Samstag, 24. Oktober 2015

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

(© 20th Century Fox)

Der neue Film von Ridley Scott Der Marsianer – Rettet Mark Watney beruht auf dem weltweiten Bestseller gleichen Namens von Andy Weir - den ich leider vorher nicht gelesen habe. In der Hauptrolle sehen wir Matt Damon als Mark Watney, neben ihm ist der Cast u.a. mit Jeff Daniels, Jessica Chastain, Kristen Wiig, Michael Peña, Kate Mara, Sean Bean, Chiwetel Ejiofor und Donald Glover mehr als großartig besetzt.

Der Film wirft den Zuschauer mitten in eine Mission einiger Astronauten auf dem Mars. Während dieser Mission kommt es zu einem starken Marssturm und sie muss abgebrochen werden. Auf dem Weg zur Kapsel, die die Missionsmitglieder vom Planeten weg und zurück zur Raumstation Ares III bringen soll, geht Mark Watney (Matt Damon) verloren. Da alle Anzeichen auf einen toten Watney stehen, macht sich der Rest der Crew ohne ihn zurück auf den Weg zur Erde – doch Mark Watney kommt einige Zeit später wie durch ein Wunder wieder zu sich und muss nun auf einem öden Planeten überleben, zu dem eine Rettungsmission knapp vier Jahre dauern würde und während die Nahrungsmittel- und Wasservorräte bald zur Neige gehen. Zum Glück ist Watney Botaniker – ein sehr intelligenter und gewitzter Botaniker!
Währenddessen stehen allerdings auch die Verantwortlichen der NASA auf der Erde unter enormen Druck, nachdem sie entdecken, dass sie einen ihrer Astronauten lebend auf dem Mars zurückgelassen haben...



Wie zuvor schon erwähnt, habe ich die Buchvorlage nicht gelesen, weshalb ich diese in meiner Rezension leider außen vor lassen muss. Die Geschichte ist jedoch auch im Film sehr faszinierend und interessant und wird mit reichlich Wissenschaft unterfüttert. Fast alles wirkt realistisch und man kann sich vorstellen, dass all dies auch so möglich wäre. 
Was sehr positiv ins Gewicht fällt ist, dass die Handlungsstränge auf dem Mars, auf der Erde und auf dem Raumschiff Ares III allesamt spannend und ohne Leerlauf inszeniert sind, sodass man nicht während des einen gelangweilt auf den anderen Part wartet. Besonders faszinierend ist dabei selbstverständlich der Hauptteil um Mark Watney auf dem Mars, der mit viel Witz und Humor dargestellt wird und durchgehend unterhält – in den ruhigen, sowie den dramatischen Momenten. Auch die Handlung auf der Erde ist nicht bierernst erzählt, obwohl es sich um einen eigentlich sehr ernsten Storystrang handelt – doch das der Film kein reines Drama werden wollte, sieht man wohl schon am Cast mit Jeff Daniels, Kristen Wiig oder Donald Glover.
Für mich war der Film dabei in seinen ruhigeren - mal humorvollen, mal dramatischeren -Momenten, in welchen die Charaktere glänzen können, auch klar am stärksten. Zum Ende hin dreht Scott dann mehr an der Action- und Spannungsschraube, was in meinen Augen nicht ganz so optimal funktionierte – aber immer noch sehr gut. 

Was den ganzen Film durch gut funktioniert, sind auf jeden Fall die Charaktere und deren Darsteller. Vor allem die Figur Mark Watney ist klasse gezeichnet und von Matt Damon hervorragend zum Leben erweckt. Auch sämtliche anderen Darsteller spielen hervorragend – allen voran Jeff Daniels als NASA-Direktor und Jessica Chastain als Commander der Ares III. Aber auch Sean Bean, Kate Mara, Michael Peña, Kristen Wiig, Chiwetel Ejiofor oder Donald Glover, in einer tollen fast Comic-Relief-mäßigen Rolle, sind perfekt besetzt. Leider kann nicht all ihren Charakteren im Verlauf des Films genug Zeit eingeräumt werden, um ihren Charakter großartig zu unterfüttern oder ihnen Zeit zum glänzen zu geben. Das ist für mich auch eines der größten Defizite von Der Marsianer – er wirkt trotz seiner Lauflänge von über 140 Minuten oft abgehackt und gehetzt, wirft interessante Charaktere in den Raum, nur um sie dann wieder an den Rand zu drängen. Mir ist klar, dass dies wahrscheinlich der Buchvorlage geschuldet ist, da man nicht alles in einen  Film stopfen kann – doch wahrscheinlich hätte dem Film eine halbe Stunde mehr oder aber ein, zwei Charaktere weniger nicht gerade geschadet. Aber so bleibt ein wenig dieser fade Beigeschmack, dass zu viel Stoff in zu wenig Zeit gepackt wurde, den nahezu jede Buchverfilmung mit sich trägt.

Das soll es mit meinen Kritikpunkten aber eigentlich auch schon gewesen sein, denn: Der Marsianer ist optisch eine brachiale Wucht. Scott präsentiert uns wunderbare Aufnahmen auf dem Mars und im Weltall. Weite Shots über die öden, roten Landschaften des Planeten, die einen die Einsamkeit, die Mark Watney erfährt, spürbar erleben lassen. Auch die computergenerierten Effekte fügen sich perfekt ein und fallen gegenüber den realen Sets und Requisiten überhaupt nicht auf, alles wirkt wie aus einem Guss. Zur 3D-Technik kann ich an dieser Stelle leider nichts sagen, da ich mir den Film nur in 2D angeschaut hab - aber ich kann mir vorstellen, dass 3D an der ein oder anderen Stelle doch noch einen Mehrwert bietet. 
Neben der optischen Darstellung ist die musikalische Untermalung ein weiteres Highlight. Neben dem guten Score von Harry Gregson-Williams finden einige Disco-Hits (die einzige auf dem Mars verfügbare Musik, ist die von Jessica Chastains Rolle – einer großen Freundin der 70s-Disco-Musik) Einzug in den Film. So hören wir u.a. Donna Summer, ABBA oder David Bowie. Und jeder einzelne Song ist zwar atypisch für die jeweilige Szenerie, fügt sich aber trotzdem toll ein und verleiht den Bildern, der jeweiligen Szene und dem ganzen Film einen ganz besonderen Stil und Charme.
Auch die restliche Soundregie im Weltall und auf Mars und Erde ist klasse und versetzt einen, zusammen mit den toll fotografierten Bildern, gefühlt tatsächlich an den jeweiligen Schauplatz.

Alles in allem ist Der Marsianer wirklich großes Kino. Er ist realistisch und nüchtern erzählt und auch gerade deswegen so faszinierend – wenn auch emotional nicht unbedingt so fesselnd wie z.B. ein Interstellar. Die Faszination bezieht der Film eher aus einer wissenschaftlichen und glaubhaften Darstellung des Szenarios, als aus der emotionalen Einbeziehung des Zuschauers. Ob das gefällt, dürfte Geschmackssache sein - meinen Geschmack hat es getroffen.
Ridley Scott präsentiert hier dementsprechend seinen besten Film seit Black Hawk Down und Gladiator und glänzt damit in allen Bereichen – Cast, Optik, Sound, Drehbuch. Würde der Film nicht so oft zu kurz wirken für die Geschichte, die er erzählen möchte, wäre er womöglich noch deutlich besser. So bleibt eine gelungene Literaturverfilmung, die einen grandios in die Weiten des Weltalls zu ziehen vermag. Hoffentlich verhilft der Erfolg des Films zu mehr solchen Science-Fiction-Filmen mit mehr Science als Fiction – schön wär's.
8 von 10 Punkten gibt's von mir für Der Marsianer – und jetzt mach ich mich erstmal ans Buch, da die Geschichte einfach zu faszinierend ist für nur 140 Minuten.


Nachtrag (06.03.2016): Gerade eben habe ich mir den Film Zuhause noch einmal in 3D und O-Ton angeschaut. Außerdem habe ich in den vergangenen Wochen das Buch gelesen. Basierend darauf, muss ich meine Wertung an dieser Stelle revidieren. Der Marsianer ist eine großartige Verfilmung eines großartigen Buches, die nahezu alle wichtigen Punkte aus der Vorlage übernimmt und wirklich nichts vermissen lässt.
Weiterhin macht 3D in diesem Film tatsächlich mal Sinn – und auch Zuhause auf dem Fernseher wirken die Bilder noch grandios! Dazu trägt auch der englische O-Ton, im Vergleich zur deutschen Synchronisation, noch einmal zum Gesamtbild bei. Insgesamt muss ich 9 von 10 Punkten geben und würde Der Marsianer gerne nachträglich noch in meine Top 10 des vergangenen Jahres aufnehmen.

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