Freitag, 25. Dezember 2015

Top 10 2015: Platz 6 - Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)


'Birdman' von Alejandro González Iñárritu startete am 29. Januar in den deutschen Kinos und war der große Abräumer der Oscarverleihung Anfang des Jahres. Bester Film, Beste Regie, Beste Kamera und Bestes Originaldrehbuch - in vier der wichtigsten Kategorien konnte 'Birdman' sich behaupten und nebenbei noch weitere Nominierungen für sich beanspruchen.
In meiner Top 10 diesen Jahres landet er trotzdem "nur" auf Platz 6. Das mag weniger an der Qualität als an der Aktualität des Films liegen, denn eigentlich muss sich 'Birdman' vor keinem verstecken - Regisseur Iñárritu präsentiert dem Publikum einen wahren Film-Rausch, der von vorne bis hinten Spaß bereitet.

'Birdman' erzählt die Geschichte des gefallenen Hollywood-Stars und ehemaligen Darstellers des Superhelden Birdman, Riggan (Michael Keaton), der seine Karriere durch ein Bühnenstück wieder ins Rollen bringen möchte. Doch die letzten drei Tage vor der Premiere bereiten ihm Probleme über Probleme - sei es mit dem seinem exzentrischen Darstellerkollegen Mike Shiner (Edward Norton), seiner Tochter (Emma Stone) oder aber seiner eigenen Psyche.
Die Kamera verfolgt Riggan dabei den gesamten Film und erweckt den Eindruck einer einzigen Einstellung. Ist es natürlich nicht, doch die Illusion funktioniert. Noch besser funktioniert jedoch die Zusammenarbeit der Darsteller. Jeder einzelne überzeugt auf ganzer Linie und die Freude am Spiel ist durchgehend spürbar. Michael Keaton dient dabei als Anker und roter Faden in der Geschichte und es macht einen Heidenspaß ihm für zwei Stunden zu folgen - auch weil Michael Keaton eine Riesenleistung abruft, die ihm wohl nur noch wenige zugetraut hätten. Doch Keaton is back - und das mit Recht.
Allerdings passt nicht nur die Chemie der Schauspieler untereinander. Alle Elemente greifen perfekt ineinander und machen den Film von vorne bis hinten rund. Die Story ist mal ruhig, mal mitreißend. Persönlich, intim, emotional. Dialoglastig und wortgewaltig. Eine relativ kleine Geschichte, die vom Team wunderbar zum Leben erweckt wird.
Der Anschein einer einzigen Einstellung kann fast den ganzen Film durch gehalten werden (leider verloren die eindrucksvoll gefakten One Shots von Kameramann Emmanuel Lubezki einen Teil ihrer Faszination und Wucht in dem Moment, als ich 'Victoria' im Kino sah), was dem Film eine fantastische Dynamik verleiht. Untermalt werden die Bilder von einem grandiosen, jazzigen Soundtrack. Dazwischen marschiert Keaton von einer verzwickten Situation in die nächste und duelliert sich dabei mit scharfzüngigen und (teilweise) tiefgründigen Dialogen mit seinen Schauspielkollegen. Es ist eine wahre Freude.

Leider ist es mittlerweile lange her, dass ich 'Birdman' gesehen habe und 'Victoria' hat ihm ziemlich die Show gestohlen. Aus diesem Grund springt nur Platz 6 heraus - auch wenn ich vor fast einem Jahr extrem begeistert war und 9 von 10 Punkten gegeben hätte.
Es ist wohl an der Zeit für Sichtung Nummer 2. Auch um die Wartezeit zu Iñárritu's neuem Coup 'The Revenant' (Kinostart: 06. Januar 2016) zu verkürzen.


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