Freitag, 19. Februar 2016

Hail, Caesar!

(© Universal Pictures)
Ich bin ein großer Fan der Coen-Brüder. The Big Lebowski, No Country for Old Men oder auch Barton Fink gehören zu meinen Lieblingsfilmen - und als der erste Trailer zum neuen Film der Beiden, Hail, Caesar! erschien, war ich hellauf begeistert. Leider waren die ersten Kritiken alles andere als überschwänglich - doch meine Vorfreude hab' ich mir nicht nehmen lassen. Nun habe ich ihn endlich sehen können und bin auf der einen Seite begeistert, auf der anderen Seite ernüchtert.

Die Geschichte des Films spielt im Hollywood der 50er Jahre und dreht sich um den "Fixer" der Capitol Studios, Eddie Mannix (Josh Brolin). Dieser ist immer zur Stelle, wenn sich Probleme ergeben, löst diese und hält die Presse fern. Sein Arbeitgeber ist zur Zeit der Filmhandlung mit mehreren Großprojekten beschäftigt und auch die Stars des Studios bereiten Ärger - DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) sieht sich mit einer außerehelichen Schwangerschaft konfrontiert, Western-Star Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) hat Probleme mit einem Imagewechsel - und der größte Star des Studios, Baird Whitlock (George Clooney), wird während der Dreharbeiten zum großen Historienepos 'Hail, Caesar!' entführt - keine leichte Zeit für Mannix.

Meine Erwartungen waren im Vorfeld recht groß, auch wenn die Kritiken nicht das beste erwarten ließen. Aber Coen's plus 'good old Hollywood' hörte sich haargenau nach einem Film, den ich mögen würde, an - und 'Hail, Caesar!' macht auch relativ viel richtig. Er ist eine wunderbare Hommage an das Hollywood der 50er Jahre, greift viele Elemente der damaligen Zeit auf und setzt diese liebevoll und mit viel Witz in Szene. Dies funktioniert vor allem dann erstklassig, wenn der starke Cast das alte Hollywood wieder aufleben lässt, Clooney als Kirk Douglas-Verschnitt die große emotionale Schlussrede vergeigt, Scarlett Johansson in Anlehnung an Esther Williams den überheblichen Star einer Wasser-Revue gibt oder Channing Tatum sich als tanzender und singender Matrose durch die Kulissen einer Musical-Nummer schwingt. 
Wie bei eigentlich allen Coen-Filmen ist die Besetzung bis in die Nebenrollen großartig. So erhalten auch Jonah Hill, Christopher Lambert, Ralph Fiennes und Tilda Swinton ihre Szenen - und liefern, wie der restliche Cast, tolle Arbeit ab. Ebenso klasse wie die Besetzung, sind Kostüme und Bühnenbilder. Die Welt des Hollywood der 50er Jahre wird grandios eingefangen und zum Leben erweckt. Wirklich genial wird es allerdings erst dann, wenn der Schauplatz des Films sich am Set eines der fiktiven Filme befindet - die gemalte Prärie, vor der Hobie Doyle seine Gitarre spielt, die Kulissen des alten Roms in 'Hail, Caesar! oder die Hafenkneipe, in der Channing Tatum seine Musical-Nummer zum besten gibt - alles wirkt so echt, bunt und lebendig.

Leider muss ich nun zum negativen Teil kommen, denn komplett überzeugen konnte der Film mich nicht. Und zwar liegt das zu großen Stücken daran, dass sich das Drehbuch zu Hail,Caesar! lange nicht in den Sphären eines The Big Lebowski oder Barton Fink bewegt. 
Der Film ist durch und durch Coen-typisch, schrullige Charaktere, skurrile Dialoge - doch treffen leider nur rund 50% der Szenen ins Schwarze. Die, die es tun sind toll, stellen eine großartige Hommage an Hollywood und den Film an sich dar, sind wirklich komisch und unterhaltsam - doch leider fallen dadurch die Szenen, die eben nicht zünden, umso mehr auf. Diese reißen leider immer wieder aus dem Seherlebnis heraus und passen nicht ins Gesamtbild. Das liegt zum Teil an überflüssigen Story-Entscheidungen, teilweise sind aber auch die Gags unausgegoren oder die Dialoge uninteressant - insgesamt schwankt die Qualität leider zu sehr, von mittelmäßig bis großartig.

Schlussendlich waren meine Erwartungen wohl etwas zu hoch gesteckt, wofür der starke Trailer allerdings auch selbst sorgte - leider waren einige der besten Szenen darin dann auch schon zu sehen. Aber ich habe, ohne Frage, einen guten Film gesehen - das Thema ist super, es ist toll umgesetzt und der Cast ist grandios. Leider wirkt das Drehbuch nicht zu 100% ausgereift, sonst hätte hier wirklich einer meiner neuen Lieblingsfilme entstehen können. 
So bleibt Hail, Caesar! ein guter und unterhaltsamer Film, der sein Potential leider nicht ganz ausschöpft und deswegen gleichzeitig auch ein wenig ernüchtert - trotz allem gibt es eine Sehempfehlung von mir, denn ich mecker hier mal wieder auf ziemlich hohem Niveau.
7 von 10 Punkten für Hail, Caesar!



1 Kommentar:

  1. Ich war auch enttäuscht. Von einem Eröffnungsfilm eines renomierten Filmfestivals wie der Berlinale erwarte ich schon mehr. Leider ist der Film nur eine Starrevue. Andauernd tauchen interessante Figuren wie der genervte Regisseur (Ralph Fiennes ist die Idealbesetzung!) oder die Klatschreporter-Zwillinge (Tilda Swinton, muss ich mehr sagen?!) auf, die dann aber wieder verschwinden. Ich hätte gerne mehr von einigen Figuren erfahren und gesehen. Der Film kratzt nur an der Oberfläche und kommt nicht auf den Punkt.

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