Samstag, 20. Februar 2016

Midnight Special

(© Warner Bros. Pictures)
Von Midnight Special wusste ich Vorfeld nur, dass es sich um den neuen Film von Jeff Nichols, Regisseur von Mud und Take Shelter, handelt. Da ich beide Filme gern mochte, letzteren sogar ziemlich grandios fand, war ich sehr gespannt, was mich erwartete.

Und der Film sollte mir zunächst nicht direkt vor Augen halten, was er für mich bereithält.
Nichols wirft den Zuschauer ohne Informationen ins kalte Wasser: Roy (Michael Shannon), Lucas (Joel Edgerton) und der achtjährige (Jaeden Lieberher) sind auf der Flucht - warum oder wovor, bleibt ein Rätsel. Nach und nach wirft der Film dem Zuseher dann kleine Brotkrumen zu, die den Weg zur Aufschlüsselung des Films ebnen, diesen aber gleichzeitig weiterhin im Dunklen halten, bis man schließlich das Ende und die Auflösung vor Augen hat. Diese Erzählweise unterstützt die tolle Atmosphäre des Films, die sofort mit Einblendung des Filmtitels in sich einlullt. Musik, Bilder und Ungewissheit faszinieren und fesseln schnell, man erwartet mit Spannung, mit was der Film als nächstes aufwartet.

Leider kann Midnight Special, der sich als eine Allegorie auf die Beziehung zwischen einem Vater und seinem (sterbenden?) Sohn, im Gewand eines kleinen, bodenständigen Sci-Fi-Dramas, entpuppt, diese dichte Atmosphäre und Anspannung nicht bewahren und verliert in seiner zweiten Hälfte stark an Griffigkeit. Man ist nicht mehr so involviert in den Film und die Atmosphäre lichtet sich. Trotzdem sehen wir weiterhin starke Darstellerleistungen des Casts, mittlerweile ergänzt durch Kirsten Dunst und Adam Driver, schöne Bilder, eine gute Sounduntermalung - nur irgendwie hatte der Film mich nach und nach verloren und konnte mich bis zum Ende hin nicht mehr in seinen Bann ziehen.

Insgesamt bleibt Midnight Special ein tiefgründiges Drama um die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn, das sehr intelligent in eine Sci-Fi-Rahmenhandlung eingebunden ist und durch seine Machart und Erzählweise eine starke Atmosphäre entfalten kann. Leider drängte sich mir immer wieder der Vergleich zum starken Take Shelter auf, der atmosphärisch ähnlich, aber konsequenter war und vor allem emotional ganz andere Höhen erreichte. Das macht Midnight Special bei weitem nicht zu einem schlechten Film, er hat mir recht gut gefallen - doch leider erlaubt er sich im Laufe der Filmhandlung zu viel Leerlauf und lässt den Zuschauer deshalb vorschnell von der Leine, wodurch die eigentlichen emotionalen Höhepunkte nicht mehr die Wirkung entfalten können, die der faszinierende Beginn versprach.

Insgesamt kann ich leider nicht mehr als 6,5 von 10 Punkten geben. So viel ich an diesem Film auch mochte - zur Gänze überzeugen, konnte er mich nicht.



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