Sonntag, 29. November 2015

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2

(© Lionsgate)

So, das war es also. Das große Finale des 'Tribute von Panem'-Franchises. Und leider blieb auch dieser, wie schon die vorherigen drei Teile, recht enttäuschend. Doch was 'Mockingjay Teil 2' im Gegensatz zu seinen Vorgängern geschafft hat ist, dass er mich mit einem positiven Gefühl hat aus dem Kinosaal gehen lassen. Warum dies so ist, lest ihr weiter unten.

Zunächst einmal zum Film selbst. 'Mockingjay Teil 2' ist nach 'The Hunger Games', 'Catching Fire' und 'Mockingjay Teil 1' der dritte Film des Franchises und dreht sich um die zweite Hälfte der Buchvorlage 'Die Tribute von Panem - Flammender Zorn' von Suzanne Collins. Die Regie übernimmt hierbei Francis Lawrence, der bereits die Teile Zwei und Drei der Reihe inszeniert hatte. Selbstverständlich ist auch dieser letzte Part wieder grandios besetzt, u.a. mit Jennifer Lawrence, Liam Hemsworth, Josh Hutcherson, Natalie Dormer, Woody Harrelson, Phillip Seymour Hoffman (in seiner allerletzten Rolle - R.I.P.), Julianne Moore, Elizabeth Banks, Donald Sutherland, Stanley Tucci, Gwendoline Christie - um nur die populärsten zu nennen.

Der Film schließt direkt an die Handlung seines Vorgängers an. Peeta (Hutcherson), einer der zwei Verehrer von Hauptfigur Katniss (Lawrence), konnte aus dem Capitol um den bösen Präsidenten Snow (Sutherland) befreit werden und befindet sich nun in der Rebellenbasis, die von Präsidentin Coin (Moore) geführt wird und die Regierung von Panem stürzen will. Katniss dient den Rebellen hauptsächlich zu Propagandazwecken und wird an die Front geschickt, um dort Teil von Propagandavideos zu sein. Sie wird Zeuge der harten Realität des Krieges und schließlich sogar angeschossen.
Infolgedessen fasst sie den Entschluss sich auf eine letzte Mission zu Präsident Snow zu machen und diesen mit eigenen Händen umzubringen - entgegen dem Willen aller, vor allem von Präsidentin Coin. Natürlich schafft Katniss es trotzdem an die Front beim Capitol und kann, mithilfe ihrer Vertrauten, diese finale Mission in Angriff zu nehmen. Natürlich macht das Capitol dies nicht zu einfach und wirft ihnen Stein nach Stein in den Weg.


Starten wir mit dem negativen Teil. Nachdem der letzte Teil 'Mockingjay Teil 1' schon zu wenig zu erzählen hatte, ändert sich dies auch in Teil 2 zunächst nicht. Die ersten eineinhalb Stunden sind zäh und bieten viel Platz für unnötige Dialoge und Actionszenen. Hier wird mehr als deutlich, dass es nur einen dritten Teil gebraucht hätte und das aufsplitten in zwei Teile hauptsächlich in wirtschaftlichen Interessen begründet liegt. 'Weniger ist mehr' wäre hier der passende Leitspruch gewesen. So schaut man hier 90 Minuten lang einer nervigen Katniss zu, die an allem zu zweifeln oder verzweifeln scheint. Erst als sie beschließt die Sache selbst in die Hand zu nehmen, scheint die Geschichte voran zu schreiten. Und selbst dann wird es nicht interessanter - obwohl sich nun Actionszene an Actionszene reiht. Diese bringen nun allerdings auch einige Logiklücken mit sich und basieren sowieso auf einem fragwürdigen Konzept - und zwar sollen hier die Köpfe hinter den Hungerspielen die Stadt um das Capitol mit Fallen versehen, die die Angreifer auf 'unterhaltsame' Art aufhalten und umbringen sollen.
Womit die große Chance, ein ernsthaftes Revolutions-Szenario aufzubauen, endgültig vergeben ist und versucht wird, sich auf die Erfolge der Vorgänger zu stützen und die Schauwerte in den Vordergrund zu stellen. Zwar sind diese in Ordnung - alles andere wäre bei einem solchen Blockbuster auch beschämend - bleiben allerdings im Gesamtkontext des Films Episoden, die zur weiteren Geschichte wenig beitragen und nur der Action wegen im Film sind. Gekrönt wird dies davon, dass die ersten zwei Drittel des Films schon nahezu komplett in den Trailern gezeigt werden und man durch keine der Actionsequenzen noch überrascht wird.

Dies bessert sich erst, nachdem der möchtegern-epische Teil des Films vorbei ist und es zum großen Finale kommt. Das schöne ist, dass man sich hier auf ernstere und ruhigere Töne konzentriert und kein Feuerwerk zum Schluss bringen will. Man traut sich, das recht pessimistische Ende aus den Büchern relativ getreu zu übernehmen - was mir gut gefallen hat. Denn: 'Die Tribute von Panem' boten von der ersten Minute des ersten Films an viele Möglichkeiten Kritik zu üben. Medienkritik, Regimekritik, Revolutionskritik. Leider schaffte dies bisher keiner der Filme so wirklich.
Auch wenn es immer wieder versucht wurde, die oberflächliche Inszenierung der Reihe konnte nie durchstoßen werden. Gegen Ende dieses letzten Panem-Films dachte ich mir dann zum ersten Mal, dass eine gewisse Kritik hier funktioniert. Damit möchte ich nicht sagen, dass 'Mockingjay Teil 2' ein Film ist, der es schafft auf einem tiefgründigen Level Kritik zu üben oder zum Denken anzuregen, aber immerhin traut man sich zwei Dinge, die zumindest in die kritische Richtung ausschlagen, was bei einem solchen Blockbuster für Jugendliche auf keinen Fall selbstverständlich ist. Dass das endgültige Ende dann wieder vor Kitsch tropft war ja abzusehen, doch was kurz davor geschieht, kann sich tatsächlich sehen lassen und schließt die Reihe aus meiner Sicht auch einigermaßen gut ab.

Diese gute Dreiviertelstunde macht den Film jedoch nicht zu einem guten Gesamtwerk. Nach zwei Dritteln des Films habe ich mir geschworen ihn zu zerreißen, denn ich empfand es als grobe Dreistigkeit, dass aus dem letzten Panem-Buch diese zwei unnötig langen, nichtssagenden Filme gemacht wurden. Blöderweise hat das letzte Drittel dann bewirkt, dass ich einigermaßen beschwichtigt aus dem Saal ging und der schrecklich zähe Part des Films fast in Vergessenheit geraten war. Nur so kann ich mir auch die recht positiven Presse-Reviews für den Film erklären, denn selten habe ich so uninspirierte, langweile Actionszenen gesehen. Und bei den Nicht-Actionszenen war es genauso. Emotionen, Gefühle? Fehlanzeige.
Alles in allem ist es sehr schade, dass diese Mega-Blockbuster-Reihe so an die Wand gefahren wurde. Der Cast ist wirklich erstaunlich gut und spielt - von Katniss Verehrern mal abgesehen - auch grandios. Gerade Jennifer Lawrence, Julianne Moore und Donald Sutherland sind großartig. Auch die Tricks, die Kulissen, die Kostüme - alles sieht super aus. Aber man schafft es nun mal nicht, die großartigen Voraussetzungen zu nutzen und das ganze mit einem guten Drehbuch zu untermauern. Sehr, sehr schade. Für 'Mockingjay Teil 2' gibt es von mir 5 von 10 Punkten. Und davon sind mindestens drei für das letzte Drittel.
Die gesamte Reihe würde ich sogar noch schlechter bewerten, mit höchstens 4 von 10 Punkten. Dabei haben mir die Bücher sogar gut gefallen - aber wie bei so, so, so vielen Blockbustern heutzutage gilt leider, wie bereits erwähnt: weniger ist mehr. 

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