Dienstag, 20. Oktober 2015

#Horrorctober: Die Fliege


1986 verfilmte Regisseur David Cronenberg ('Videodrome', 'A History of Violence') den gleichnamigen Horrorklassiker mit Vincent Price aus dem Jahr 1958 neu. Diese Neuverfilmung habe ich mir nun, im Rahmen des Horrorctober, zum ersten Mal zu Gemüte geführt.
In den Hauptrollen sehen wir Jeff Goldblum ('Jurassic Park') als Seth Brundle bzw. 'Brundlefliege' und Geena Davis ('Die Piratenbraut') als Veronica Quaife.

Die Geschichte dreht sich um den zurückgezogen lebenden Wissenschaftler Seth Brundle, dem es als ersten Menschen gelungen ist, eine Teleportationsmaschine zu konstruieren. Er lernt die Reporterin Veronica Quaife kennen und schätzen, woraufhin diese seine Geschichte erzählen und veröffentlichen soll.
Nach einem geglückten Teleportations-Versuch mit einem Affen, entschließt Brundle sich spontan dazu, einen Selbstversuch durchzuführen. Blöderweise schleicht sich eine Fliege mit in den Teleporter ein, was die molekularen Einzelteile beider vermischt und Brundle sich langsam aber sicher zu 'Brundlefliege' verwandelt - innerlich, sowie äußerlich.

Cronenberg ist für seinen Body-Horror bekannt. Und bei diesem Film hatte er das Budget zur Verfügung (12 Millionen Dollar), dies richtig schön auszuführen. 
Die Story beginnt zwar relativ langsam, allerdings schaffen es auch die Charaktere allein, den Zuschauer zu unterhalten und stimmungsvoll in die Story einzuführen, bevor der Film auch nur annähernd in Richtung Horror driftet. Allen voran Jeff Goldblum, der natürlich den typischen Jeff Goldblum mimt: einen trockenen, sarkastischen, leicht weltfremden Wissenschaftler - womit er hier eigentlich bereits den Prototypen für seine Rollen in 'Jurassic Park' und 'Independence Day' darstellt. Die weiteren Rollen, wie Reporterin Geena Davis oder ihr Ex-Lover/Boss (John Getz), sind leider nicht so tiefgründig und eher flach gezeichnet. Alle Schauspieler machen ihre Sache dabei jedoch sehr ordentlich, wobei die - damals noch jungen - Goldblum und Davis auf jeden Fall herausstechen, welche aber natürlich auch mit Abstand am meisten Screen Time bekommen.

Richtig los geht es, nachdem Brundles Metamorphose startet, zuerst schleichend und auf subtilere Art und Weise, später durch wunderbaren Body-Horror. Dabei schafft es Cronenberg, eine schön düstere Atmosphäre zu schaffen, die einen in den Film zieht und mitfiebern lässt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse zusehends und man steht als Zuseher immer mehr zwischen den Stühlen. Dieser Aufbau erntet dann spätestens im Finale des Films seine süßen Früchte.
Das große Highlight von 'Die Fliege' bleibt aber selbstverständlich die Verwandlung zu 'Brundlefliege'. Cronenberg schafft es - zusammen mit hervorragenden maskenbildnerischen Mitteln - die verschiedenen Stufen aufzuzeigen und immer noch einen drauf zu setzen. Dabei wird Brundle, gerade zum Ende hin, immer widerwärtiger, eitriger und unansehnlicher. Jetzt vor allem auch äußerlich.
All das wird von Kameramann Mark Irwin, der zuvor schon einige Filme mit Cronenberg gemacht hatte - u.a. 'Videodrome' und 'Dead Zone' - in düster-morbide und perfekt zum Film passende Bilder gefasst. Untermalt werden diese von einem klasse Score von Howard Shore ('Herr der Ringe'), der die Stimmung und Atmosphäre des Films abrundet.

Leider habe ich das Original von 1958 nicht gesehen, ebenso wie die Fortsetzung ohne Cronenberg und Goldblum, sodass ich hierzu keinerlei Vergleiche anstellen kann. Allerdings sagen mir sämtliche Kritiken, dass ich mit der 86er 'Fliege' auch die beste Version gesehen habe.
Insgesamt ein toller, atmosphärischer 80s-Horror, der natürlich dem Alter Tribut zollt, gerade was das Fliegen-Kostüm am Ende angeht, aber nichts von seiner schleimigen, widerlichen Stimmung, seinen Bildern, seiner Musik und seinem klasse Hauptdarsteller bzw. Hauptfigur eingebüßt hat. 8 von 10 Punkten von mir für Cronenbergs 'Die Fliege'.

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