Dienstag, 8. September 2015

Vom 17.06.2015: Jurassic World. Oder: Jurassic Park neu aufgelegt.


Jurassic Park
Auf viele Kinder üben Dinosaurier eine große Faszination aus. Ich war so ein Kind. Bücher, Plastikfiguren, Videokassetten – ich hatte alles. Doch als Kind der 90er Jahre hat mich in diese Richtung nichts mehr beeindruckt als Stephen Spielbergs Jurassic Park und zumindest auch noch der erste Nachfolger. Es gab einfach nichts vergleichbares, nirgendwo wirkten Dinosaurier so echt und lebendig (man muss allerdings dazu sagen, dass es außer In einem Land vor unserer Zeit und einigen B-Movies keine Filme mit Dinosauriern gab, der Hype wurde erst von Herrn Spielberg losgetreten). Ich wollte damals immer in den Jurassic Park – und damit bin ich wahrscheinlich nur einer von sehr, sehr vielen. Das Einspielergebnis – Weltrekord, bis James Cameron seine Titanic zerlegte – spricht Bände.
Nach dem eher mäßigen dritten Teil – welcher aber immernoch beeindruckende Dinosaurier zu bieten hatte – gab es ständig Nachrichten und Gerüchte um einen möglichen vierten Teil. Bereits 2005 sollte dieser unter der Regie von Spielberg und mit Sam Neill (Dr. Alan Grant in Teil 1 und 3) verwirklicht werden, doch daraus wurde nichts, genau wie in den folgenden Jahren. Immer gab es Gründe, die dafür sorgten, dass der Film nicht gedreht wurde – sei es der Tod des Jurassic Park-Erfinders Michael Chrichton oder ein zu schlechtes Drehbuch. Doch 2013 hieß es dann endlich:Jurassic World wird gedreht! Und ich freute mich wie ein kleines Kind.
Jurassic World
Kommen wir nun zum eigentlichen Thema. Am vergangenen Samstag war es dann so weit, ich habe mir Jurassic World im Kino anschauen können. Doch vorweg: Ich versuche mich mit Spoilern gänzlich zurück zu halten und nur auf das einzugehen, was schon im Trailer gezeigt wurde. Deshalb gehe ich nur kurz auf die Handlung ein und halte mich mehr an meine persönlichen Erfahrungen. Außerdem habe ich den Film in 2D gesehen, weshalb ich die 3D-Effekte nicht beurteilen kann. Auch wenn ich sagen kann, dass ich noch keine Kritik gelesen habe, welche diese gutheißt.

Handlung
Im Grund kopiert Jurassic World einfach nur sehr gekonnt das, was Jurassic Park vor über 20 Jahren bereits richtig gemacht hat: Zwei Kinder (Ty Simpkins und Nick Robinson) werden von einem Verwandten (Bryce Dallas Howard), welcher einen prähistorischen Freizeitpark leitet, dorthin eingeladen. Daraufhin wird aus deren Augen die faszinierende Welt der Dinosaurier gezeigt, bevor es zu einer – von Menschen verursachten – Katastrophe kommt, welche auch die beiden Kinder betrifft. Diese müssen dann vom Held des Films (Chris Pratt) gerettet werden.
Nebenbei gibt es selbstverständlich auch noch eine böse Organisation, die niederträchtige Pläne mit der Dino-DNA hat. So weit, so kopiert. (Auch wenn natürlich – wie man im Trailer schon erfährt – ein Genmodifizierter Superdino dazu kommt. Doch wir hatten ja auch schon den Spinosaurus in Teil 3, welcher schon in diese Richtung ging).

Wenn man jedoch mit genau der Haltung und den Erwartungen an den Film geht wie ich – und das wären keine Erwartungen bezüglich Story oder Logik, sondern einfach einen unterhaltsamen, zweistündigen Ritt durch die Jurassic World zu erleben – dann kann einem das auch herzlich egal sein.
Denn im Prinzip ist der Film ein Reboot der Serie (Es soll auch der Startpunkt einer neuen Trilogie sein), welches jedoch direkt an den ersten Teil, Jurassic Park, anschließt. Und es wird dabei relativ deutlich, dass mit dem Jurassic-Franchise ein gänzlich neues Zielpublikum abgeholt werden soll. Die Eckpfeiler des Ur-Films werden übernommen und auf modern getrimmt (Wie z.B. durch durchsichtige, rollende und sehr futuristische Glaskugeln statt der klassischen Jeeps).
Trotzdem gibt es genug Service für die Fans der ersten Filme. In einer Szene trägt z.B. ein Wissenschaftler ein T-Shirt des ersten Parks, welches er bei Ebay bekommen habe oder man bekommt einen kurzen Einblick in das Zentrum des Jurassic Park, welches die Natur zurück erobert hat.


Kritik
Der Regisseur des Films, Colin Trevorrow, schafft es (denke ich) mit diesem Film perfekt die Jugend von heute abzuholen (auch wenn der Film an manchen Stellen recht brutal ist und somit sein FSK12-Rating rechtfertigt), aber genauso auch die mittlerweile erwachsenen Fans, die eventuell sogar mit ihren Kindern den Film anschauen.

In meiner Kritik gehe ich, um das noch einmal klar zu machen, davon aus, dass man keine Erwartungen hat bzw. ohne diese den Film schaut, denn was Story oder Logik angeht, bewegt sich der Film irgendwo zwischen Transformers und Fast and Furious – also ganz unten. So gibt es einige Szenen – vor allem umso weiter es in Richtung Finale geht – bei denen man sich an den Kopf fassen und fragen muss, was das soll, da diese so deutlich Over-the-Top sind. Doch ohne solche Momente kommt heute ja sowieso kein Blockbuster mehr aus, getreu dem Motto Harder, Faster, Louder.

Der größte Kritikpunkt den ich anmerken möchte und an dem ich leider nicht vorbei sehen konnte ist, dass der 22 Jahre alte Jurassic Park deutlich besser aussieht. Und damit mein ich hauptsächlich die Dinosaurier. Die Welt ist sehr schön und stimmig und man fühlt sich auch schnell wohl in der Jurassic World.
Doch leider hat es mich immer wieder aus dem Film gerissen, dass man den Dinos ihre Computerabstammung zu deutlich ansieht. Wo die ersten Filme noch sehr gekonnt Puppen und CGI verbanden, wurde in diesem Film nur eine einzige sichtbare Puppe verwandt (die Szene – ihr werdet sie erkennen – macht dann auch direkt deutlich mehr Eindruck und geht viel näher). Wären die CGI-Effekte auf höchstem Niveau, könnte man darüber hinwegsehen, doch leider hat man das schon deutlich besser gesehen – in den letzten Jahren und vor allem 1993 in Teil 1.
Gegenüber den computergenerierten Dinosauriern wirken die Schauspieler selbst logischerweise sehr lebendig – auch wenn keiner von ihnen in seiner Rolle wirklich hervorsticht, nicht einmal Chris Pratt, den ich in fast jeder vorherigen Rolle besser fand. Doch auf der anderen Seite muss man sehen, dass auch keiner der Darsteller ins negative abfällt – nicht einmal die Kinderdarsteller wirken überfordert oder nervig.

Über sämtliche Kritikpunkte kann man schließlich – erst recht, wenn man sich im richtigen Alter zwischen 10 und 16 Jahren befindet – locker hinweg sehen. Insgesamt hat man zwei Stunden lang Spaß in der Jurassic World und der Reboot der Serie ist gelungen. Mittlerweile sind auch schon alle Einspielrekorde gebrochen, weshalb der neuen Trilogie nichts im Weg stehen sollte, Chris Pratt hat auch bereits für die nächsten Filme unterschrieben. Wir werden sehen, wie die Macher in Punkto Action noch einen drauf setzen wollen. (Jurassic World gibt uns da einige Hinweise – ich hoffe jedoch, dass es nicht in die angedeutete Richtung geht.)

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