Mittwoch, 28. Oktober 2015

#Horrorctober: The Visit


In spontaner Laune habe ich einen Kinobesuch eingeschoben und mir den neuen M. Night Shyamalan-Film 'The Visit' angeschaut.
Was hat mich nach Murks wie 'Die Legende von Aang' oder 'After Earth' nur dazu bewegt? Ganz einfach: die gar nicht so schlechten Kritiken. Shyamalan ist zurück hieß es. Ist er das wirklich? 
Hoffentlich nicht.

Mit 'The Visit' hat sich der Meister der plakativen Twists nun dem Found Footage-Genre zugewandt. Und zwar erklärt er dies im Film so, dass die beiden Geschwister Rebecca (Olivia DeJonge) und Tyler (Ed Oxenbould) sich auf einen einwöchigen Besuch bei ihren Großeltern einlassen, die beide nicht kennen, zu denen auch ihre Mutter seit langer Zeit keinen Kontakt hat und Rebecca über diesen Trip eine Dokumentation drehen möchte. 
Angekommen bei ihren unbekannten Großeltern verwandelt sich die anfängliche Neugier schnell in Misstrauen, denn die beiden Alten verhalten sich sehr merkwürdig, vor allem des Nachts...

Das sei auch erstmal alles zur Story, denn mehr Handlung hat der Film im Prinzip auch nicht. Normalerweise beginne ich an dieser Stelle mit den positiven Dingen, die mir am Film aufgefallen sind, doch das kann ich im Fall von 'The Visit' im nächsten Satz allein abhandeln. Und zwar ist tatsächlich das einzige, was mir gefallen hat, die schauspielerische Leistung der beiden Großeltern. Kathryn Hahn und Peter McRobbie schaffen es, ihren kruden Charakteren zumindest etwas interessantes zu verleihen und sorgen für die einzigen Highlights von 'The Visit'. Ganz im Gegensatz dazu sind die beiden Kinder einfach nur nervig. Altklug, unglaubwürdig, unsympathisch. Vor allem der kleinere Tyler ist eine der ätzendsten Filmcharaktere seit langem. Diese Kritik trifft hauptsächlich auf die Rollen selbst zu, aber auch deren Darsteller sind bei weitem nicht das Gelbe vom Ei.
Weiter geht's mit dem Found Footage-Format. Es gibt Beispiele, wo dies gut funktioniert - aber die meisten dieser Filme haben auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Warum Shyamalan sich diesem Genre jetzt im Jahr 2015 zuwendet? Ich habe keine Ahnung. Vor allem weil es nicht funktioniert. Die Aufnahmen wirken zu keiner Zeit authentisch und auch der Aufhänger, dass ein junges Mädchen eine Dokumentation über den Besuch bei ihren Großeltern drehen möchte, ist hanebüchen.

Doch damit noch lange nicht genug, das schlimmste kommt noch. Und zwar funktioniert der Film einfach auf keiner Ebene. Shyamalan versucht hier eine ganz merkwürdige Mischung aus Teenie-Komödie und Horrorfilm zu inszenieren und setzt dabei auf infantilen Humor und Szenen, die wohl verstörend oder gar gruselig sein sollen. Weder das eine, noch das andere funktioniert und hinzu kommt, dass die Kombination aus beidem zu einer ganz komischen Mischung führt. 'The Visit' ist weder Fleisch noch Fisch, eher Hundefutter.

Aber kann der typische Shyamalansche Twist den Film in irgendeiner Form retten? Nein. 
Ganz schwer zu durchschauen ist dieser ohnehin nicht und selbst wenn man überrascht ist, ändert es wenig am Status Quo und der Film plätschert weiter vor sich hin.
Nach gut 90 Minuten ist der ganze Spuk zum Glück vorüber. Und um mal einen Einblick in den 'Humor' des Films zu geben, zitiere ich hier mal den Schlusssatz der Handlung auf Wikipedia: "In der Endszene rappt Tyler humorvoll über die vergangenen Erlebnisse."
Ja genau. Der ultra-nervige Tyler rappt HUMORVOLL über die Ereignisse. Und das ist nur die Krönung des ganzen, Tyler rappt viel. Sehr viel.

Wenn M. Night Shyamalan mit 'The Visit' verstören wollte, hat er dies geschafft. Aber auf eine ganz andere Art, als er sich dies wahrscheinlich vorstellte. Hanebüchenes Drehbuch, nervige Charaktere, unangebrachter Einsatz von Found Footage, ein lahmer Twist, infantiler Humor, nicht funktionierende Schock-Effekte - alles sehr traurig. Die beiden relativ guten Darsteller der Großeltern retten dann auch nichts mehr.
Von wegen Shyamalan ist zurück. Shyamalan war nie weg und wird uns wahrscheinlich noch einigen Murks vorsetzen. Wo bleibt eigentlich der zweite Teil von 'Die Legende von Aang'? Ich warte sehnsüchtig.
Zehn minus acht verschenkte Euro sind: 2 von 10 Punkten. 

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