Meisterwerk, an das man sich ewig erinnern wird. Aber er ist mit sehr viel Liebe inszeniert, bietet bitteren, skurrilen, teilweise schwarzen Humor, kann mit schönen Bildern und klasse Musikeinlagen aufwarten und allem voran liefern die Darsteller wirklich starke Leistungen ab, sodass man ihnen ihre Figuren sofort und gern abkauft.

Wenn der Film sich ein wenig mehr hätte entscheiden können, ob er sympathische Komödie oder doch bitter-böse Tragikomödie sein möchte, würde das Gesamtbild am Ende etwas positiver auffallen. So bleibt ein leicht bitterer Nachgeschmack, aber die Erinnerung an viele sympathische und lustige, aber zum Ende hin auch sehr emotionale und traurige Momente bleibt noch eine Weile im Kopf und regt zum nachdenken an.

Für mich auf jeden Fall einer der  - wegen seiner totalen Absurdität - witzigsten Filme des Jahres. Insgesamt würde ich 7,5 von 10 Punkten geben.
'Frank' kann man sich definitiv ohne groß zu überlegen anschauen, was falsch machen kann man mit dem Film nicht - und es ist wirklich ein Glück, dass er es noch in die deutschen Kinos geschafft hat.

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