Donnerstag, 29. Oktober 2015

#Horrorctober: The Devil's Rejects


Nachdem Rob Zombie 2003 seinen ersten eigenen Spielfilm 'Haus der 1000 Leichen' in die Kinos gebracht hatte, ließ er auf seinen zweiten Film nicht lange warten.
2005 war es so weit. 'The Devil's Rejects' setzte die Geschichte um die obskur-bösartige Familie Firefly aus 'Haus der 1000 Leichen' fort - doch dreht sich hierbei im Vergleich zum ersten Teil, der stark an 'The Texas Chainsaw Massacre' erinnerte, die Perspektive.

Und zwar beginnt 'The Devil's Rejects' damit, dass das Haus der Fireflys von einem Großaufgebot der Polizei umstellt ist. Beide Seiten sind dabei nicht zimperlich und eine wilde Schießerei bricht vom Damm - in Folge derer Otis B. Driftwood (Bill Moseley) und Baby Firefly (Sheri Moon Zombie) fliehen können, während ihre Mutter (Leslie Easterbrook) von der Polizei gefangen genommen wird.
Otis und Baby fliehen daraufhin und nehmen in einem Motel eine Country-Band als Geiseln - was für deren physischen Zustand nicht gerade förderlich ist. Kurz darauf stößt dann auch noch die Kultfigur aus 'Haus der 1000 Leichen', der psychotische Clown und Vater der Familie Firefly, Captain Spaulding (Sid Haig) zu seinen beiden Kinderchen und zu dritt morden sich diese, immer auf der Flucht vor der Polizei, durch die Gegend und ziehen dabei eine Innereien-reiche Spur hinter sich her.
Zum großen Widersacher der Protagonisten-Familie wird schließlich Sheriff John (William Forsythe), dessen Bruder von der Killer-Sippe über den Jordan geschifft wurde. Dieser lässt nichts unversucht, die drei Überlebenden zu stellen. Darunter muss auch Mutter Firefly leiden, die sich in seiner Gewalt befindet...

Vorweg gesagt: ich kann verstehen, wenn man diesem Film überhaupt nichts abgewinnen kann. Bei mir war allerdings das Gegenteil der Fall, ich war sehr begeistert - und das hat mehrere Gründe.
Zum einen gefällt mir der Ansatz von Rob Zombie extrem gut. In 'Haus der 1000 Leichen' entwarf er eine sehr skurrile und faszinierende Killer-Familie. Aufbauend darauf nimmt er nun erneut diese Charaktere, kehrt aber Gut und Böse um und wirft die Firefly-Familie in die Protagonisten-Rolle. Dabei bleiben diese trotzdem abgedreht, unappetitlich, sadistisch und brutal - aber Zombie schafft es irgendwie sie als ziemlich cool und vor allem als Opfer darzustellen. Irgendwann beginnt man mit ihnen mitzufiebern und wünscht sich - trotz ihrer Bosheit - noch mehr von Baby, Otis und Co. zu sehen. 
Man kann dies als gewaltverherrlichend ansehen und kritisieren, dass Serienkiller als das Gute und die Polizisten als brutale Mörder ohne Gewissen dargestellt werden. Man kann aber auch aufhören sich anzustellen und sich von sowas angegriffen zu fühlen und einfach mal 100 Minuten Spaß an der umgedrehten Perspektive haben. 
Bei mir hat dies auf jeden Fall super funktioniert, ich fand die Charaktere extrem cool, sie bringen in einer Tour Sprüche und One Liner und werden von ihren Darstellern auch wunderbar abgedreht - oder im Falle von Baby Firefly, lasziv-erotisch-böse - dargestellt.
Auch nahezu alle weiteren Charaktere in 'The Devil's Rejects' sind extrem überspitzt und übertrieben cool dargestellt. Sei es vom Look, vom Verhalten oder von ihren Aussagen. Auch das kann man kritisieren - man kann es, wie ich, aber auch mögen und viel Freude daran finden.

Ein weiterer Grund, weshalb ich den Film mochte, ist sein Style und Look. Er ist körnig und in gelb/braunen Farben gehalten und vermittelt so einen starken 70er-Jahre Südstaaten-Stil, der perfekt ins Bild passt und sich auch wieder an Filme wie 'Texas Chainsaw Massacre' erinnert. Auch die Sets und Ausstattung fügen sich in diesen Stil ein. Zwar gibt es keine großen und keine große Vielzahl an Set-Pieces, ist aber auch überhaupt nicht nötig.
Abgerundet wird der Style des Films von seiner Musikauswahl. Während Zombie im Vorgänger-Film noch hauptsächlich auf seine eigene Musik setzte, präsentiert er hier eine wunderbare und passende Auswahl an Southern-Rock. Vor allem Lynyrd Skynyrd ('Free Bird', 'Sweet Home Alabama') ist dabei sehr präsent.

Der dritte der Hauptgründe, die für mich zu einem positiven Bild führten, ist die Brutalität. Zwar ist diese ein wenig geerdeter und nicht ganz so skurril wie in 'Haus der 1000 Leichen', aber deshalb nicht weniger sadistisch. So werden Gesichter abgezogen, Gedärme verteilt und Hände durchnagelt. Leider musste Zombie immer wieder auf Computereffekte zurückgreifen, was man teilweise auch sehr deutlich sieht. Das ist natürlich schade, aber da es eine große Vielzahl an Gewalttaten gibt, sind die paar wenigen, in welchen das negativ ins Gewicht fällt, auch schnell vergessen und man kann sich schon am nächsten Blutvergießen ergötzen. Auch diese brutalen Szenen des Films sind durch die Skurrilität der Charaktere immer mit einem zwinkernden Auge inszeniert und es findet sich selbst in den widerwärtigsten Aktionen eine Portion Humor. 
Während des Films musste ich wirklich extrem oft laut lachen, wobei man sich ständig fragt, ob das angebracht ist. Für mich war es das, denn Rob Zombie bringt hier so viel krude, böse Absurdität in den Film, das es - zumindest für mich - eine wahre Freude war.

Natürlich ist aber auch 'The Devil's Rejects' kein perfekter Film. Die meisten Kritikpunkte habe ich zwar bereits ins Gegenteil gedreht, da mir eben diese Ideen sehr gut gefallen haben, allerdings habe auch ich ein wenig Kritik.
Und zwar wirkt der ganze Film etwas unspektakulär. Es passiert zwar eine ganze Menge, allerdings wird auch viel auf coole Sprüche und Dialoge gesetzt. Ein wenig mehr hätten die Psychopathen schon noch ausflippen können und eine noch blutigere Spur hinter sich herziehen können. Auch gehen dadurch ein wenig die sadistisch-kreativen Ideen aus dem ersten Teil verloren ('Fishboy'). Hier hätte man vielleicht die Coole-Sprüche-Fabrik etwas herunterfahren und dafür mehr auf morbidere, bösere Ideen und Stimmung setzen können. Ein wenig mehr Bos- und Ernsthaftigkeit hätte dem Film insgesamt nicht schlecht getan, auch wenn ich die humoristische Ausrichtung durchaus mochte.
Neben diesen Punkten fallen, wie oben bereits erwähnt, die teilweise billigen Effekte negativ auf und auch nicht alle Darsteller bieten tolle Leistungen. 
Aber was solls? Über all diese Kritikpunkte sehe ich gerne hinweg, denn ich hatte über die volle Laufzeit hinweg meinen Spaß und wurde nahezu perfekt unterhalten!


'The Devils Rejects' hat viele humorvolle Szenen. Für viele ist Sid Haig als Psycho-Clown verantwortlich. 
Hier nur mal ein Beispiel von vielen: "Why do you hate Clowns?"

Insgesamt gefiel mir 'The Devil's Rejects' sogar etwas besser als sein Vorgänger. Er sieht klasse aus und ist mit toller Musik untermalt, die Charaktere sind herrlich und erhalten genug Screentime, der Humor ist verdammt böse und gerade deswegen so gut, der Gewaltgrad ist durchweg hoch und vor allem hat mich die Idee, einfach mal die Psychopathen in die Position der Protagonisten und die Polizisten in die der Antagonisten zu hieven, überrascht und begeistert. Die paar negativen Punkte haben für mich den puren Unterhaltungswert des Films nicht gestört.

Rob Zombie hat mich mit seiner Idee für diesen Film also vollends überzeugt - wie oben erwähnt, versteh ich jedoch auch, wenn bei jemandem genau das Gegenteil der Fall ist.
Von mir gibt es 7,5 von 10 Punkten für 'The Devil's Rejects'. Ich hoffe von Rob Zombie kommt noch einmal so ein 'schöner' Film, denn darauf wartet man jetzt schon zehn Jahre. Ansonsten muss ich wohl bei seiner Musik bleiben.

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