Mittwoch, 20. Januar 2016

Legend


Was ist besser als ein Tom Hardy? Zwei Tom Hardys! - So wird für den neuesten Film mit Tom Hardy in der Hauptrolle, Legend, geworben, in welchem er die beiden Gangster-Zwillinge Reggie und Ronnie Kray verkörpert. Aber sind zwei Tom Hardys tatsächlich besser als einer?

In den 50er und 60er Jahren stiegen die Kray-Brüder durch ihre Skrupellosigkeit in der Londoner Unterwelt schnell auf - und erarbeiteten sich so den Ruf als zwei der berüchtigtsten Kriminellen in der Geschichte Großbritanniens. Regisseur und Drehbuchautor Brian Helgeland nimmt sich dabei dem Buch The Profession of Violence: The Rise and Fall of the Kray Twins von John Pearson an und portraitiert die beiden ungleichen Zwillinge in ihrer Hochzeit in den 60er Jahren, als sie bereits zwei der größten Verbrecher Londons waren.

Zurück zur Frage, ob zwei Tom Hardys nun besser sind als einer. In diesem Fall ist die Antwort klar: Ja, sind sie. Hardy spielt die beiden Brüder so verschieden, was Aussehen, Mimik, Stimme und Sprache angeht, dass man zwischenzeitlich vergisst, dass sie von ein und demselben Darsteller verkörpert werden. Er verkörpert den smarten, stilsicheren und trotzdem skrupellosen Reggie ebenso glaubhaft, wie den psychisch labilen, cholerischen und verschrobenen Ronnie - Tom Hardy ist wirklich über jeden Zweifel erhaben. Auch die Technik funktioniert perfekt, Reggie und Ronnie reden, streiten, prügeln sich sogar - und immer wirkt die Illusion der zwei verschiedenen Darsteller. Neben Hardy können auch sämtliche Nebendarsteller überzeugen, unter anderem Emily Browning als Reggies Frau Frances oder David Thewlis und Taron Edgerton als Handlanger der beiden Zwillinge.

Desweiteren hat Legend einen netten Look zu bieten, der die 60er Jahre schön einfängt. Die Ausstattung, Kulissen und Kostüme sind klasse, auch die Musikuntermalung ist passend. Doch leider war es das dann auch an positiven Punkten. So gut Hardy auch spielt, die Leinwand beherrscht und für sich einnimmt, der Film kann abseits dessen leider nicht begeistern. Die Story bleibt durchgehend an der Oberfläche und Brian Helgeland macht keine Anstalten, diese zu durchstoßen und für etwas Tiefgang zu sorgen. 
Alles konzentriert sich hier auf das krude Verhalten der beiden Hauptpersonen - was dank Hardy zunächst nicht schlecht ist - doch wird weder geschildert, wie die Brüder dahin kamen, wo sie zu Beginn des Films sind, noch wird die schwierige Beziehung der Zwillinge untereinander zur Genüge ausgearbeitet und auch die interessante, tragische Figur des psychisch kranken Ronnie wird lediglich sehr einseitig und flach dargestellt. Vor allem hier und beim Verhältnis der beiden Brüder wird einiges an möglicher Substanz verschenkt, Ronnies Ausbrüche dienen fast ausschließlich als humoristische Elemente und auch seine gestörte Persönlichkeit wird nur plakativ zur Schau gestellt, statt auf die Ursachen einzugehen. 
Ebenso stiefmütterlich werden die Schattenseiten behandelt, die das Gangsterleben mit sich bringt - insgesamt fehlt eigentlich alles, was große Gangsterfilme wie Der Pate oder Goodfellas zu dem machen, was sie sind: epische Werke mit einer großen dramatischen und emotionalen Fallhöhe. Dort werden Figuren gezeigt, deren Aufstieg man beiwohnt, mit denen man durch Höhen und Tiefen geht. In Legend schaut man 130 Minuten den - ohne Frage sehr amüsanten - Kray-Brüdern zu, wie sie prügeln, morden, Sprüche klopfen. Dabei entsteht keinerlei Dramatik - man fiebert nicht mit, man ist lediglich amüsiert. Natürlich gibt es schlechteres, doch ein Gangsterfilm muss sich zwangsweise mit seinen Genrekollegen messen - und da fällt Legend leider deutlich ab.

Insgesamt bleibt so ein schicker, amüsanter Gangsterfilm mit einem grandiosen Tom Hardy in beiden Hauptrollen, der allerdings keine Dramatik, keine Tiefe entwickeln kann und so ziemlich kalt lässt. Für einen lockeren Filmabend vollkommen in Ordnung, allein um Tom Hardy brillieren zu sehen - doch sollte man seine Erwartungen ein gutes Stück runterfahren, denn der Film dürfte sich schnell wieder aus dem Gedächtnis verabschieden und hat keine Chance zu einem Klassiker zu werden, womit er es leider den meisten Gangster- und Mafiafilmen der letzten Jahre, wie z.B. Gangster Squad oder Black Mass, nachmacht. 
6 von 10 Punkten für Legend.



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