Donnerstag, 1. Oktober 2015

#Horrorctober: It Follows


So. Pünktlich zum 1. Oktober und zum Beginn des Horrorctobers (alles dazu bei der Cinecouch und in meinem Blogpost dazu) folgt nun meine erste Rezension.
Dazu habe ich mir gestern den US-amerikanischen Film 'It Follows' aus dem vergangenen Jahr angesehen.

'It Follows' entstand unter der Regie von David Robert Mitchell, der den wenigsten bekannt sein dürfte und zuvor nur 'The Myth of the American Sleepover' im Jahr 2010 veröffentlichte.
Nun ist ihm aber eine wahre Perle gelungen! In den Hauptrollen sehen wir die Jungschauspieler Maika Monroe, Keir Gilchrist, Olivia Yuccardi, Lili Sepe und Daniel Zovatto.

Vorweg: Auch wenn ich den Trailer hier verlinke, tut euch den Gefallen und macht einen Bogen darum, falls ihr den Film noch sehen wollt. Er nimmt wirklich einiges vorweg, lasst euch den Spaß also nicht nehmen! Zur Handlung selbst möchte ich deswegen auch nur wenig sagen.
Nach einer sehr stimmigen Eingangssequenz, welche einen direkt in die Stimmung des Films einführt, geht es im Grunde um Collegestudentin Jay (Maika Monroe). Diese geht zu Beginn des Films mit ihrem Freund Hugh (Jake Weary) ins Kino, wo sich dieser höchst merkwürdig verhält und ein Mädchen sieht, welches offensichtlich nicht da ist. Während eines nächsten Dates schlafen Jay und Hugh in dessen Auto miteinander - bis Hugh Jay mit Chloroform betäubt und sie wenig später halb nackt und an einen Rollstuhl gefesselt in einer Art Rohbau wieder zu sich kommt und Hugh ihr offenbart, dass er etwas an Sie weitergegeben habe, was ihn und nun auch sie verfolge...


Was diesen Film zu einer Perle des Genres macht, ist seine atypische Machart. 
Er bedient sich sehr stark bei den Versatzstücken des Teenie-Horrors - und ist doch etwas vollkommen anderes.
Innerhalb des Teenie-Horror-Korsetts mit all seinen Facetten - Alkohol, Sex, Eifersucht - entwickelt 'It Follows' eine wunderbar morbide Stimmung und macht diese zum Konzept des Films -  und das geht voll auf. 
Während nahezu alle aktuellen Horrorfilme auf billige Jumpscares oder Ekeleffekte setzen, sehen wir hier 'schöne' Kameraeinstellungen, eine ruhige und langsame Erzählweise und eine wirklich tolle Geräuschkulisse. Diese ist, in Kombination mit dem dumpfen, teilweise treibenden und stampfenden, elektronischen Soundtrack, der sich langsam mit dem Film aufbaut, auch fast das Highlight. Selten ist mir in letzter Zeit der Sound so positiv aufgefallen und bei einem Horrorfilm vielleicht noch nie.

Wie bereits erwähnt, ist der Film ruhig erzählt und baut sich langsam auf - und macht dabei vor allem nicht den Fehler, den viele Filme zur Zeit machen - eine große Geschichte aufbauen zu wollen. Man konzentriert sich hier auf das Wesentliche und überläd den Film nicht mit allem möglichen Schnickschnack.
Neben dieser tollen und ungewöhnlichen Erzählweise, macht Regisseur Mitchell auch innerhalb der Genre-Konventionen das meiste richtig. Der Bösewicht - 'It' - ist unheimlich, beängstigend und teilweise schön ekelig. Allein die Idee, die dahinter steckt, ist grandios und noch besser umgesetzt! (Wer den Film gesehen hat, wird wissen was ich meine.)
Ebenso gibt es im Film einige schön gemachte Ekelszenen, die aber - wie oben schon erwähnt - nicht das Konzept des Films sind, sondern sich klasse in die Stimmung des Films einfügen und nicht aufgesetzt oder 'Over the Top' wirken.

Stimmung in die Bude bringen zum Horrorctober.

Die jungen Schauspieler machen ihre Sache größtenteils sehr gut. Der ein oder andere fällt ein wenig ab, doch das stört das Gesamtbild nicht weiter.
Insgesamt sehen wir mit 'It Follows' wohl einen der stärksten Horrorfilme der letzten Jahre, gerade weil er so ungewöhnlich ist. 
Lange, ruhige Szenen. Keine - bzw. sehr atypisch eingesetzte - Jumpscares und wenige, aber dafür sehr gute, Ekeleffekte.
Dafür erleben wir eine wunderbar morbide, beängstigende und soghafte Story, die durch die Nüchternheit der Bilder, den tollen Antagonisten und vor allem der perfekten Soundkulisse inklusive Soundtrack eine Stimmung entwickelt, wie man sie wirklich selten sieht.
Ähnlich gut machten es in diesem Jahr bereits 'Babadook' und 'Ich seh, Ich seh' - zwei ebenfalls sehr zu empfehlende Filme. Diese neue Welle von Horrorfilmen, die nicht dem üblichen Genremüll der letzten Jahre, der in Machwerken wie 'Ouija' oder 'Annabelle' gipfelte, entspricht, lässt wieder positiv in die Zukunft des Horrorgenres blicken. Bitte mehr davon!

Wenn ich an 'It Follows' nun noch etwas kritisieren muss, dann wäre es, dass er nach dem großartigen Beginn und vor dem noch großartigeren Finale, ein klein wenig abfällt und mit wenigen Momenten Leerlauf aufwartet. Aber das bringt auch die Machart des Films mit sich, die ich ja groß und breit gelobt habe.
Eine glasklare Sehempfehlung von mir! Jetzt schon einer meiner Horror-Favoriten des Jahres - und mit dem noch frischen Eindruck zur Zeit sogar noch über 'Babadook' einzuordnen.
Ich bin begeistert und möchte mehr davon sehen. 8 von 10 Punkten!


Der bombastische Soundtrack ist im übrigen vom amerikanischen Musiker Richard Vreeland, besser bekannt als 'Disasterpeace'. Ich habe mehrfach Vergleiche mit den Sounds von Carpenter gelesen - und muss sagen: diese gibt es zu recht.
Hört doch mal rein. Oder schaut direkt den ganzen Film.
Fröhliches Gruseln und einen schönen Horrorctober wünsch ich euch allen!



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