Sonntag, 27. Dezember 2015

Top 10 2015: Platz 4 - Whiplash


Der heutige vierte Platz geht an den Film, der mich 2015 wohl am meisten überrascht hat: 'Whiplash'.
Ohne große Erwartungen oder Vorwissen bin ich kurz nach dem Kinostart (19. Februar) ins Kino gerannt - und sah einen furiosen, wuchtigen Film, der mich sofort hellauf begeisterte und zu meinem Favoriten für die kurz darauf anstehende Oscar-Verleihung wurde.

Regie-Debütant Damien Chazelle, der den Film basierend auf eigenen Erfahrungen und auf seinem eigenen Kurzfilm von 2013 schrieb und verfilmte, erzählt die Geschichte von Andrew (Miles Teller), einem begabten Jazz-Schlagzeuger. Dieser ist Schüler einer elitären Musikschule und tut alles dafür, in die Studioband der Schule aufgenommen zu werden. Eines Tages entdeckt ihn der strenge Leiter der Band (J.K. Simmons) und versucht sein Talent zu fördern. Seine Methoden reichen dabei von exzentrisch bis sadistisch, doch Andrew lässt sich - den Erfolg vor Augen - voll auf dieses Spiel ein.
'Whiplash' stellt die Frage nach dem Preis des Ruhmes in den Mittelpunkt der Erzählung und spinnt darum die Geschichte des 19-jährigen Andrew, der in der harten Welt der professionellen Musik auf- aber auch unter geht. Dabei wird der Film nie wertend, sondern erzählt aus einer neutralen Warte einen regelrechten Musik-Thriller, welcher einem kaum Zeit zum Atmen gibt. Der Film zeichnet sich in allen Bereichen durch eine unglaubliche Wucht und Präzision aus und erschafft so eine wunderbare Parallele zum Kernpunkt des Films, dem Schlagzeugspiel.
Dieses nimmt in 'Whiplash' auch eine große Rolle ein und dient nicht nur als Aufhänger der Geschichte. In perfekten Musikszenen sehen wir Miles Teller am Schlagzeug schwitzen, weinen, bluten. Und wir sehen J.K. Simmons schreien, schlagen, werfen. Die wirklich grandiosen Musikszenen und das Spiel der beiden Hauptdarsteller gehen in einer Symbiose auf, die einen wie gefesselt vor den Bildschirm bannt und jede Sekunde aufsaugen lässt. Die wahnsinnige Dynamik des Films geht dabei schnell in Mark und Bein über. 
Genau so hält es sich auch mit dem gesamten Soundtrack, der eine tolle Mischung an Jazz-Songs parat hält, darunter natürlich auch die beiden Kernstücke des Films, Whiplash und Caravan - wochenlang bin ich mit dem Soundtrack-Album auf den Ohren durch die Weltgeschichte gelaufen.
Alles in allem erzählt Regisseur Chazelle in 'Whiplash' eine kleine, aber ungemein spannende und vor allem glaubwürdige Geschichte. Das Schicksal des Protagonisten liegt einem schnell am Herzen und man fiebert bis zum großen Finale mit. Die beiden Hauptdarsteller gehen voll in ihren Rollen auf und J.K. Simmons bietet eine Riesenleistung, für die er vollkommen zurecht den Oscar für die beste Nebenrolle erhalten hat.
Schön gefilmt ist der Film ebenfalls - doch die wahre Krönung ist die Musik und der Sound. Die Schlagzeug- und Bandszenen hören sich so perfekt getimed, brachial und wunderschön an, das sich der Kinobesuch allein deswegen gelohnt hätte.
Nach dem Film war ich völlig fertig, musste mindestens eine Träne verdrücken und hatte wahnsinnige Lust auf Jazz, vor allem auf Jazz-Schlagzeug. Aus diesem Grund gibt es von mir 9 Punkte für den Film und nochmal einen halben Extrapunkt für den Soundtrack des Jahres. Macht 9,5 von 10 Punkten und damit fast die Bestwertung!



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