Sonntag, 17. Januar 2016

Creed - Rocky's Legacy

(© Warner Bros. Pictures)
Seit früher Kindheit bin ich großer Fan der Rocky-Reihe, wenige Filme habe ich öfter gesehen, als die ersten fünf Teile. Und als ich dann 2006 im Kino saß und mit Rocky Balboa einen mehr als würdigen Nachfolger präsentiert bekam, in dem Rocky seine Karriere würdevoll beendete, war das Franchise für mich eigentlich abgeschlossen - und so freute ich mich zunächst nicht gerade, als ich das erste Mal von Creed hörte. Doch der erste Trailer, die guten Kritiken und die Nominierung Stallones als Bester Nebendarsteller bei den Oscars, katapultierten meinen Hype dann schließlich doch wieder in die Höhe. 

Gestern war es dann endlich so weit, endlich wieder Rocky auf der Leinwand bewundern. 
Doch eigentlich geht es in Creed um Adonis Johnson (Michael B. Jordan), der als Waise in mehreren Erziehungsheimen aufwächst, ehe er schließlich von der Witwe Apollo Creeds (Phylicia Rashād - Claire Huxtable in Die Bill Cosby Show), einem der größten Boxer aller Zeiten, sowie größter Rivale und bester Freund Rockys, adoptiert wird und erfährt, dass er der Sohn eben dieses Apollo Creeds ist. 17 Jahre später arbeitet Adonis bei einem Wertpapierunternehmen und boxt nebenbei semi-professionell in Mexiko. Unzufrieden mit seinem Job kündigt er, mit der Hoffnung Profi-Boxer zu werden. Aus diesem Grund macht er sich auf nach Philadelphia, wo er versucht Rocky Balboa (Sylvester Stallone) davon zu überzeugen, ihn zu trainieren. Natürlich ist dazu einige Überzeugungsleistung nötig, doch wie sollte es anders sein: schließlich kann Adonis den gealterten Box-Champion überzeugen und es entwickelt sich eine freundschaftliche, fast familiäre Beziehung, in der der Boxsport nicht immer im Mittelpunkt steht, aber immer der große Verbindungspunkt bleibt.

Insgesamt bin ich ziemlich begeistert aus Creed heraus gekommen. Die Macher (allen voran: Ryan Coogler als Regisseur und Drehbuchautor) nehmen sich die typischen Grundelemente der Rocky-Saga und modernisieren diese gekonnt. Dabei sind die Parallelen zum ersten Rocky-Film teilweise recht deutlich. Doch Coogler schafft hier das, was seine Kollegen in Terminator: Genysys oder auch Jurassic World vergeigt haben: er bedient sich der etablierten Elemente, nutzt diese jedoch als Grundlage für eigene Ideen und kopiert nicht plump, nur um Fanservice zu betreiben. 
Die Underdog-Story, die Love-Story, das Lehrer-Schüler-Verhältnis - alles spätestens seit dem ersten Rocky Standards in Boxer-Filmen - werden gekonnt in die heutige Zeit übertragen. So verhält es sich dann auch mit den Kämpfen. In den alten Teilen waren die Fights immer stark übertrieben, blutige Prügeleien, kein Boxen - mit dem Höhepunkt im Kampf zwischen Stallone und Drago in Rocky IV
In Creed wird nun ordentlich an der Realismus-Schraube gedreht. Auch wenn die Kämpfe bei weitem nicht realistisch sind, so sind sie doch um einiges glaubwürdiger als in den alten Filmen. Leider gefielen mir die Kämpfe dort trotzdem irgendwie besser, denn hier wird ein bisschen zu viel geschnitten, man zeigt viele Nahaufnahmen der Boxer, wodurch ein wenig der Überblick des Kampfes verloren geht. Aber trotzdem bleiben die Kämpfe sehr dynamisch, spannend und wuchtig.

Die Geschichte abseits von Training und Boxen ist, wie das meiste, altbekannt. Doch Stallone als Ex-Champion, Legende und nun Trainer bekommt eine starke Backstory, die die Geschichte aus Teil 6 klasse fortschreibt und ihn in Würde altern lässt. Er spielt eine tragische Figur, wie Rocky es eigentlich immer war, wodurch die Fortführung grandios gelingt. Im Gegensatz zur Geschichte um Adonis, die mit einigen Klischees aufwartet, ist Rockys Storystrang erfrischender, aber auch bitterer und dramatischer - und Stallone bringt tatsächlich die Leistung seines Lebens. Im Vorfeld war ich ein wenig skeptisch, ob das viele Lob in dieser Weise berechtigt ist - aber ich muss sagen: Ja! Im Laufe des Films steigert sich Stallone immer mehr und konnte mich sogar zweimal zu Tränen rühren. Wirklich eine wunderbare Vorstellung. Neben Stallone bringt jedoch auch Hauptdarsteller Michael B. Jordan eine klasse Leistung, man nimmt ihm seine Figur durchgängig ab und er bringt auf jeden Fall das nötige Charisma mit, um die Reihe in Zukunft zu tragen. Die Staffelstabübergabe wurde hier gut begonnen und wird wahrscheinlich in den nächsten zwei bis drei Jahren abgeschlossen. 
Und neben den im Fokus stehenden Darstellern, sind auch die Nebenrollen wirklich gut besetzt. Selbst Adonis Gegner sind klasse gecastet und spielen vollkommen in Ordnung- und das, obwohl sie echte Boxer und keine Schauspieler sind. Auch die Rollen, die sie verkörpern, sind keine Abziehbilder von Ivan Drago oder Clubber Lang, sondern werden als Sportler dargestellt, die zwar nicht sympathisch, aber auch keine durch und durch bösen Menschen sind. Damit befreit sich Creed von einigen Klischee-Fallen der Vorgänger.

Was mir an dem Film nicht ganz so gut gefallen hat, sind, neben den, bereits erwähnten, Klischees und den Boxkämpfen, die nicht ganz ideal waren, die Trainingsmontagen. Diese waren für mich, neben den Kämpfen, immer die Hauptattraktionen der Filme und auch dieses Element versucht man, ihn Anlehnung an seine Vorbilder, zu modernisieren. Doch leider schafft Coogler es nicht, furiose Trainingsszenen mit eingängiger Musik zu verbinden, sodass es den Zuschauer mitreißt. Es gibt zwar nette Szenen des trainierenden Adonis und es gibt teilweise gute Musik, doch eine überzeugende, Gänsehaut-bringende Montage bietet Creed im Endeffekt leider nicht.

Doch alles in allem kann man mit Fug und Recht sagen, dass wir hier den besten Boxer-Film seit The Fighter (2010) gesehen haben. Die bekannte Story wurde sehr gut in die heutige Zeit übertragen, es gibt viele nette - und nicht übertriebene oder plumpe - Anspielungen auf die früheren Teile und in Michael B. Jordan und Sylvester Stallone sehen wir zwei starke Hauptdarsteller, wobei Stallone seinem jungen Kollegen sogar oftmals die Show stiehlt. Und in der letzten halben Stunde des, mit 130 Minuten sehr langen, aber nie langweiligen, Films, kommt dann das klassische Rocky-Feeling auf, was mich schließlich mit einem sehr guten Gefühl aus dem Kinosaal gehen ließ. 
7,5 Punkte für Creed - würdige Fortsetzung, guter Boxer-Film und der, größtenteils gelungene, Beginn einer endgültigen Staffelstabübergabe.



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