Freitag, 23. Oktober 2015

#Horrorctober: Armee der Finsternis


Nachdem ich in der vergangenen Woche den tollen 'Tanz der Teufel 2' genossen habe (Meine Kritik dazu), war nun der dritte Teil - und damit eines der Highlights meiner frühen Jugend - an der Reihe.
Wie auch in Teil 1 und 2 wurde 'Armee der Finsternis' von Sam Raimi inszeniert - und zwar fünf Jahre nach dem letzten Teil im Jahr 1992. Wie schon beim Vorgänger hatte Raimi hier ein deutlich höheres Budget zur Verfügung - in diesem Fall rund 11 Millionen Dollar.
Mit diesem finanziellen Background konnte man sich komplett vom Horror in sehr begrenzten Sets entfernen und eine episch-surreale Geschichte vor dem Zuschauer ausbreiten. 

In dieser Geschichte muss sich Ash (Bruce Campbell), Held der ersten beiden Teile durch eine mittelalterliche Welt schlagen (bzw. sägen). In diese war er zum Ende des zweiten 'Tanz der Teufel' verschlagen worden, nachdem er durch eine Art Portal gesogen wurde, welches vom Necronomicion - dem Buch der Toten - geöffnet worden war.
In diesem Zeitalter gerät Ash in den Kampf zwischen Lord Arthur (Marcus Gilbert) und Henry dem Roten (Richard Grove) und wird schließlich von Lord Arthur gefangen genommen. Entgegen der Empfehlung des weisen Mannes (Ian Abercrombie), der Ash als Auserwählten für den Kampf gegen die Untoten sieht, wird dieser in eine Todesgrube geworfen - doch mithilfe seiner Kampfkünste, des Weisen und natürlich seiner Kettensäge/Handprothese kann er alle dort lebenden Unholde besiegen und der Grube entfliehen. Woraufhin auch der letzte versteht, dass Ash der Ausgewählte sein muss!
Er wird nun auf die Suche nach dem Necronomicion geschickt, welches der weise Mann braucht, um die Untoten zurück über den Jordan zu schicken. Im Gegenzug verspricht er, Ash zurück in seine Zeit zu schicken. 
Auf der Suche wird er selbstverständlich vom Bösen nicht in Ruhe gelassen und von diesem auf Schritt und Tritt verfolgt. Und auch Ash selbst ist nicht ganz unschuldig daran, dass schließlich eine ganze Untoten-Armee hinter ihm und dem Buch her ist...

Vorweg muss man sagen, dass 'Armee der Finsternis' deutlich näher an Monty Pythons 'Ritter der Kokosnuss' ist, als an 'Tanz der Teufel'. Insgesamt könnte man meinen Sam Raimi hätte mit allen Pythons, Salvador Dali und Ray Harryhausen geschlafen und das daraus entstandene Produkt der Liebe wäre 'Armee der Finsternis'.
Der Film ist wirklich kein Horrorfilm. Wir sehen im Laufe der Geschichte zwar einige Horrorelemente wie Dämonen oder eine Untoten-Armee, allerdings ist die ganze Welt, in der sich die Handlung bewegt, so extrem übertrieben, absurd, surreal und humoristisch, dass dies die klare Linie des Films darstellt. Selbst die brutalsten Szenen bewegen sich auf einer Ebene, die auf wunderbare Weise Brutalität und Slapstick verbindet und man vor lauter Lachen das Ekeln vergisst.
Slapstick macht neben dem absurd-surrealen Humor der Bilder und den tollen Sprüchen auch einen großen Teil des Films aus. Dabei ist Bruce Campbell als Ash natürlich ein riesiger Gewinn für den Film - wie auch schon in den vorherigen Teilen. Seine völlig überdrehte und überspitzte Darstellung ist wieder einmal genial und allein seine Körperbewegungen, sein Gesichtsausdruck oder seine trockenen Sprüche übertreffen an Humor das Gesamtwerk von Adam Sandler. Große Highlights sind dabei die Szenen, in denen Bruce Campbell mit mehreren Ausgaben seiner selbst spielen kann. Wundervoll!

Neben dem Witz, der sich in seinem Niveau irgendwo zwischen Monty Python und 'Hot Shots' bewegt, schafft Raimi es trotzdem eine semi-epische und semi-ernste Geschichte zu erzählen - und trifft damit den Nagel genau auf den Punkt! 'Armee der Finsternis' verfügt über eine tolle Ausstattung und vor allem klasse Effekte. Man sieht diesen zwar nicht unbedingt an, dass sie aus dem Jahr vor 'Jurassic Park' stammen - aber das ist weder gewollt, noch stört es. Denn so liebevoll, wie die Dämonen oder Skelette gestaltet und durch Ray Harryhausen-mäßige Stop Motion-Technik zum Leben erweckt sind, kann man nur ins Staunen kommen. Dabei ist diese Inszenierung der Bösen wahrscheinlich auch wieder nur eines der unzähligen Zitate Raimis an gute, alte Film-Zeiten. Ich auf jeden Fall bin nach jeder Sichtung aufs neue Hin und Weg von der wunderbaren, bösartig-skurrilen Welt, die hier geschaffen wurde - von den Charakteren, über die Sets, die Dialoge, den Humor. 'Armee der Finsternis' ist Unterhaltung pur.
Auch handwerklich ist der Film einfach stark. Bill Pope, der sich später u.a. für die Kamera-Arbeit in der 'Matrix'-Trilogie oder bei Raimis 'Spider-Man'-Filmen verantwortlich zeigte, schafft auch hier viele faszinierende Bilder - natürlich nicht ohne die 'Tanz der Teufel'-typische Verfolger-Kamera. 
Und auch die stark mittelalterlich angehauchte Musik von Joseph DoLoca, der die Musik für die ersten beiden 'Tanz der Teufel'-Filme gemacht hatte und dem vierfach Oscar-nominierten Danny Elfman untermalt den Film klasse und steht oft in Ambivalenz zu den abstrusen Handlungen, fügt sich aber wunderbar in den Spagat zwischen Slapstick und Mittelalter-Horror ein.

Ich glaube, damit habe ich den Film erstmal genug in den Himmel gelobt - wo er aber ohne Frage auch hingehört. Wie viel nostalgische Verklärtheit sich dabei in meine Rezension geschlichen hat, ist schwer zu sagen. 
Fakt ist, dass 'Armee der Finsternis' mich unglaublich fasziniert hat, als ich ihn das erste mal gesehen habe und dies seitdem immer wieder tut. Egal, welche Schnittfassung oder welches Ende ich gerade sehe (Ich mag das Supermarkt-Ende lieber, ist einfach groovy). Auch gestern gab es wieder unzählige Details oder ganze Szenen, die ich nicht mehr zur Gänze in Erinnerung hatte und wo ich mich beinahe vor Lachen auf den Boden geschmissen hätte. Aber auch ohne nostalgische Verklärtheit bietet der Film jedem was, der auch nur ein klein wenig auf absurden Humor steht. Bruce Campbell zeigt hier sein Meisterstück und, aus meiner Sicht, auch Sam Raimi. 
Wer 'Armee der Finsternis' nicht kennt, sollte ihn schnellstens nachholen - dabei nur vielleicht keinen gruseligen Horrorfilm erwarten, denn das ist er nicht und wollte er nie sein. Die Symbiose aus 'Ritter der Kokosnuss', 'Tanz der Teufel' und unzähligen Hommagen an nahezu alle Perioden der (Horror-)Filmgeschichte funktioniert einfach perfekt und wird wohl immer zu meinen Lieblingsfilmen zählen.
10 von 10 Punkten. Ich kann nicht anders.

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