Samstag, 31. Oktober 2015

#Horrorctober: The Loved Ones


Zeit für jugendliche Schnapsleichen, viel nackte Mädchenhaut bei frostigen Temperaturen, unkreative Kostüme und mit Süßigkeiten überfressene Kinder - richtig, es ist Karneval.
Nein, ist es zum Glück noch nicht. Das hätte uns auch nicht so wunderbare Filme diesen Oktober beschert - denn es ist Halloween und damit Finale des Horrorctobers!
Mein letzter Film hat dabei gar nichts mit Halloween zu tun. Ich habe mir 'The Loved Ones' angesehen, ein australischer Film aus dem Jahr 2009.
In Szene gesetzt wurde dieser von Sean Byrne und in den beiden Hauptrollen sehen wir Xavier Samuel und Robin McLeavy.

Der Film steigt ein mit Brent (Samuel) und seinem Vater, welche zusammen in einem Auto sitzen vor das plötzlich ein halbnackter Junge läuft. Brent reißt den Wagen rum, setzt ihn gegen einen Baum - und hat die längste Zeit einen Vater gehabt.
Sechs Monate später wird der emotional mitgenommene Brent von Lola Stone (McLeavy) zum bevorstehenden Abschlussball eingeladen. Freundlich sagt er ihr ab, da er vor hat mit seiner Freundin Holly (Victoria Thayne) dorthin zu gehen. 
Doch Lola sagt man nicht so einfach ab. Während Brent kurz darauf ein wenig Zuflucht in der Natur sucht, schleicht sich Lolas Vater (John Brumpton) an ihn heran und kidnappt ihn. Frisch erwacht findet er sich daraufhin gefesselt im Haus der Stones wieder, wo ihn eine ganz besondere Interpretation eines Abschlussballes erwartet - mit Psycho-Lola in der Hauptrolle.

'The Loved Ones' beginnt zunächst recht behäbig. Die Charaktere werden eingeführt und nichts deutet auf den drastischen Verlauf hin, den die Geschichte noch nehmen soll. Dies geschieht nach ungefähr einem Drittel des Films ganz plötzlich - womit dann auch die Geschichte schnell Fährt aufnimmt. 
Dabei sehen wir keinen reinen Horrorfilm. Regisseur Byrne mischt ganz geschickt Elemente des Horrorfilms mit Splatter-Versatzstücken und würzt das ganze mit einer guten Prise skurril-absurder und pechschwarzer Teenie-Komödie. Ganz deutlich wird dies in den Szenen im Haus der Stones, wo sich Brutalität mit Absurdität vereint. Den größten Anteil hat daran die grandiose Robin McLeavy, die in ihrer Rolle als Lola alles herausholt und zwischen verschüchtertem Teenie und brutaler, gefühlskalter Psychopathin eine große Bandbreite an Persona in ihre Figur zu bringen weiß. Auch ihre beiden Familienmitglieder Vater Stone und 'Strahle-Auge' sind passend psychopathisch-faszinierend dargestellt - wenngleich Lola sehr viel facettenreicher ist.
Unterstützt wird die Absurdität der Charaktere durch eine Inszenierung in bunten Farben und Shots, die mich an Terry Gilliam erinnert haben, da die Psychopathen oft von unten gefilmt werden, was diese groß und unproportional wirken lässt. Insgesamt ist die ganze Darstellung des 'Privat-Proms' wunderbar abstoßend und verstörend.
Mittendrin findet man den armen Brent, der sehr wortkarg, aber dafür umso schöner leidend von Xavier Samuel gespielt wird. Beide Hauptdarsteller können in ihren Rollen damit glänzen und stehlen dem übrigen Cast ein wenig die Show, auch wenn der Rest ebenfalls ordentliche Leistungen bringt. 

'The Loved Ones' hat viele tolle Ideen, die ich jetzt nicht spoilern möchte. Dabei ist die Logik nicht immer mit im Boot, dafür der Spaß umso mehr. An zwei oder drei Stellen war ich wirklich begeistert von den Entwicklungen, die der Film für mich parat hatte - da waren kreative Leute am Werk.
Doch trotz der vielen guten Ideen reicht das Grundmaterial eigentlich nicht für einen Spielfilm. 'The Loved Ones' hat schon eine kurze Laufzeit von 84 Minuten und muss sich trotzdem mit recht vielen Füller-Szenen behelfen. Am stärksten fällt dies bei einem Subplot um den dicklichen, nerdigen Jamie (Richard Wildon), einem Freund von Brent und dessen Prom Night-Erlebnisse mit der sehr eigenen Mia (Jessica McNamee) auf, der mit dem Rest des Films eigentlich nichts am Hut hat. 
Das heißt nicht, dass diese Szenen nicht unterhaltsam wären. Jamie ist der typische Kiffer-Nerd und bemüht sich um die Zuneigung eines Mädchens, die zunächst gar kein Interesse an irgendetwas hat - was für einige sehr amüsante Szenen sorgt. Doch einen Mehrwert für die Handlung bietet dieser Teil leider gar nicht, wodurch es dann doch stark den Eindruck macht, als solle hier nur die nicht ausreichende Story gestreckt werden.

Alles in allem ist 'The Loved Ones' aber ein sehr spaßiger Film. Die Highlights sind dabei auf jeden Fall die Szenen um Lola, vor allem weil Robin McLeavy klasse spielt. Die Szenen um diesen Hauptplot herum fallen dagegen, was den Unterhaltungswert angeht, deutlich ab und man möchte doch eigentlich nur Lola zusehen.
Neben der etwas zu dürftigen Geschichte, die aber trotzdem eine große Zahl toller Ideen bietet, setzt Regisseur Byrne seinen Film mit netten Techniken in Szene. Mit vollen Farben, interessanten Camera-Angles, guten Schnitten und tollem Musik-Einsatz. Auch die Gewaltszenen sehen gut aus, wenn auch einiges der Vorstellung des Zuschauers überlassen wird - doch das ist keine schlechte Entscheidung, die Szenen wirken trotzdem und vielleicht auch gerade deswegen super. 
Also wer Bock auf 80 spaßige, absurde und blutgetränkte Minuten hat, dem sei 'The Loved Ones' ohne Vorbehalt empfohlen. Man sollte nur keine Logik oder Tiefgang erwarten, denn damit wartet der Film nicht auf.
Ergo Fernseher an, Kopf aus, einer der besten Film-Psychopathinen der letzten Jahre bei der 'Arbeit' zusehen und eine Menge Spaß haben! 
6,5 von 10 Punkten.

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