Montag, 5. Oktober 2015

#Horrorctober: Ilsa, She Wolf of the SS


Nachdem meine ersten beiden Horrorctober-Filme mit 'It Follows' und 'Maggie' sehr aktuell waren, habe ich mir heute einen Film aus dem Jahr 1974 vorgenommen: 'Ilsa, She Wolf of the SS' von Don Edmonds.
In den vergangenen 40 Jahren hat er sich einen sehr zweifelhaften Ruf erarbeitet - aber ist auch wohl gerade deshalb fast schon zum Kult und zu einem der bekanntesten Nazi- und Sexploitationfilme geworden. Diese Bekanntheit gipfelte dann unter anderem in dem klaren Zitat durch Rob Zombie im Fake-Trailer 'Werewolf Women of the SS' in 'Grindhouse' von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez.

'Werewolf Women of the SS' von Rob Zombie:
                                                 
Für mich hatte der Film schon in dem Moment gewonnen, als ich gelesen habe, dass er innerhalb von 9 Tagen in den Kulissen der Fernsehserie 'Hogan's Heroes' ('Ein Käfig voller Helden) gedreht wurde - was man natürlich an jeder Ecke sieht und den unfreiwillig komischen, trashigen Stil des Films noch unterstützt. 

Doch erstmal was zur sehr komplexen Story des Films. Die titelgebende Ilsa ist Leiterin eines medizinischen Lagers der Nazis. Dieses führt sie, zusammen mit ihren 'Schwarzen Witwen' Ingrid und Maigret und der lesbischen Gretchen, mit harter Hand. Ständig werden die Gefangenen gezüchtigt, ausgepeitscht oder zur persönlichen Lustbefriedigung benutzt. Neben ihren Pflichten als Lagerleiterin versucht der Workaholic Ilsa noch, durch Experimente an Männlein und Weiblein zu beweisen, dass Frauen psychisch belastbarer und damit für den Kriegseinsatz besser geeignet sind, als Männer. Was eine tolle, fleißige Frau. 
Tragischerweise tritt der amerikanische Gefangene Wolfe in ihr Leben, ein wahrer Charmebolzen und sinnlicher Liebhaber, den sie fortan nicht mehr aus dem Kopf kriegt und ihr im Verlauf des Films noch einige Probleme bereitet...
                                                                   
Leider ist der Film nicht unbedingt so gealtert, dass man ihn, der Thematik zu Trotz, noch ernst nehmen könnte - was dem ganzen eine durchgängige unbeabsichtigte Komik verleiht. Entweder kann man sich darauf einlassen und sich darüber amüsieren - oder nicht und findet das ganze eher Langweilig.
Die Effekte und Kulissen (die ja auch einer professionellen Produktion entliehen sind) sind für einen  Nazi- bzw. Sexploitationfilm aus den 70ern zwar teilweise erstaunlich gut - was nicht heißt, dass sie wirklich gut sind - allerdings ist Dyanne Thorne als Ilsa die einzige der Darsteller, der man annähernd das Prädikat 'Schauspieler' verleihen kann. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn man zuvor bereits in Meisterwerken wie 'The Erotic Adventures of Pinocchio' mitgewirkt hat. 
Fast schon unterhaltsamer sind allerdings Gregory Knoph als 'Adonis' Wolfe und Richard Kennedy als Nazi General. Deren Leistungen (und auch die von vielen ihrer 'Schauspiel'-Kollegen) sind teilweise so unterirdisch, dass man aus dem Lachen nicht mehr heraus kommt. 
Wahnsinnig schlecht ist auch der Einsatz der Musik - SS-Propagandalieder (übrigens nicht alle von Horst Wessel, wie die Credits suggerieren), die anscheinend wahllos und ohne Zusammenhang zu den Bildern eingespielt werden.

Alles in allem lebt der Film selbstverständlich von seinen vielen Sex- und Goreszenen und den Tabubrüchen. Aber ganz ehrlich, heutzutage wird das wohl kaum noch jemanden schockieren - außer man hat ein sehr seichtes Gemüt. In den 70er Jahren scheint jedoch genau diese Mischung beim Publikum gut angekommen zu sein, sodass ein solch billiger Film zu einem großen Erfolg werden konnte. So zog 'Ilsa, She Wolf of the SS' noch zwei direkte Fortsetzungen - ebenfalls mit Dyanne Thorne in der Hauptrolle - nach sich, 'Ilsa - Haremswächterin des Ölscheichs' und 'Ilsa, die Tigerin'. 
Insgesamt entstanden in den 70er Jahren viele Filme, die an 'Ilsa' angelehnt waren. Der erfolgreichste, 'Greta - Haus ohne Männer' von Jess Franco, besetze sogar die gleiche Hauptdarstellerin und wurde im Zuge dessen in den USA auch als Ilsa-Film vermarktet.

Wem kann ich diesen Film also empfehlen? Die, die sich für das Genre der Nazi- oder Sexploitationfilme interessieren, werden ohnehin nicht drumherum gekommen sein. Und wer ernsthaft schockiert werden will, ist hier genauso fehl am Platz, wie die, die prickelnde Erotik erleben wollen. 
Wo man allerdings wirklich viel Spaß am Film haben kann, ist in geselliger Runde mit dem ein oder anderen alkoholischen Getränk. Denn es gibt miserable Darsteller, dumme Sprüche, skurrile Ideen und natürlich die Kulissen von 'Hogan's Heroes' - was noch fast das beste am Film ist, von der (unfreiwilligen) Komik mal abgesehen.

Eine Punktwertung abzugeben ist hier ein zweischneidiges Schwert. Für den Film an sich, nach konventionellen Gesichtspunkten, wäre er vielleicht eine 1,5 von 10.
Wenn ich allerdings den Spaß, den man beim Schauen haben kann, denn trashigen Charme und den Kultfaktor mit einbeziehe, muss ich tatsächlich 6,0 von 10 Punkten geben. 
Ein wirklich mieses Machwerk und gerade deshalb auch wirklich unterhaltsam!


 Und hier der gesamte Film. Viel Spaß!
                                                                   


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