Freitag, 12. Februar 2016

Deadpool

Die neueste Comic-Verfilmung und der erste Langfilm von Regisseur Tim Miller, Deadpool, startete am 11. Februar in den Kinos und bescherte mir gestern zwei sehr spaßige Stunden - und das trotz, oder viel mehr weil ich von Marvel's Superhelden-Filmen eigentlich nur noch gelangweilt bin.


(© 20th Century Fox)

Deadpool ist im Vergleich zu diesen wirklich erfrischend anders, von vorne bis hinten. Die Geschichte verzichtet auf den sonst Marvel-typischen (erzwungen)-epischen Überbau und bleibt auf dem Boden, was dem Film wirklich gut tut.
Zur Story um den sprücheklopfenden, Bösewichte-schlachtenden, unsterblichen und Pizza-Gesichtigen Nicht-Helden möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht viel sagen, außer, dass wir selbstverständlich eine Origin-Story zu sehen bekommen, die sogar einen großen Teil der Laufzeit einnimmt, aber gleichzeitig auch sehr gut in die Handlung eingeflochten ist.
Der Cast ist, abgesehen von Hauptdarsteller Ryan Reynolds und Gegenspieler Ed Skrein, recht unbekannt, liefert aber durchgehend gute Leistungen ab. Natürlich bildet Reynolds als Deadpool den Mittelpunkt und stiehlt seinen Schauspiel-Kollegen regelmäßig die Show, was aber auch völlig okay ist, es ist schließlich sein Film, wie er uns zu Beginn des Films selbst erzählt. Er haut einen Gag nach dem anderen raus, tötet spektakulär und ist einfach cool - warum habe ich eigentlich noch nie einen Deadpool-Comic in die Hand genommen?

Im Vorfeld des Films gab es große Diskussionen um die Altersfreigabe, die hierzulande auf 16 Jahre festgesetzt wurde. Was die Gewaltdarstellung angeht, so bekommt man deshalb deutlich mehr Blut zu sehen, als in allen anderen Marvel-Superhelden-Streifen zusammen, dennoch sollte man kein Acion- und Gewalt-Feuerwerk erwarten. Deadpool verfügt über einige Actionsequenzen, die alle gut gemacht sind und auf jeden Fall Spaß machen - das Beste am Film ist jedoch glasklar sein Humor.
Der sitzt zwar nicht in jeder Szene, allerdings doch erfreulich oft und das ist bei einem Film mit einer solch enormen Gag-Rate schon stark, womit er nahezu jede Comedy der letzten Jahre übertrifft. Besonders in den Momenten, wo die vierte Wand durchbrochen oder auf die aktuelle Popkultur angespielt wird, ist Deadpool wirklich großartig. Diese Witze zünden nahezu alle - im Gegensatz zu einigen Penis-, Furz-. und Fäkalwitzen, die nicht mein Fall waren.

Neben seinem Meta-Humor liegt die größte Stärke des Films in seiner Behandlung des filmischen Superhelden-Kosmos. Immer wieder gibt es Seitenhiebe auf die anderen Franchises aus dem selben Universum. Besonders in der Figur des X-Man Colossus bündeln sich diese Anspielungen: er stellt quasi den typisch glatt gebügelten und hochmoralischen Durchschnitts-Superhelden dar und damit eigentlich genau das, was die meisten Comic-Verfilmungen zur Zeit so eintönig und auswechselbar macht. Vor allem in der direkten Gegenüberstellung mit dem Anti-Helden Deadpool kommt dies sehr deutlich zur Geltung und wird bewusst immer wieder betont.
Ein weiterer Punkt. der hier noch hervorgehoben werden soll und einen großen Teil zur Stimmung und zur Komik des Films beiträgt, ist der Soundtrack. Hierzu war wieder mal Junkie XL am Werk, der zuletzt bei Mad Max: Fury Road grandiose Arbeit ablieferte. Seine Tracks werden unterfüttert mit Popsongs der letzten 40 Jahre, von Ballade bis Rap - jeder einzelne untermalt die jeweiligen Bilder perfekt und trägt eine Menge zur Atmosphäre des Films bei.

Insgesamt hatte ich in Deadpool eine Menge Spaß. Der Film nimmt sich zu keiner Sekunde ernst, liefert einen Gag nach dem anderen, wartet mit gut gemachter und blutiger Action auf, verzichtet auf die Marvel-typische Epik und ist das Musterbeispiel für einen kleinen, dreckigen Anti-Superhelden-Film. Ryan Reynolds in der Hauptrolle kann dabei in allen Belangen glänzen und ist die perfekte Besetzung, gerade wenn man seine Vergangenheit (Stichwort: Green Lantern und X-Men Origins: Wolverine) bedenkt.
Seine stärksten Momente hat Deadpool dabei, wenn er die aktuelle Popkultur auf den Arm nimmt oder in Konfrontation mit seinen Studio- und Genrekollegen tritt und damit genau die richtige Antwort auf den aktuellen, erstaunlicherweise noch immer vorhandenen, Superhelden-Hype gibt.
Hoffentlich nimmt Disney sich diese Botschaft Deadpools zu Herzen und präsentiert in Zukunft mehr bissige und blutige Comic-Verfilmungen - was aber aus finanziellen Gründen mit Sicherheit nicht passieren wird, auch wenn die Fortsetzung Deadpool bereits beschlossene Sache ist. 
7,5 von 10 Punkten.                 


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