Dienstag, 6. Oktober 2015

Frisch aus dem Kinosaal: Sicario



Gerade eben habe ich 'Sicario' gesehen. Und ich muss sagen, dass ich im Vorfeld sehr gehyped war und mir vom Film viel versprochen habe - durch Thema, Darsteller und schlussendlich auch die Kritiken.
Gehalten hat der Film auch das meiste davon -  und doch hat mich der Film leider nicht durchweg begeistert, was mit Sicherheit auch an meinen extrem hohen Erwartungen lag.

Denis Villeneuve, Regisseur des Films, ist in der letzten Zeit hauptsächlich durch die Filme 'Prisoners' und 'Enemy' in Erscheinung getreten und konnte dadurch bereits einigen Eindruck schinden und auch ich war von beiden sehr angetan.
Mit 'Sicario' hatte er nun einen sehr namhaften Cast zur Verfügung - allen voran Benicio del Toro ('Fear and Loathing in Las Vegas'), Emily Blunt ('Edge of Tomorrow') und Josh Brolin ('No Country For Old Men'). Auch die Nebenrollen sind stark besetzt - unter anderem mit Jon Bernthal ('The Walking Dead') und Victor Garber ('Argo').

Der Film startet mit einem Einsatz eines FBI-SWAT-Teams um Kate Macer (Blunt), bei welchem in einem Wohnhaus das Leichenversteck eines mexikanischen Kartells gefunden wird. Infolgedessen erfährt sie durch Matt Graver (Brolin) von einer Task Force, die die Hintermänner eben dieses Kartells ausfindig machen will. Auf das Angebot hin, sich dieser anzuschließen, meldet sie sich freiwillig.
Ihr erster Einsatz führt nach Juarez, wo ein einfacher Gefangenentransport durch einen Hinterhalt der örtlichen Drogenmafia in einer Katastrophe endet - die Amerikaner können jedoch schließlich entkommen, vor allem auch durch die Hilfe des kampferprobten kolumbianischen Staatsanwalts Alejandro (Del Toro). Diesen trifft Macer bei einer Geheimoperation wieder und erfährt, dass auch er Teil der Taskforce ist - jedoch hat sie bald das Gefühl, dass Alejandro, zusammen mit anderen Agenten, skrupellos seine eigenen Pläne verfolgt. Und das lässt sich mit ihrer hoch moralischen Einstellung nur sehr schwer vereinbaren.


Villeneuve präsentiert hier einen wirklichen guten Film. Die Kameraarbeit von Roger Deakins ist brillant - wir sehen sehr schöne und beeindruckende Bilder, viele Landschafts- und Luftaufnahmen und auch die Actionsequenzen sind toll in Szene gesetzt. Untermalt werden die Bilder von einem ebenfalls großartigen Score von Johann Johannson. Deakins und Johannson arbeiteten beide bereits bei 'Prisoners' mit Villeneuve zusammen - und machten einen klasse Job.

Auch die Schauspieler sind durch die Bank weg sehr überzeugend. Allen voran Benicio del Toro als ruhiger, stoischer und brutaler Alejandro und Emily Blunt als FBI-Agentin, die in der harten Welt, in die sie hineingeworfen wird, ihre Frau stehen und ihre Ideale behalten möchte.
Dieser folgt der Film auch die meiste Zeit und benutzt dabei einen sehr interessanten Twist: Macer wird lange nicht zur Gänze eingeweiht und tappt im Dunkeln - und so tut es der Zuschauer. Das trägt auf der einen Seite zur Spannung bei, andererseits dauert es aber so auch sehr lange, bis der Film wirklich Fahrt aufnimmt und wir wissen, worauf der Film überhaupt hinaus will. Dadurch wirkte 'Sicario' in der ersten Hälfte etwas schleppend auf mich und nicht so packend, wie er dann zum Ende hin wird, nachdem sich die Geschichte vor dem Zuschauer ausgebreitet hat.
Wirklich lobend zu erwähnen ist allerdings noch, dass wir es hier nicht mit einem typischen Action-Thriller zu tun haben, denn Action bietet der Film eher weniger. Vielmehr sehen wir ein vielschichtiges Thriller-Drama, das uns einen wirklich realistisch anmutenden Blick auf die Jagd nach Kartell-Bossen in Mexiko bietet. Natürlich gibt es auch einige Actionsequenzen, die wirklich klasse gefilmt und in Szene gesetzt sind. 

Insgesamt ist 'Sicario' also ein wirklich guter Film, der eine packende Geschichte mit tollen Charakteren bieten, die ebenso toll verkörpert werden. Dazu wunderbare Bilder und einen klasse Score. Leider habe ich einen der besten Filme des Jahres erwartet und vielleicht trug eben diese Erwartungshaltung auch zu meinem Blick auf den Film bei, von dem ich in der ersten Hälfte doch etwas enttäuscht war, da er mich nicht in dem  Maße fesseln konnte wie ich es im Vorfeld erwartet hatte. Doch das bringt auch das wirklich gute Konzept des Films mit sich, sodass es meine gute Meinung nicht allzu sehr trübt.
Alles in allem habe ich einen sehr überzeugenden Film gesehen, der eigentlich alles bietet, was einen solchen ausmacht. 
8 von 10 Punkten, mit der Möglichkeit, dass eine zweite Sichtung mich noch mehr begeistern kann, als es jetzt der Fall war!


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