Samstag, 26. Dezember 2015

Top 10 2015: Platz 5 - Men & Chicken


Auf Platz 5 meiner Top 10 des Jahres schafft es wohl der Film aus meiner Liste, der am wenigsten Aufmerksamkeit erregen konnte. Völlig unverdient, denn die kongeniale Zusammenarbeit von Regisseur Anders Thomas Jensen und Schauspieler Mads Mikkelsen wird nach 'Flickering Lights', 'Dänische Delikatessen' und 'Adams Äpfel' ein weiteres Mal fortgesetzt.
Jeder einzelne dieser Filme zählt für mich zur Speerspitze der skandinavischen Komödien, gerade 'Adams Äpfel' zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, weshalb ich mich wie Hulle auf 'Men & Chicken' freute. Und ich wurde definitiv nicht enttäuscht.

Wieder einmal erzählt Anders Thomas Jensen (der auch das Drehbuch schrieb) eine Geschichte um totale Außenseiter. Um den Kaffeesatz der Gesellschaft. 
Die Brüder Elias (Mads Mikkelsen) und Gabriel (David Dencik) erfahren am Sterbebett ihres vermeintlichen Vaters, dass er sie nur adoptiert habe. Daraufhin begeben sie sich auf eine Suche nach ihren Wurzeln, wodurch die beiden sonderbaren Brüder auf eine Bande noch viel sonderbarer Typen trifft - ihrer Familie, wie sich herausstellt.
Hier wird das fortgesetzt, was in Jensens vorherigen Filmen seinen Anfang nahm. Mit tiefschwarzem Humor wird eine Gruppe Menschen beleuchtet, die es alles andere als leicht haben. Dabei stehen Absurditäten und Skurrilitäten ganz oben auf der Agenda. 
Das Schöne daran ist, dass hier nie auf blöde Sprüche oder billige Witze gesetzt wird - 'Men & Chicken' zieht seinen Humor und seine Faszination aus den wunderbar geschriebenen Charakteren und den Darstellern, die diese furios zum Leben erwecken. Natürlich muss man auch bei diesem Film eine Vorliebe für schwarzen, skandinavischen Humor mitbringen, denn sonst bleibt einem mit Sicherheit an einigen Stellen das Lachen im Halse stecken.
Ein weiterer Pluspunkt sind die genialen Dialoge. Auch hier steht Absurdität an erster Stelle und so ergeben sich die wohl schrägsten und unterhaltsamsten Konversationen dieses Kinojahres. 

Doch auch wenn die Charaktere ziemlich debil dargestellt werden, gleiten sie nie in eine diskriminierende Richtung ab - auch wenn einige Kritiker dies so sehen wollten. Jensen schreibt seine Figuren immer exakt auf der Grenze zwischen Gut und Böse. Nie hat man reine Schwarz-Weiß-Zeichnung, weshalb man jeder Figur etwas positives abgewinnen und sich mit ihr anfreunden kann. Anti-Helden und Außenseiter werden zu den großen Sympathieträgern - für mich das Gegenteil von Diskriminierung.
Auch die Handlung des Films wurde hier und da kritisiert, sie sei hanebüchen und setze auf billige Gags. Ja und Nein - hanebüchen ist die Story vielleicht, aber auf eine so lustige und überraschende Art und Weise, dass es für mich eine große Freude war. Hier wird ganz bewusst übertrieben und es macht einen Heidenspaß! Billige Gags hingegen habe ich keine entdeckt, eher das Gegenteil. Hinter dem bitteren Witz von 'Men & Chicken' steckt deutlich mehr, als es den Anschein hat.

Und nun genug der Lobhudeleien. 'Men & Chicken' hat meine Erwartungen noch übertroffen und präsentiert liebenswürdige, aber brutal skurrile Figuren, die von den tollen Darstellern mit viel Spaß und Freude zum Leben erweckt werden. Der Humor des Films ist durchgehend tiefschwarz, provokant und typisch skandinavisch - genau mein Fall, das sollten sich definitiv mehr Filmemacher außerhalb von Dänemark, Schweden oder Norwegen trauen! All diese Absurdität wird in die schönen, sehr nüchternen und ernsthaft wirkenden Bilder des Films gepackt und schafft so eine wundervolle Balance zwischen Glaubwürdigkeit und Märchenhaftigkeit. 
Außerdem ist der Schluss der beste, den ich seit langer Zeit gesehen habe. Hier wurden wirklich viele Tränen vergossen - selbstverständlich vor Lachen. Und auch jetzt, da ich wieder daran denke, habe ich ein dickes Grinsen im Gesicht.
Danke Anders Thomas Jensen für die - aus meiner Sicht - beste Komödie 2015. Ich will mehr davon, die Komödienlandschaft ist mir einfach zu brav. 9 von 10 Punkten für 'Men & Chicken'!

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