Dienstag, 29. Dezember 2015

Top 10 2015: Platz 2 - Victoria

(© Senator Filmverleih)

Den zweiten Platz belegt der einzige deutsche Film in meiner Liste: 'Victoria' von Sebastian Schipper. Für mich war direkt nach der Sichtung klar, dass das am 11. Juni in den Kinos gestartete Brett von einem Film einen der Top-Plätze in meinen Jahres-Charts einnehmen wird. Und im Endeffekt konnte er sogar 'Star Wars' hinter sich lassen.

'Victoria' erzählt die Geschichte der titelgebenden Spanierin Victoria, die nach einer durchfeierten Nacht mit vier Berliner Jungs weiter zieht und dabei in einen Banküberfall verwickelt wird.
Die Geschichte ist eigentlich nichts außergewöhnliches, doch sie wird sowieso an den Rand gedrängt. Das, was den Film so unglaublich stark macht ist sein unfassbarer Realismus. Dieser wird hauptsächlich dadurch erzeugt, dass 'Victoria' komplett in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht ist. Dadurch und durch das größtenteils improvisierte und durchgehend glaubhafte Spiel der fünf Hauptdarsteller (Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burat Yigit, Max Hauff) entwickelt sich eine Nähe zu den Charakteren, wie ich es sonst noch bei keinem Film gesehen habe. Dazu schafft es das Team um Regisseur Schipper eine solche Dynamik in den Film zu bringen, dass keine Langeweile entsteht. Zwar ist der Beginn etwas lang gestreckt, doch auch das passte für mich bestens, da sich der Film alle Zeit nimmt seine Charaktere, Schauplätze und Machart zu implementieren, wodurch nachher alles noch besser auf den Zuschauer wirkt.
Nach den 140 Minuten des Films war ich fix und fertig, so sehr hatte mich 'Victoria' mit auf seine wilde Fahrt genommen.

Selbstverständlich hat die Handlung des Films auch einige Schwächen, das möchte ich gar nicht leugnen. Doch weshalb ich ihm im September die Höchstwertung von 10 von 10 Punkten gegeben habe (HIER meine Rezension dazu), ist vor allem der oben erwähnte Realismus, der eine extreme Nähe zu den Charakteren und dem Geschehen vermittelt, aber auch die unfassbare Leistung, die das Filmteam vollbracht hat. Welch eine Planung und Logistik hier im Vorfeld nötig war, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Allein der geglückte Versuch einer einzigen, über 2-stündigen Plansequenz ist aller Ehren wert. Und bei 'Victoria' wurde nicht nur das geschafft, nein, man schuf einen wirklich guten, mitreißenden Film, der das Gefühl einer durchzechten Berliner Nacht auf den Punkt einfängt und auf die Leinwand zu übertragen weiß. Dazu liefern alle Hauptdarsteller - allen voran die grandiose Laia Costa - starke Perfomances ab.
Ich kann mich vor dem gesamten Team nur verneigen und hoffe, dass solche Experimente nach dem Erfolg von 'Victoria' mehr Einzug in den deutschen Film nehmen. Verdiente Höchstwertung, verdienter Platz 2. Nur ein Film ließ mich noch atemloser und begeisterter zurück - und der folgt logischerweise morgen auf Platz 1!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen