Sonntag, 20. September 2015

Survival-Filme: Frozen & Nordwand



Durch den Film 'Everest', den ich vor wenigen Tagen gesehen habe, ist bei mir die Lust auf Survival-Filme wieder erwacht.
Wie man schon in meiner Rezension zu 'Everest' lesen konnte, bin ich ein großer Freund dieser Art von Filmen. Ich mag die Verzweiflung und Beklommenheit, die diese transportieren und auf den Zuseher übertragen können.
Aus diesem Grund möchte ich hier in nächster Zeit immer mal wieder den ein oder anderen Survival-Streifen vorstellen.
Meine Lust daran haben in den vergangenen Tagen die beiden Filme 'Frozen - Eiskalter Abgrund' (2010) und 'Nordwand' (2008) - mehr oder weniger - befriedigt.



Frozen
Der Film mit dem deutschen Untertitel 'Eiskalter Abgrund' wurde 2010 von Adam Green ('Hatchet I & II') inszeniert und in den drei Hauptrollen sehen wir Emma Bell ('Final Destination 5'), Shawn Ashmore ('X-Men') und Kevin Zegers ('Transamerica').
Die Story ist sehr simpel und schnell erzählt, hat mich aber direkt interessiert.
Wir sehen die drei College-Freunde Parker (Bell), Joe (Ashmore) und Dan (Zegers), die am Abend eines vergnüglichen Tages auf der Skipiste durch die Verkettung unglücklicher Umstände über Nacht in luftiger Höhe auf einem Skilift gefangen sind.

Die Idee fand ich wirklich interessant, da Einsamkeit, Beklommenheit und Verzweiflung quasi vorprogrammiert scheinen. Leider ist der Film kein wirklicher Survival-Film, wie die Story vermuten lässt, sondern ein Horror-B-Movie, wie man sie vom Regisseur des Filmes kennt. Das ist schade, denn so macht 'Frozen' die typischen Fehler dieses Genres. 
Neben den schauspielerischen Leistungen, die nicht die allerbesten sind, ist das Drehbuch leider ein Witz. Es ist von vorne bis hinten gespickt mit hohlen Dialogen und vor allem unfassbar dummen Entscheidungen. In einer Tour muss man sich an den Kopf fassen und denken: "Ja, das geschieht euch recht. Das hätte jeder Grundschüler schlauer gelöst."
Und wenn man sich den Film bis zum Ende ansieht, dann wird einem auch klar was das soll - der Film möchte keine Beklommenheit oder Einsamkeit rüberbringen - nein, er setzt auf wenige, nicht allzu gute Ekeleffekte. Das typische Teenie-Horrorfilm-Prinzip der Kategorie "Natürlich renne ich hübsches Schulmädchen jetzt nackt und ohne Licht in den Wald voller Inzest-Hinterwäldler."

Alles in allem sehr schade. Ein Film, der in großen Teilen nur aggressiv macht - und die eigentlich wirklich gute Idee einfach verschenkt. Ich bin sehr enttäuscht und mein Hunger nach Mann-gegen-Natur ist nicht ansatzweise gestillt. Aufgrund zwei oder drei guter Momente, gebe ich noch 2,5 von 10 Punkten.


Nordwand
Der nächste Film macht es schon besser. 'Nordwand' entstand 2008 unter der Regie von Phillip Stölzl ('Der Medicus') und behandelt die wahre Geschichte von Toni Kurz (Benno Führmann) und Andreas Hinterstoisser (Florian Lukas), die 1936 im Rahmen der Olympischen Spiele in Berlin die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand in Angriff nahmen.
In einem weiteren Storystrang begleiten wir die angehende Journalistin Luise Fellner (Johanna Wokalek), eine alte Bekannte der beiden Bergsteiger, die diese erst zu dieser waghalsigen Aktion überredet und für ihre Zeitung vor Ort ist.

'Nordwand' ist für eine deutsche Produktion wirklich gut, die Ausstattung ist klasse, die Schauspieler populär und gut gewählt und auch die Effekte und Kameraarbeit in den Szenen am Berg kann sich wirklich sehen lassen.
Leider muss man sagen, dass die Szenen am Berg auch die mit Abstand stärksten sind. Während des versuchten Aufstieges tun sich die beiden deutschen Kletterer - unfreiwillig - mit ihren österreichischen Konkurrenten (das Nazi-Regime hatte zu den Olympischen Spielen zu einem Wettkampf um die Erstbesteigung ausgerufen) zusammen. In dieser Viererkonstellation kommt es dann auch, nachdem es zunächst gut aussah, wetterbedingt zum Überlebenskampf. Wie schon erwähnt, sind diese Szenen wirklich gut und packend inszeniert und bieten die angesprochene Verzweiflung und Beklommenheit. Leider werden diese deutlich zu oft durch die Nebengeschichte um die Reporterin unterbrochen, die mit vielen Klischees und nicht allzu spannend daher kommt.
Allerdings kann man sagen, dass dieser Film insgesamt eine Empfehlung wert ist, denn er ist gut gefilmt, klasse besetzt (in weiteren Rollen sehen wir unter anderem noch Ulrich Tukur, Georg Friedrich und Simon Schwarz) und vermittelt eine tolle Survival-Atmosphäre.

Was hingegen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf, ist die nicht zu übersehende Nähe zum "Helden-Film" im dritten Reich, wie ihn zum Beispiel eine Leni Riefenstahl inszenierte. Der Deutsche wird hier zum starken Kämpfer und Überwinder aller Gefahren emporgehoben und glorifiziert.
Das Regisseur Stölzl eine leichte Sympathie für diese - zumindest filmerisch ja auch wegweisende - Art von Film hat, konnte man auch schon im, von ihm inszenierten, Video zu Rammsteins 'Stripped' erkennen, in welchem er Szenen aus Riefenstahls Olympia-Film verwendete.
Doch das beachte ich in meiner Wertung nun einfach mal nicht. Insgesamt sehen wir einen gut gemachten, mitreißenden Bergsteigerfilm, der zwar einige Schwächen hat, aber auch viel richtig macht. Insgesamt gebe ich für 'Nordwand' 6,5 von 10 Punkten.


Rammsteins 'Stripped' mit Szenen aus Leni Riefenstahls 'Olympia'

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