Donnerstag, 3. Dezember 2015

Daniel, der Zauberer vs. Kartoffelsalat


Wir schreiben das Jahr 2004. Die zwei mit Abstand erfolgreichsten Filme in Deutschland sind (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 und Sieben Zwerge – Männer allein im Wald. Den goldenen Bravo-Otto gewinnen die Olsen-Twins – und Qualitätsfilmer Uli Lommel kommt auf die grandiose Idee einen Film über den Weltstar und DSDS-Dritten Daniel Küblböck zu machen.
Mit einem minimalen Budget, schlechten Konzertmitschnitten, untalentierten "Schauspielern" und einer hanebüchenen Story rund um Daniels verstorbenen Zauberer-Opa, unfassbar bösartigen Bösewichten, die Daniels Weltkarriere aufgrund von Eifersucht zerstören wollen und natürlich ganz, ganz viel "positiver Energie", gelingt es Lommel einen der miesesten Filme überhaupt auf Zelluloid zu bannen. 

Dabei ist vor allem die Mischung aus amateurhafter Machart, den extremst merkwürdigen, kruden Charakteren und der maßlosen Selbstüberschätzung (man glaubt wirklich hier einen wichtigen, tiefgründigen Film zu machen) so "gut" gelungen, dass Daniel, der Zauberer von vorne bis hinten in unfreiwillige, ironiefreie Komik getaucht ist. 
Wenn man die Konzerteinlagen überspringt – welche fast die Hälfte des Films ausmachen – kann man also durchaus einen gewissen Reiz an diesem Film finden. Wenn man vor lauter Kopfschütteln überhaupt etwas mitbekommt. 
Und es sollten sich sogar 13.834 Zuschauer in die Kinos verirren, um Daniel, der Zauberer zu sehen. Das ist für einen solchen Streifen schon eine Menge – und im Vergleich dennoch nichts zu der Tragödie, die uns über zehn Jahre später erwarten sollte...
Lieber 90 Minuten diesen Kartoffelsalat anschauen, als 90 Minuten Freshtorges Kartoffelsalat.


Wir machen einen Zeitsprung von 11 Jahren –  ins Jahr 2015. Fack Ju Göhte 2 ist der erfolgreichste Film des Jahres, Smombie das Jugendwort des Jahres und YouTube-Stars wie Freshtorge,  DagiBee oder Die Lochis sind die Daniel Küblböcks und Juliette Schopmanns einer neuen Generation –  womit es mal wieder Zeit für ein wahres Meisterwerk ist.
Michael David Pate schwingt sich dabei zum neuen Uli Lommel auf und erschafft zusammen mit Freshtorge – einem großnasigen, 27-jährigen möchtegern-14-jährigen den Fremdschäm-Hit des Jahres. Kartoffelsalat nennt man das Ganze und besetzt nahezu den gesamten Film mit YouTubern ohne jegliches schauspielerisches Talent. Warum allerdings auch ein Otto Waalkes bei so etwas mitwirkt, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Alzheimer wäre eine Möglichkeit. 
Doch das wirkliche Highlight ist das "Drehbuch", welches Freshtorge sich hier aus der Nase geschüttelt hat. Man nehme das Klischeebild eines Kevins und einer Jacqueline, bevölkere damit eine Schule, streue seit 20 Jahren überholte Stereotypen in die Masse der Kevins und Jaquelines ein, schreibe ihnen Dialoge und "Gags", die ich nicht mal mit - in der Gegenüberstellung mit Kartoffelsalat – großartigen Machwerken wie Fantastic Movie, Date Movie, oder Disaster Movie vergleichen möchte und pferche das alles in das ausgelutschteste Szenario des 21. Jahrhunderts: in eine Zombie-Invasion.
Neben den vollkommen talentlosen Darstellern, der miesen Machart und peinlichen Auftritten von "Stars" wie Maddin Schneider, Katy Karrenbauer oder Jenny Elvers-Elbertzhagen sind vor allem die vielen Anspielungen auf die Film- und Serienwelt mit dem Holzhammer geschrieben und einfach nur zum kopfschütteln. So heißt der Vater des Hauptprotagonisten Walter Weiß und ist Chemielehrer, der Philosophielehrer heißt Salamander, sitzt im Rollstuhl und verständigt sich durch eine Klingel und der Clou der Story ist "Blue Mett" - um nur mal die Breaking Bad-Verhunzungen zu nennen.

Neben dem nicht vorhandenen Humor bleibt nicht einmal unfreiwillige Komik. Hier ist wirklich alles schlecht und zum fremdschämen. Hier werden 8 bis 12-jährige Mädchen mit den Namen ihrer Stars ins Kino gelockt und verarscht. 
Und das traurigste ist: hier wurde entdeckt, dass man nur YouTube-Stars als Werbung braucht, um Geld zu machen (unfassbar unverdiente 360000 Kino-Besucher) - was das Produkt im Endeffekt darstellt, ist ganz egal. So kommt es, dass wir bald den zweiten YouTuber-Film bewundern dürfen: Bruder vor Luder von den beiden schwer pubertierenden, Justin Bieber-Verschnitten Die Lochis.
Der Ruhm, den YouTube-Stars heutzutage selbst mit so einem Mist erlangen, hatte Daniel Küblböck 2004 nicht und musste seine Karriere im Dschungelcamp und beim Promi-Dinner ausklingen lassen. Das wünsche ich auch allen an Kartoffelsalat Beteiligten - wobei selbst das noch der Ehre zu viel wäre. Leider werden sie wohl nur noch populärer und Kartoffelsalat 2 ist nur eine Frage der Zeit.


Das Duell der beiden Meisterwerke Daniel, der Zauberer und Kartoffelsalat geht also eindeutig an Küblböck und Lommel. Denn: die unfreiwillige Komik in diesem Film macht viel mehr Spaß als das, was Freshtorge und sein Regisseur uns als lustig verkaufen wollen. Und nun lösche ich Kartoffelsalat aus meinem Gedächtnis, während Daniel, der Zauberer wieder in mein DVD-Regal wandert.

P.S.: Falls es sich teilweise so angehört hat: Daniel, der Zauberer ist natürlich beim besten Willen kein guter Film. Er ist sogar abgrundtief schlecht - nach dem Konsum von Kartoffelsalat war mir allerdings danach, etwas positives zu ihm zu sagen, denn ich war zum ersten Mal dazu in der Lage. Und das ist das einzig positive an Kartoffelsalat.

P.P.S.: Ja, ich weiß, IMDB-Wertungen können lügen. Doch in diesem Fall muss ich zu 100% zustimmen. Daniel, der Zauberer1,9. Kartoffelsalat1,1. Verdient.

Kommentare:

  1. Ah, ein Leidensgenosse. Ich finde es nur fair den "Zauberer" als sauberen Trash zu ratifizieren und "Karto.." im Gegenzug als kalkulierten Fremdschämer. Schönes VS. Gerne mehr davon.

    Ich hatte da wohl ähnliche Gedanken: http://kopfundkino.blogspot.de/2015/07/kartoffelsalat-nicht-fragen.html?m=1

    LG,
    Rob
    Kopf & Kino

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