Mittwoch, 25. November 2015

Irrational Man


Ich habe mir den neuen Film von Woody Allen 'Irrational Man' angesehen. In der Hauptrolle sieht man dabei Joaquín Phoenix, in der populärsten Nebenrolle Emma Stone in ihrer zweiten Zusammenarbeit mit Allen (nach 'Magic in the Moonlight').
Die Geschichte dreht sich dabei um den Philosophie-Professor Abe Lucas (Phoenix), der sich in einer existentiellen Krise befindet, den Spaß am Leben verloren hat und dem Alkohol verfallen ist. Lucas kommt neu an das Braylin College in Newport, sein Ruf als zynischer, depressiver aber hochgradig intelligenter und interessanter Mann eilt ihm dabei voraus. Dadurch wird ihm relativ schnell die Aufmerksamkeit zweier Frauen zuteil. Zum einem die der Dozentin Rita Richards (Parker Powsey), zum anderen die der Studentin Jill Pollard (Stone).
Während die Beziehung zu Rita eher einseitig ist und Abe ihr eher weniger Interesse entgegen bringt, sieht dies bei Jill anders aus. Zwischen beiden entwickelt sich ein Verhältnis, das sich von einer anfänglichen Freundschaft und gegenseitiger Faszination ausgehend immer weiter entwickelt, wobei Jill's Beziehung zu Roy (Jamie Blackley) ein ständiges Problem bleibt. Bis Jill und Abe zufällig ein Gespräch belauschen, welches Abe zu einer unmoralischen Entscheidung treibt, die seins, aber auch das weitere Leben von Jill völlig auf den Kopf stellt.

Kurz vor Woodys 80. Geburtstag läuft also sein neuester Film hier in den Kinos an - was wenig verwunderlich ist, da Allen seit Ende der 60er Jahre eigentlich jedes Jahr einen Film an den Start brachte. Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich ihn zwar mag, jedoch auch seit 'Midnight in Paris' 2011 - den ich sehr mochte - keinen seiner Filme mehr gesehen habe.
In 'Irrational Man' wird nun eine schwarzhumorige Geschichte um eine ziemlich fertige Person erzählt, die durch eine fragwürdige Entscheidung seine Lebensfreude wieder entdeckt. Dies deutet bereits eine Mischung aus Drama und Komödie an - allerdings wählt Allen dabei nicht ganz die richtige Rezeptur. Vor allem der Beginn des Films wirkte auf mich überhaupt nicht. Die erste Hälfte des Films driftete teilweise in Langeweile ab, der Humor war viel zu selten vorhanden bzw. funktionierte nicht und sämtliche Figuren wirkten wie klischeehafte Abziehbilder - der depressive, heruntergekommene, trinkende Philosophie-Professor, die perfekte Studentin, die seiner charismatischen Art verfällt, ihr spießiger, strebhafter, adretter aber unfassbar langweiliger Freund.
Im Gegensatz dazu machen alle Schauspieler ihre Arbeit hervorragend. Gerade Joaquin Phoenix spielt die Hauptrolle großartig und macht sie dabei deutlich interessanter, als sie eigentlich geschrieben ist und auch Emma Stone bestätigt ihre starken Auftritte der letzten Jahre und spielt die Rolle der Jill wirklich entzückend. Auch Parker Powsey, als Abes Verehrerin Rita, ist grandios und schafft es ihre Figur vielschichtiger und unterhaltsamer darzustellen, als sie auf dem Papier aussieht.

Im zweiten Teil des Films nimmt die Handlung des Films dann aber auch endlich Fahrt auf und wird seinen Darstellern gerecht. Man hat das Gefühl, dass man im Laufe des Films die Stimmung von Abe Lucas miterlebt. Die erste Hälfte macht wenig Spaß, man sieht wenig tieferen Sinn im Film - erst als Abes Leben eine Wendung nimmt, findet auch der Film seine Richtung und weiß zu unterhalten. Hier kann Woody Allen für eine gute halbe Stunde eine sehr ausgewogene Mischung aus schwarzer Komödie und Kriminaldrama implementieren, die wirklich Spaß macht. Vor allem aber fiebert man mit Hauptfigur Abe mit, denn seine charismatische, zynische Art zieht nicht nur die Frauenfiguren im Film in seinen Bann, sondern auch den Zuschauer. Leider ist seine Figur dabei auch eigentlich die einzige und wie bereits erwähnt, funktioniert dies auch erst in der zweiten Hälfte des Films so richtig.
Leider enttäuscht dann auch das Ende des Films auf ganzer Linie. Man schafft es, den Film in interessante und unterhaltsame Bahnen zu lenken, nur um dann mit einem klischeebeladenen und vorhersehbaren Schluss die positiven Eindrücke wieder in den Hinterkopf zu verbannen. 

Was 'Irrational Man' hingegen gut macht - und das dürfte bei einem Woody Allen-Film nicht verwunderlich sein - ist die wunderbare Musikuntermalung. Der lockere, jazzige Soundtrack untermalt die Szenen doch sehr gut und weiß durchweg zu überzeugen. Auch ist der Film schön fotografiert - womit das Drehbuch die einzige, aber entscheidende Schwäche des Films ist. 
Insgesamt lässt sich sagen, dass 'Irrational Man' es verdient hätte, ein besserer Film zu sein. Es passt sehr viel. Doch leider sind die Figuren viel zu einseitig, klischeehaft und alltäglich. Auch die Dialoge die Allen, der selbstverständlich auch das Drehbuch selbst schrieb, den Protagonisten in den Mund legt, können leider nicht überzeugen. Im Umfeld eines Colleges und eines renommierten Philosophie-Professors sollen die Dialoge tiefgründig und doppelbödig sein. Witzig und tragisch. Leider funktioniert dies nicht. Ebenso wie die Figuren kratzen deren Äußerungen nur an der Oberfläche und es wirkt wie gewollt und nicht gekonnt - und das ist traurig, denn wir wissen, dass Woody Allen geniale Dialoge schreiben kann. Hoffen wir, dass er noch einige Zeit hat Filme zu machen, noch einmal an alte Glanzzeiten anknüpfen und einen wirklichen Kracher zu Stande bringen kann . Bei 'Irrational Man' war ich guter Dinge, Potential war viel vorhanden, doch leider waren Geschichte, Charaktere und Dialoge zu unausgereift.
Trotzdem gebe ich 6,5 von 10 Punkten. Man kann durchaus Spaß haben, es hätte nur so viel besser sein können.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen