Montag, 12. Oktober 2015

#Horrorctober: The Midnight Meat Train

Die drei Hauptdarsteller - Vinnie Jones, Leslie Binn, Bradley Cooper

Von Film Nummer Sechs auf meiner Liste hatte ich bis vor einigen Wochen noch nie was gehört - und das obwohl er auf einer Geschichte von Clive Barker basiert und mit Bradley Cooper ('Hangover') und Vinnie Jones ('Bube, Dame, König, grAS') in den Hauptrollen prominent besetzt ist. Was mich aber schlussendlich überzeugt hat, den Film in meine Horrorctober-Liste aufzunehmen, ist der Titel, der mich wirklich neugierig gemacht hat.

Inszeniert wurde 'Midnight Meat Train' 2008 vom Japaner Ryuhei Kitamura, von dem ich vorher nur 'Godzilla - Final Wars' gesehen hatte. Als Grundlage für den Film diente die Novelle 'Der Mitternachts-Fleischzug' (gruselige Übersetzung) von Clive Barker aus dessen 'Büchern des Blutes', von denen schon einige (u.a. 'Candyman' 1992) verfilmt wurden.
Barker fungierte im Falle des 'Midnight Meat Trains' auch selbst als Produzent.

Die Handlung beginnt mit Leon Kauffman (Bradley Cooper), einem ambitionierten Fotografen, der Nachts durch New York streift und Leute oder Straßenszenen ablichtet. An einem Abend trifft er zufällig eine Asiatin, die von einer Gruppe aggressiver Typen belästigt wird. Diese fotografiert er zunächst, bevor er sie auf die Überwachungskameras hinweist, woraufhin diese von dannen ziehen. Die Asiatin steigt daraufhin in ihre Bahn, wo sie dann unglücklicherweise auf den schweigsamen Mahagony (Vinnie Jones) trifft - und der sie noch im Zug auf bestialische Art und Weise über den Jordan schickt.
Den Körper seines Opfers hängt der Stille Bösewicht dann fein säuberlich zu den Vorherigen an den Haltestangen des Zuges auf...
Nachdem in einer der nächsten Nächte auch Leon Mahagony über den Weg läuft, stellt er nach und nach Verbindungen zwischen diesem und verschwunden Personen her. Dem Unmut seiner Freundin Maya (Leslie Binn) zum Trotz, verfolgt Leon Mahagony auf eigene Faust und wird schließlich von diesem bewusstlos geschlagen und verschleppt. Jedoch wacht er am nächsten Morgen wieder auf - mit einem seltsamen Zeichen in die Brust geritzt...



Der Film fackelt zu Beginn nicht lange. Es vergehen nur wenige Minuten, bis wir den ersten - stylisch-brutalen - Mord bewundern dürfen. Erst danach wird die Hauptfirgur des Leon Kauffman näher beleuchtet. Bei diesem handelt es sich um einen vegetarischen Yuppie-Fotografen, sympathisch aber mit sehr viel Raum zu interessanter Entwicklung. Insgesamt sind die Protagonisten im Film - mal abgesehen von Peter Jacobsen (Taub in 'Dr. House') als skurriler Imbissbesitzer - leider alles andere als vielschichtig und interessant. Ganz anders sieht es aus bei Vinnie Jones als Killer Mahagony. Dieser sagt kein Wort und schafft es - vielleicht auch gerade deswegen - sehr bedrohlich zu wirken. Seine Statur tut da selbstverständlich sein übriges. Der Bösewicht stellt damit eine der größten Stärken von 'Midnight Meat Train' dar.
Ein weiterer Vorzug ist die Brutalität. Regisseur Kitamura pfercht die bestalischen Morde in sehr stylische, künstliche Bilder. Dies ist zunächst sehr cool, nutzt sich aber auch irgendwann ab, gerade weil die Effekte eher B-Film-mäßig und wenig realistisch sind.
Was der Film dahingegen sehr schön macht, ist das Spiel mit Licht und Farben. So ist der Kontrast zwischen Tageslicht und elektrischen Licht in den U-Bahn-Tunneln super getroffen und das metallisch-blaue Licht unter Tage trägt stark zur morbiden Atmosphäre bei. Insgesamt schafft Kitamura es, faszinierende Bilder auf die Leinwand zu bringen. Die Fotografie als Storyelement verbindet er dabei wunderbar mit filmischen Mitteln - zum Beispiel der Blick durch die Kamera - und auch sonst sehen wir schöne Effekte wie Kamerafahrten oder Zeitlupe und Zeitraffer. 
Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll der Soundtrack, an dem auch der deutsche Komponist Johannes Kobilke - in den vergangenen Jahren hauptsächlich mit der Musik zu 'Tatort' beschäftigt - beteiligt war und ganz Horrorfilm-typisch ist, aber durch seine zurückhaltende und dezente aber sehr bedrohliche Art die Bilder und die Atmosphäre des Films sehr gut unterstützt.
Der Style und die Umsetzung des Films ist damit sehr gut gelungen und hebt 'Midnight Meat Train' klar von den meisten Genre-Kollegen ab.

Style allein trägt jedoch bei weitem noch keinen Film - und das ist mir während den 100 Minuten sehr bewusst geworden. Die Grundidee, dass ein stummer Killer nachts eine U-Bahn dazu benutzt Menschen abzuschlachten und diese zu einem bestimmten Zweck wie Vieh an den Haltestangen der U-Bahn aufhängt, ist klasse und interessant. Jedoch sind zwei Drittel des Films bei weitem nichts besonderes und Charaktere und Handlung sind sehr klischeebeladenen und das meiste kennt man auch schon irgendwo her. Erst zum Ende hin kommt es dann zu einer Wendung, die dem Film eine neue Richtung gibt und ein durchaus überraschendes und gut inszeniertes Ende bietet.
Das ärgerlichste an der Geschichte sind jedoch die nicht nachvollziehbaren Handlungen der Charaktere. Hier macht es sich das Team um Kitamura und Barker viel zu leicht und konzentriert sich allzu sehr auf den Look des Films und viel zu wenig darauf, den Protagonisten eine logische und glaubwürdige Charakterentwicklung zu verpassen.

'Midnight Meat Train' ist für mich alles in allem ein zweischneidiges Schwer. Er sieht toll aus, ist sehr brutal, bietet eine interessante Prämisse und einige nette Plot-Twists. Jedoch ist das Drehbuch alles andere als ausgereift und ist teilweise einfach nur blöd. Wer also Lust auf einen stylischen, schön gefilmten und sehr brutalen Horrorfilm hat - was ja schon mal nicht das schlechteste ist - sollte hier auf jeden Fall Spaß haben. Wer daneben noch eine plausible und logische Geschichte erwartet, ist fehl am Platz. Im Prinzip ist 'Midnight Meat Train' also wirklich nicht verkehrt - ich habe mich nur einige Male aufregen müssen, was mir den Seh-Spaß ein wenig genommen und aus der Atmosphäre des Films gerissen hat. 5,5 von 10 Punkten.

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