Dienstag, 22. September 2015

Frisch aus dem Kinosaal: Vacation - Wir sind die Griswolds

(© Warner Bros. Pictures)

1983 kam der erste Film über die Familie Griswold unter dem deutschen Titel 'Die schrillen Vier auf Achse' in die Kinos. Auf diesen folgten in den darauf folgenden 20 Jahren noch vier Fortsetzungen, die ersten drei davon noch mit der Originalbesetzung um Chevy Chase und Beverly D'Angelo.
Nun, über 30 Jahre nach Teil Eins, hat der Reboot- und Fortsetzungswahn Hollywoods zu der Idee und Umsetzung eines sechsten Films um die chaotische Familie geführt. Den Regiestuhl teilen sich dabei John Francis Daley und Jonathan Goldstein, die beide ihr Regiedebüt geben.

Diesmal begleiten wir den, mittlerweile erwachsenen, Sohn Rusty Griswold und seine eigene Familie mit Frau und zwei pubertierenden Söhnen. Rusty wird diesmal von Ed Helms dargestellt, vor allem bekannt aus der 'Hangover'-Trilogie. Seine Frau Debbie wird von Christina Applegate - 'Dumpfbacke' aus 'Eine schrecklich nette Familie' - gespielt. 
In den Rollen der beiden Söhne Kevin und James sind Steele Stebbins bzw. Skyler Gisondo zu sehen. 
Auch Rustys Eltern sind kurz mit von der Partie - hier schlüpfen Chevy Chase und Beverly D'Angelo wieder in ihre altbekannten Rollen. In weiteren Nebenrollen sehen wir unter anderem Chris Hemsworth ('Thor') und Charlie Day ('Kill The Boss').


Die Story ist im Prinzip die gleiche wie schon 1983: Familie Griswold begibt sich auf einen Roadtrip zum Freizeitpark 'Walley World'. 
Aufhänger ist diesmal die kriselnde Beziehung Rustys zu seiner Frau - und der allgegenwärtige Alltag, gegen den er etwas unternehmen möchte. Die einzige Lösung für diese Probleme ist selbstverständlich, den Roadtrip von damals - an den Rusty anscheinend nur positive Erinnerungen hat - zu wiederholen und seine eigene Famile nach Walley World zu kutschieren.
Auf dem klischeebeladenen Weg zu besagtem Freizeitpark verfehlt die Familie - allen voran Vater Rusty - selbstverständlich kein noch so kleines Fettnäpfchen und stolpert von einem anzüglichen Sexwitz in den nächsten. Und auch Fäkalien scheinen es den Regisseuren (die sich gleichzeitig auch für das Drehbuch verantwortlich zeigten) sehr angetan zu haben.

Diese Flach- und Zotenhaftigkeit ist auch das ärgerlichste am gesamten Film. Denn: Die Besetzung hat einiges an Potential. Dass Ed Helms, Christina Applegate und Chevy Chase in Komödien glänzen können, wissen wir bereits, doch auch die Darsteller der beiden Brüder machen ihre Sache wirklich gut und sorgen für einen Großteil der Lacher (die Rollen sind amüsant geschrieben und auch die Idee, dass Kevin - der kleinere der beiden - den größeren James in einer Tour piesackt, trifft zumindest ins Graue).
Leider lässt 'Vacation' nahezu jeglichen Charme des Originals vermissen und hebt sich in keiner Weise von durchschnittlichen Hollywood-Komödien ab. Denn in einem sind sich mittlerweile wohl alle Macher solcher Filme einig: ohne Penisse und Fäkalien geht nichts mehr. Bullshit. Was auch immer an diesem Film witzig ist, ist eben das, was ohne solche 'Provokationen' (die, wenn überhaupt, noch die konservativste und christlichste Hausfrau der gesamten U.S.A. provozieren) auskommt.

Insgesamt ist 'Vacation' ein ziemlich überflüssiges Reboot, das keine neuen Ideen bietet und nur dem Fahrplan der zotigen Hollywood-Komödien der Nach-Hangover-Zeit folgt. Trotzdem muss ich sagen, dass ich - gerade im ersten Drittel des Films - einige Male lachen konnte. Aber lohnt sich deswegen der Kino-Eintritt? Klare Antwort: Nein. 
Da kann man sich genauso gut jede dieser 'provokativen' Komödien der letzten Jahre wie 'Wir sind die Millers', 'Kill The Boss', 'Hangover I -III', 'Sex Tape' oder 'Bad Neighbours' anschauen - und auch davon ist 'Vacation' noch eine der schlechteren.

Aufgrund einiger guter Momente - die allerdings zum größten Teil auch schon in den Trailern zu sehen sind - und der guten Besetzung ist der Film für mich aber immer noch eine 4 von 10.
Für wenig Geld an einem sehr, sehr regnerischen Sonntag kann man sich den Film schon mal anschauen - oder aber beim besseren Original bleiben, in welchem Chevy Chase als Familienvater mehr Humor und Charme vorweist, als dieses Machwerk in seiner Gesamtheit.

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