Donnerstag, 24. September 2015

Frisch aus dem Kinosaal: Pixels


Vorweg: 'Pixels' läuft seit fast drei Monaten in den deutschen Kinos und schafft es im hiesigen UCI immer noch auf zwei Vorstellungen am Tag. Warum? Ich weiß es nicht - am Film kann es eigentlich nicht liegen. Aber dazu später mehr.

Chris Columbus, der den Regiestuhl bei diesem Machwerk besetzte, zeigte sich schon für einige Kinohits verantwortlich - allen voran 'Kevin allein zu Haus' & 'Kevin allein in New York', sowie die beiden ersten 'Harry Potter'-Versoftungen.
Nun habe ich also gerade 100 Minuten mit seinem neuesten Film verbracht - und bin leider alles andere als begeistert.
Das mag zum Teil auch an der Besetzung liegen. Während ich Kevin James zumindest in 'King of Queens' noch etwas abgewinnen konnte, ist Adam Sandler für mich wirklich ein dunkelrotes Tuch. Doch ich bezweifle, dass andere Darsteller diesen Film besser hätten machen können, dafür ist das Drehbuch einfach viel zu schwach. Ich denke, schon beim Lesen meiner kleinen Zusammenfassung wird man sich an den Kopf fassen müssen.

Los geht's: 1982 nahm der kleine Adam Sandler an der Weltmeisterschaft der Arcade-Games ('Centipede', 'Asteroids', 'Donkey Kong' etc.) teil und verlor knapp gegen den kleinen - äh, jungen - Peter 'Vokuhila' Dinklage (Tyron Lannister). Nebenbei werden Aufzeichnungen dieses Events gemacht (natürlich von der NASA höchstpersönlich) und in einer Kapsel, zusammen mit anderen Highlights des Jahres '82, in's All geschickt.
30 Jahre später ist das frühere Anhängsel von Vizeweltmeister Sandler, Kevin James, US-Präsident - was auch sonst - und Sandler Techniker bei einer Firma namens, Achtung Kreativitätssupergau, NERD.
Nach einer kleinen Einführung der mittlerweile erwachsenen Charaktere - und dem Love Interest für Sandler (Michelle Monaghan) - greifen Aliens, welche die Szenen der Weltmeisterschaft '82 als Kriegserklärung gesehen haben, die Erde an. Selbstverständlich in Form der, in den Aufzeichnungen zu sehenden, Retro-Spielfiguren. Diese vernichten alles, indem sie es - wie sollte es anders sein - verpixeln (Nein. Nein, nein. Vervoxeln. Alles ist 3D, Pixel sind 2D. Der Name des Films ist Schwachsinn - ach, egal. Der ganze Film ist Schwachsinn.). 
Natürlich hat die Menschheit drei Leben... bla, bla, bla. Retten können die Welt natürlich nur die besten Zocker von '82, die Präsident Kevin James natürlich persönlich kennt und bla, bla, bla.
Alles genauso blöd, wie es sich anhört.

Kann man 'Pixels' etwas positives abgewinnen? Ja, wenn man die Anspielungen versteht. 
Denn das ist teilweise ganz sympathisch gemacht, die Außerirdischen Voxel-Monster lassen sich genau wie in den jeweiligen Spielen besiegen und der Film ist quasi in Leveln aufgebaut - erst Centipede, dann Pac-Man usw. - und man fragt, was das nächste sein könnte.
Auch der Humor des Films lebt zu 100% von diesen Anspielungen. Jeder weitere Moment, der wohl lustig sein soll, ist der typische Sandler-und-James-Blödel-Humor - und das Niveau dieser Blödeleien ist wirklich, wirklich niedrig. (Aber hey, Kevin James als Präsident? Wie viel Niveau will man erwarten?)

Kommen wir zu den Effekten, die ja einen großen Teil des Films ausmachen. Sind diese gut? Nein. Sind sie schlecht? Nein. Guter Durchschnitt ohne Highlights, würde ich behaupten.
Aber was das wirklich schlimme an den ganzen Effekten ist: In 2D und echten Pixeln haben alle Figuren ihren Charme, ohne Frage. Aber umgesetzt in neonbunte 3D-Möchtegern-Pixel? Nein, das hat nichts von dem alten Charme, überhaupt nichts. Es macht eher aggressiv, wenn man bedenkt, was aus diesen Figuren gemacht wurde.

Kommen wir aber nun zur Frage aller Fragen: Sollte man sich diesen Film anschauen? Und vor allem, WER sollte sich diesen Film angucken? Erwachsene, die vor 30 Jahren tagelang ihren Atari 2600 bearbeiteten? Kinder, die eine Affinität zu Videospielen besitzen? Jeder, der auf aktuelles Actionkino und Sandlers Blödeleien stehen?
Also. 1.: Nein, man sollte sich diesen Film - zumindest im Kino - nicht anschauen. Und 2.: Ich habe keinen Plan, für welches Zielpublikum Columbus diesen Film gemacht hat. Erwachsene, die mit Figuren wie Pacman aufgewachsen sind, werden sich wahrscheinlich nur ärgern. Kinder, die diese nicht kennen, werden nicht verstehen, was auf der Leinwand vor sich geht. Leute, die einen typischen Adam Sandler und Kevin James-Film mit ein wenig mehr Action sehen wollen? Noch am ehesten. Aber dafür hätte sich Columbus wohl irgendwie zwischen Sandler-Komödie und Science-Fiction-Action entscheiden sollen. 

Insgesamt haben wir also ein sehr dummes Drehbuch, eine halbwegs gute Besetzung - die ich jedoch nicht mag, mittelmäßige Effekte, uncharmante Charaktere und absolut niemanden, für den dieser Film gemacht zu sein scheint.
Das positivste sind ein paar gelungene Anspielungen auf die Frühzeit der Videospiele und wenige - wirklich sehr wenige - gute Gags. Dazu die Inszenierung der Actionszenen, die ganz in Ordnung ist, was bei einem Regisseur wie Chris Columbus aber auch selbstverständlich sein sollte.

Bitte beherzigt meinen Tipp und gebt für 'Pixels' kein Geld aus. Er wird weder euch Videogame-Nerds, noch euren Kindern gefallen. Es sei denn, ihr begebt euch - wie ich - gern mal in die Rolle des 'Hass-Guckers' und wollt über jede Ungereimtheit im Drehbuch, jedes Klischee und jeden dummen Witz laut lachen und darüber aufregen. Dafür ist der Film prädestiniert - und vielleicht habe ich damit auch die Zielgruppe gefunden.
Enttäuscht wurde ich schlussendlich nicht, denn ich habe überhaupt nichts anderes erwartet. Doch was mich enttäuscht ist, dass ein solcher Film anscheinend so viele Besucher anlocken konnte, dass er bald in seinen vierten Monat im Multiplex-Kinoprogramm geht. 
Hoffentlich ist dieser Spuk bald vorüber - denn da schmeiß ich lieber meinen Atari 2600 an und spiele die, wirklich schlechte, Atari-Pacman-Fassung bis hin zum Weltrekord, als noch einmal 'Pixels' zu schauen, oder diesen irgendwem zu empfehlen.

Aufgrund der wenigen guten Anspielungen und der drei Momente, an denen ich fast gelacht hätte, kann ich noch 2,5 von 10 Punkten geben. 
Peter Dinklage: Mach dich nicht kleiner, als du bist. Und Adam Sandler: Kauf dir eine Insel und mach's dir bequem - nur lass das bitte mit den Filmen! Kevin James darf dich auch gern begleiten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen