Samstag, 12. März 2016

The Green Inferno

 Open Road Films)
The Green Inferno (U.S.A. 2013, 100 Minuten).

Regie: Eli Roth.

Besetzung: Lorenza Izzo (Justine), Ariel Levy (Alejandro), Daryl Sabara (Lars), Kirby Bliss Blanton (Amy), Sky Ferreira (Kaycee), Magda Apanowicz (Samantha).

Handlung: Die Studentin und Tochter eines hohen UN-Tieres Justine lässt sich vom Umweltaktivisten Alejandro und seiner Anhängerschaft so leicht dazu überreden, sie auf einen gefährlichen Trip in den Regenwald des Amazonasgebietes zu begleiten, um dort gegen die Abholzung des Waldes und die Ermordung von Ureinwohnern vorzugehen, wie es vielleicht bei einer Einladung auf einen Kaffee bei McDonalds glaubhaft gewesen wäre.
Im Gebiet angekommen machen die Aktivisten – und vor allem auch Justine – die unangenehme Bekanntschaft mit der Miliz des Konzerns, die für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich ist. Durch die totale Unfähigkeit sämtlicher Charaktere gelingt es den Amerikanern jedoch zunächst, ihre Mission zu erfüllen. Voller Freude machen sie sich auf den Heimweg – und stürzen mit ihrem Flugzeug selbstverständlich mitten im dichten Urwald ab. Doch das soll nicht das kleinste Problem der wenigen Überlebenden um Justine und Alejandro bleiben, denn ein Stamm von eingeborenen Kannibalen lässt nicht lange auf sich warten.

Fisch oder Fleisch? Hostel-Regisseur Eli Roth ließ sich zu The Green Inferno vom italienischen Kannibalenfilm der späten 70er und frühen 80er Jahre inspirieren. Die Parallelen dazu sind zwar erkennbar, allerdings ist die Wirkung von Roths Film eine gänzlich andere. Angefangen bei den Protagonisten, die allesamt unsympathisch, nervig und furchtbar dumm sind. Ein blöder Spruch folgt auf den nächsten, eine hanebüchene Idee auf die andere. Von Beginn ist es damit unmöglich, die Geschichte ernst zu nehmen oder in irgendeiner Weise mit den Charakteren mitzufiebern. Weiter geht's mit extrem unpassenden, humoristischen Elementen, die Roth in seinen Film einbaut. Ich sage nur ein Wort, um das Niveau dieser Szenen zu beschreiben: Durchfall. – Zu großen Teilen wirkt The Green Inferno dadurch wie eine sehr schlechte Parodie auf das Kannibalenfilm-Genre. 
Der dritte Punkt, weshalb hier nicht im Ansatz eine packende, angsteinflößende Stimmung erzeugt werden kann, ist der perfekte Hochglanzlook des Films. Das Dreckige und Billige, was stark zum morbiden Charme der alten Kannibalenfilme beitrug, wird hier ins Gegenteil gekehrt. Wir sehen hochaufgelöste Bilder des Regenwaldes, der Eingeborenen und der Gewalt – womit jedoch gleichzeitig auch eine der großen Stärken des Filmes zum Tragen kommt. Zum einen ist das Setting nämlich wunderschön und wirklich toll anzusehen, zum anderen sind auch Gewaltdarstellung und Effekte von hoher Qualität. Die Szenen, in denen getötet, gequält oder gefressen wird sehen wirklich ekelerregend und realistisch aus und entfalten ihre Wirkung. Leider nehmen diese Szenen im Vergleich zu Konversationen der dummen Protagonisten untereinander viel zu wenig Platz ein. Der Wunsch, dass diese endlich möglichst brutal über den Jordan geschickt werden, war bereits nach wenigen Minuten und dann für den Rest des Films präsent in meinem Kopf. Einen gewichtigen Beitag lieferten dazu auch die Darsteller, denen man ihre Leiden nie abnimmt, so manche Trennungsszene in Berlin Tag & Nacht wirkt da tragischer und glaubhafter. 

Fazit: The Green Inferno kann sich nicht entscheiden, was er sein will – ernster Kannibalenfilm oder doch Parodie. Auf der einen Seite sehen wir durchaus gelungene Gewaltszenen, die meistens zu begeistern wissen. Auf der anderen Seite werden dem Zuschauer jedoch die nervtötendsten und dümmsten Charaktere der jüngeren Filmgeschichte zugemutet, die sich durch eine hanebüchene Story schreien und stöhnen, welche noch mit völlig unpassenden Gags "aufgelockert" wird.
Hört sich alles ziemlich vernichtend an – soll es auch sein. Doch jetzt kommt das große ABER: Gerade wegen der vollkommenen Dummheit dieses Films, seiner Plotholes, seiner unfassbaren Wendungen und den völlig vergeigten Gags hatte ich sehr viel Spaß mit The Green Inferno. Eine ganze LKW-Ladung unfreiwilliger Humor, dazu der freiwillige Humor, der erst durch seine Deplatziertheit seine Aufgabe erfüllt und die dann doch sehr gelungene Darstellung des Regenwaldes, des Stammes und vor allem der Gewalt, lassen den Film zu einem kurzweiligen Vergnügen werden, von dem man jedoch nicht die falschen Erwartungen haben sollte.

Wertung: Im Grunde ist The Green Inferno ein ziemlich mieser Film, der nur durch seine Effekte und Visualität punkten kann – doch wenn ich den Spaß, den ich beim Schauen hatte, mit einberechne, gebe ich gerne 5,0 von 10 Punkten. 
Für einen unterhaltsamen, feuchtfröhlichen Abend ist Eli Roths Machwerk allemal zu empfehlen!



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