Sonntag, 13. September 2015

Geheimtipp: Blast - Wo die Büffel röhren



Hunter S. Thompson

Mein heutiger Geheimtipp ist, zumindest in Deutschland, im wahrsten Sinne des Wortes ein Geheimtipp. 
Ich spreche von 'Blast - Wo die Büffel röhren', bzw. 'Where the Buffalo Roam', so der Originaltitel (und so werde ich den Film auch im weiteren Verlauf nennen). 

Leider ist der Film, trotz seiner Besetzung mit Bill Murray und Peter Boyle, hierzulande ziemlich unbekannt. Dies liegt wohl auch daran, dass die Person, deren Leben als Grundlage für diesen Film diente, außerhalb der U.S.A. eine viel zu geringe Popularität genießt. Ich meine den Autor und Begründer des Gonzo-Journalismus, Hunter S. Thompson. 
Dem größeren Publikum ist Thompson wohl hauptsächlich als Autor des Romans 'Fear and Loathing in Las Vegas' bekannt, welcher 1998 von Terry Gilliam verfilmt wurde. Zumindest dieser Film sollte den meisten ein Begriff sein. Ein zweiter Roman Thompsons, 'The Rum Diary', wurde 2011 verfilmt.
In den U.S.A. zählt Hunter Thompson zu den bekanntesten und einflussreichsten Journalisten des letzten Jahrhunderts. Leider ist dieses Ausmaß an Bekanntheit und Einfluss nicht über den Ozean auf das europäische Festland geschwappt. Aus diesem Grund ist es für mich, seit Jahren großer Fan von besagtem Thompson, Ehrensache auf ihn aufmerksam zu machen.
Am besten lest ihr die Bücher - aber ein guter Anfang wäre es bereits 'Where the Buffalo Roam' zu schauen.

Where the Buffalo Roam
Wie auch Gilliams 'Fear and Loathing in Las Vegas' zieht der Film seine Faszination aus der Darstellung der Figuren und deren Handlungen. Wer 'Fear and Loathing' gesehen hat, oder sogar eines oder mehrere seiner Bücher gelesen hat, weiß, dass Geschichten aus der Feder Thompsons meist versuchen kritische Töne durch die Augen eines sehr exzentrischen und exzessiven Alter Egos zu erzählen. 

In 'Fear and Loathing' und 'The Rum Diary', verkörpert Johnny Depp, übrigens ein guter Freund Thompsons, der sich 2005 selbst erschoss, die jeweiligen Alter Egos Raoul Duke bzw. Paul Kemp.
In 'Where the Buffalo Roam', dem ersten Film der sich bei Thompson bediente, übernimmt Bill Murray ('Ghostbusters', 'Und täglich grüßt das Murmeltier') die Hauptrolle. In diesem Fall ist diese sogar explizit Dr. Hunter S. Thompson - der Film beruht auf einigen, zum Teil autobiographischen Werken und Artikeln Thompsons (Der von Thompson erfundene Gonzo-Journalismus ist genau das: es wird auf eine objektive Sicht der Dinge verzichtet und der Autor bringt sich selbst und seine Sichtweise mit den beschriebenen Geschehnisse zusammen - so entsteht eine Mischung aus realen, autobiographischen und fiktiven Erlebnissen. Zum Stil gehören dabei vor allem auch Sarkasmus, Schimpfwörter, Humor und Polemik.). 

Regie führt übrigens ein gewisser Art Linson. Dieser machte als Regisseur nicht wirklich von sich reden, dafür jedoch umso mehr als Filmproduzent - er zeigte sich unter anderem verantwortlich für großartige Werke wie 'Die Unbestechlichen', 'Heat', 'Fight Club' oder 'Into the Wild'.






Handlung
Die Handlung lässt sich eigentlich schnell abhandeln - denn im Prinzip schildert der Film episodenhaft den Aufstieg Thompsons zu einem der Top-Journalisten der 70er Jahre und seine ungesunde Beziehung zum Anwalt Oscar Zeta Acosta (Rollenname: Carl Lazlo), dargestellt von Peter Boyle (Auf Acosta beruht im übrigen auch die Darstellung des Anwalts in 'Fear and Loathing in Las Vegas').

Grob ist der Film in drei Abschnitte zwischen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre unterteilt, wobei es auch in jedem dieser Abschnitte kleinere Episoden gibt. Diese sind ebenso auschweifend und exzessiv wie die beiden Hauptprotagonisten des Films. 
Als Beispiel eine großartige Szene in einem Hotelzimmer, welches von der Zeitung, für die Thompson schreibt - das Blast!-Magazin - für diesen angemietet ist und schließlich während eines, mit reichlich Alkohol und Drogen angereichertem, Footballspiels unter Thompson und zwei Hotelangestellten in seine Einzelteile zerlegt wird. 

Kritik
Insgesamt ist 'Where the Buffalo Roam' ein Sammelsorium an abstrusen Geschehnissen und Charakteren. Doch diese sind so stark und mit so vielen Details gestaltet - unter der Mitarbeit von Hunter S. Thompson selbst - das jede Szene eine wahre Freude ist.
Auch die Zeit der ausgehenden 60er und anlaufenden 70er Jahre ist auf den Punkt getroffen. Es macht einen Heidenspaß, sich für 90 Minuten in diese Zeit zu versetzen. 
Der Film ist - mehr noch als 'Fear and Loathing in Las Vegas' und 'The Rum Diary' - eine filmische Umsetzung des Gonzo-Journalismus. Freunde dessen, oder Menschen, die diese Form des Journalismus oder aber die Person Thompson interessiert, sollten sich 'Where the Buffalo Roam' auf jeden Fall zu Gemüte führen. Genauso kommen Leute auf ihre Kosten, die die 60er/70er Jahre und/oder den Bill Murray dieser Zeit mögen. 
Dieser spielt die Rolle des Hunter Thompson sehr überzeugend - ähnlich der Verkörperung Johnny Depps, aber dennoch mit vielen eigenen Zügen (Beide verbrachten vor den Dreharbeiten viel Zeit mit Thompson und versuchten sich seine Art anzueignen - jedoch mit 20 Jahren Zeitunterschied).

Schlussendlich sollte jeder, der 'Fear and Loathing' etwas abgewinnen konnte, auch diesen Film sehen. Denn wer den verrückten Raoul Duke und seinen Anwalt unterhaltsam fand, den werden auch Thompson und Lazlo begeistern - und ein paar Szenen aus 'Fear and Loathing' wird man auf jeden Fall, in anderer Interpretation, wiedererkennen.

Verfügbarkeit
Leider bekommt man den Film in Deutschland sehr schlecht. Was Streaming angeht, ist zurzeit (Stand: 24.06.2015) Watchever der einzige Anbieter. 
Auch eine deutsche DVD-Version ist schwer zu bekommen. Jedoch ist die englische Fassung deutlich besser, allein schon wegen Bill Murray - wobei auch die deutsche Synchronisation durchaus gelungen ist und Spaß macht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen