Freitag, 11. September 2015

Frisch aus dem Kinosaal: Knight of Cups


Heute habe ich mir den neuen Film von Terrence Malick angesehen: Knight of Cups.
Der 'Poet des Kinos' wird Malick inflationär in den Medien genannt - und ich muss sagen, zu Recht. Auch ich werde nicht ohne das Wörtchen 'Poesie' auskommen.
Im Film verfolgen wir die Geschichte von Rick (Christian Bale), einem Hollywood-Drehbuchautor. Dieser befindet sich auf einer Art Sinnsuche. Mehr gibt es zur Grundhandlung zunächst auch nicht zu sagen.

Malick bleibt in seinem fünften Film seit seiner 20-jährigen Schaffenspause (die 1998 mit 'Der schmale Grat' endete) seinem, in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Stil (hauptsächlich im grandiosen 'Tree of Life' und 'To the Wonder'), treu und präsentiert uns statt einer durchgängigen Geschichte ein wahres Gewitter aus atmosphärischen Bildern. Diese sind auch die größte Stärke des Films - die Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki (Oscars für die beste Kamera für Gravity und Birdman bei den beiden letzten Academy-Awards - völlig verdient) prägt den gesamten Film.
Die wunderbare Bildsprache des Films erzeugt einen, teils ekstatischen, teils melancholischen Sog, der Einen mitten in das faszinierende Bild Malicks von Los Angeles wirft und vor die Leinwand fesselt.
Dazu kommen poetische (da ist das Wort!), philosophisch anmutende Monologe aus dem Off, die zu mindestens 90% die verbale Ebene des Films bilden. Fast unbemerkt bleibt dagegen der Soundtrack, welcher sich jedoch perfekt in das Gesamtbild einfügt und den surrealen Bilderrausch noch weiter unterstützt und auch die unfassbar gute Soundabmischung darf nicht unerwähnt bleiben.
Die Besetzung des Films ist - wie in eigentlich jedem Terrence Malick-Film - hervorragend. Christian Bale, Natalie Portman, Cate Blanchett, Imogen Poots, Antonio Banderas und alle anderen absolvieren ihre Aufgaben unaufgeregt, konstant und passen einwandfrei in den ekstatischen Bilderreigen.

Leider verließen bereits innerhalb der ersten Hälfte des Films einige Zuschauer das, ohnehin nicht prall gefüllte, Kino. Verstehen kann ich das definitiv, denn es gibt keine spannende Handlung und keinen roten Faden, dem man folgen könnte. Allerdings zieht Knight of Cups von Beginn an in seinen Bann und lässt einen voll in Ricks rauschvolles Hollywood-Universum voller Party und vor allem (überaus erotischen) Frauen eintauchen.
Zum Ende hin nimmt der Film eher noch ein wenig Tempo raus und weiß die Ekstase der ersten Hälfte leider nicht bis zum Ende hin zu vermitteln, was aber durchaus gewollt zu sein scheint, denn trotzdem hat das Ende eine nicht zu verleugnende Wucht.
Alles in allem sehen wir hier reine Kino-Poesie (Zum Zweiten), handwerkliche Finesse und das perfekte Zusammenspiel aus Bild und Sound. 


Jetzt, 30 Minuten nach Filmende, bin ich noch immer vollkommen begeistert - und freue mich schon auf das nächste Projekt von Terrence Malick.
Durch Punkte lässt sich Knight of Cups schlecht bewerten, visuell und handwerklich wäre er eindeutig eine 11/10. Jedoch bleibt der Film - wie auch schon die letzten Werke Malicks - wohl eher Geschmackssache.
Mein Gesamteindruck ist daher eine (sehr, sehr positive): 9 von 10! Unbedingt anschauen, falls ihr mal wieder großes Kino erleben wollt - und Hand aufs Herz, Handlung spielt auch bei aktuellen Blockbustern bestenfalls eine Komparsenrolle.

1 Kommentar:

  1. Ich konnte mit diesem Film absolut gar nichts anfangen. Bei mir stellte sich kein "teils ekstatische[r], teils melancholische[r] Sog, der Einen mitten in das faszinierende Bild Malicks von Los Angeles wirft und vor die Leinwand fesselt" ein, sondern nur gähnende Langeweile. Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen und war total enttäuscht, weil ich keine Botschaft und keine Handlung in diesem Film erkennen konnte.

    Dies sorgte dafür, dass ich eine meiner seltenen Filmkritiken aus der Ich-Perspektive geschrieben habe, die voller Frustration über diesen Film steckt (https://filmkompass.wordpress.com/2015/09/25/knight-of-cups-omu-2015/). Ich mag es überhaupt nicht, wenn ich zu einem Film überhaupt nichts sagen und somit schreiben kann.

    AntwortenLöschen