Sonntag, 6. März 2016

Im Herzen der See

(© Warner Bros. Pictures)
Im Herzen der See (In the Heart of the Sea, U.S.A. 2015, 121 Minuten).

Regie: Ron Howard.

Besetzung: Chris Hemsworth (Owen Chase), Benjamin Walker (Kapitän Pollard), Cillian Murphy (Matthew Joy), Tom Holland (Thomas Nickerson, jung), Brendan Gleeson (Thomas Nickerson, alt), Ben Wishaw (Herman Melville).

Handlung: Im Herzen der See ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Nathaniel Philbrick aus dem Jahr 2000, welches die Geschichte des Walfängers "Essex" behandelt, der im Jahr 1820 im Pazifischen Ozean von einem Wal attackiert wurde. Herman Melville nutzte diese Geschichte 30 Jahre später als Grundlage für Moby DickHerman Melville und sein Werk dienen dann auch als Rahmen des Films. 
Im Jahr 1850 sucht dieser den letzten Überlebenden der Essex, Thomas Nickerson, auf und hofft auf einen Denkanstoß für sein neuestes Buch. Natürlich wird er nicht enttäuscht und hört sobald die Geschichte um die Essex, ihren ersten Maat Owen Chase und den unerfahrenen Kapitän Pollard. Trotz Warnungen begeben diese sich auf ihrer Walfangfahrt in weit entfernte Gefilde, wo das Schiff von einem sehr hartnäckigen Wal attackiert und schließlich versenkt wird.

Positiv/Negativ: Ich habe mich wirklich sehr auf Im Herzen der See gefreut. Der Trailer, der bereits Ende 2014 veröffentlicht wurde, hatte mich sehr heiß gemacht und ich war ziemlich gehyped. Dieser Hype ließ allerdings mehr und mehr nach, je länger die Veröffentlichung auf sich warten, was schließlich dazu führte, dass es mich Ende 2015 nicht mal ins Kino zog. Dennoch wollte ich den Film so schnell wie möglich nachholen, denn die Weite des Meeres, Segelschiffe und Katastrophen kriegen mich eigentlich immer, egal wie viele Moby Dick-Verfilmungen ich mittlerweile schon gesehen habe. Und auch dieses Mal hat es wieder funktioniert, wenn auch auf ganz andere Art und Weise, als ich erwartet hatte.
Im Vorfeld dachte ich, die starken Szenen des Films lägen in seiner Darstellung der Geschehnisse auf der Essex und dem Kampf mit dem Wal. Doch dazu muss ich leider sagen, dass die erste Hälfte des Films, bis es schließlich zur Katastrophe kommt, kaum überzeugen kann. Das liegt zu großen Teilen an der Inszenierung der Ereignisse – ob Flaute, Sturm oder "Walfang-Action", nichts davon ist irgendwie spannend oder überraschend, alles hat man so oder so ähnlich schon gesehen. Und das besser. 
Dazu kommt ein furchtbar künstlicher Look, vor allem in den Actionszenen. Dieser hatte sich auch vorher schon angedeutet – von Beginn an hat man immer wieder den Eindruck, dass jemand ein wenig zu viel mit Filtern und Weichzeichnern gespielt hat – doch in erst auf dem Schiff entfaltet er seine volle Wirkung. Hier wirkt leider nichts realistisch. Und traurigerweise ist dies auch bei der Darstellung des großen Nemesis der Hauptfiguren, dem gigantischen weißen Wal, der Fall.
Stärker wird Im Herzen der See dann, wenn die Essex gesunken ist und der Film ruhigere Töne anschlägt. Hier kann endlich die großartige Besetzung glänzen – sogar Chris Hemsworth, der mir bis zu diesem Punkt als Fehlbesetzung erschien, kann teilweise wirklich überzeugen. Cillian Murphy, Benjamin Walker und der junge Tom Holland (Der angehende Marvel-Spider-Man) bieten sehr gute Leistungen und die Geschichte kann tatsächlich Spannung aufbauen und erreicht eine gewisse emotionale Tiefe. Und auch der Look ist in der zweiten Hälfte deutlich schöner, die Plastik-Optik der ersten Stunde kommt nur noch selten ans Tageslicht.
Zum Ende hin hat der Film mir dann tatsächlich recht gut gefallen, auch wenn die Rahmenhandlung um Melville und den gealterten Thomas Nickerson, zu der ab und an gewechselt wird, auf mich immer ein wenig störend wirkte – obwohl auch Brendan Gleeson und Ben Wishaw wirklich zu überzeugen wissen und "Caytlin Stark" Michelle Fairley einen kleinen Auftritt als Nickersons Frau hat.

Fazit: Insgesamt war ich große Teile des Films ziemlich ernüchtert, vor allem in den Szenen, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Doch seine starken Szenen hat Im Herzen der See woanders. So hebt er sich, auch wenn er größtenteils auf ausgetretenen Pfaden wandelt, doch ein wenig von den vielen Verfilmungen von Moby Dick oder aber auch Der Seewolf ab und weiß teilweise sehr zu gefallen.
Trotzdem habe ich mir deutlich mehr erhofft, vor allem wenn sich ein Regisseur wie Ron Howard einem solchen Thema annimmt. Diese Art von Film bekommen wir leider nicht oft zu sehen und dieser wird wohl kaum dazu beitragen, dass sich dies ändert – und das ärgert mich am meisten. 

Wertung: Von mir gibt es für Im Herzen der See eine eingeschränkte Empfehlung. Fans des Genres werden teilweise sehr gut unterhalten, alle Anderen schauen lieber Moby Dick (1956) mit Gregory Peck. Insgesamt sehr durchschnittliche 6,0 von 10 Punkten.




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