Sonntag, 10. Juli 2016

Meine Top 5: Fußball-Filme

Seit ich mich erinnern kann, brennt mein Herz für den größten Sport der Welt: König Fußball. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist die an die EM '96, Kicker-Sonderheft und Panini-Sammelalbum waren meine Bibel und viele Jahre habe ich auch selbst die Fußballschuhe geschnürt (selbstverständlich nur auf sehr bescheidenem Niveau). So war es nur logisch, dass ich auch in filmischer Hinsicht alles, was auch nur entfernt mit meiner Lieblingssportart zu tun hatte, aufsog wie ein Schwamm. 

Zur diesjährigen Europameisterschaft überkam mich mal wieder die Lust, ein paar meiner liebsten Fußball-Filme erneut anzuschauen. Und im Vorfeld des großen Finales – das leider ohne die deutsche Mannschaft stattfindet – präsentiere ich euch an dieser Stelle einmal meine fünf Favoriten. Vielleicht ist jemand, trotz der gewaltigen Dosis Fußball in den vergangenen Wochen, noch nicht endgültig gesättigt und findet hier ein klein wenig Inspiration für weitere Fußball-lastige Abende.


(© Buena Vista Pictures)
5. Goal! (2005)
Den Anfang macht ein ein Film, der eines meiner Guilty Pleasures darstellt. In Goal! von Regisseur Danny Cannon wird der Aufstieg des mexikanischen Stürmertalents Santiago Muñez (Kuno Becker) verfolgt. Auf dem Platz eines kleinen Vereins aus Los Angeles von Talentscout Glen Foy (Stephen Dillane) entdeckt, wagt er den Schritt nach Europa – und kann bei einem Probetraining die Verantwortlichen des englischen Erstligisten Newcastle United von seinen Fähigkeiten überzeugen. Von da an erlebt der Zuschauer die Irrungen und Wirrungen des amerikanischen Toptalents inmitten einer europäischen Topmannschaft und seinen obligatorischen Aufstieg zum gefeierten Star.

Wie oben erwähnt, sehe ich Goal! eher als eine Art Guilty Pleasure. Mein 15-jähriges, fußballverrücktes Ich feierte den Film damals stark ab und ertrug sogar noch die beiden schlimmen Fortsetzungen – doch mittlerweile sehe ich den Film etwas nüchterner. Die klischeebeladene Handlung ohne jede Überraschungen, die teilweise in soaphaften Kitsch abgleitet und die nicht immer überzeugenden Darsteller fallen stark ins Gewicht. Weshalb Goal! trotzdem seinen Platz in dieser Liste verdient hat? Weil durch die Originalschauplätze und die Cameo-Auftritte sehr vieler damaliger Topstars – wie David Beckham, Zinédine Zidane, Alan Shearer, Steven Gerrard oder Trainer Sven-Göran Eriksson – auch eine große Portion Realismus Einzug in den Film nimmt und vor allem die Spielszenen großartig präsentiert werden. Dadurch macht der Film trotz vieler offensichtlicher Schwächen Spaß – von Goal II und III sollte man allerdings die Finger lassen. 5 von 10 Punkten für den ersten Teil der Trilogie.


4. United (2011)
Der 6. Februar 1958 ging als einer der tragischsten Tage des englischen Fußballs in die Geschichte ein: auf dem Rückflug von einem Europapokalspiel bei Roter Stern Belgrad stürzt die Maschine mit der Mannschaft Manchester Uniteds über München ab. Acht Spieler aus der Mannschaft um Englands späteren Superstar Bobby Charlton verloren durch dieses Unglück ihr Leben.
Der britische Fernsehfilm von Regisseur James Strong zeigt dabei anhand der Figur Bobby Charltons (Jack O'Connell) die Zeit vor der Katastrophe, in der Charlton in die Profimannschaft, zu den "Busby Babes" – so der Name, den die junge Mannschaft von Trainer Matt Busby durch die Öffentlichkeit verliehen bekam – stößt und seine ersten Spiele bestreitet, den Absturz selbst, sowie die folgenden Nachwehen. 
Es gibt einige Gründe, weshalb United es auf Platz 4 meiner Liste geschafft hat. Er ist mit Jack O'Connell, David Tennant und Sam Claflin in den Hauptrollen prominent besetzt und alle liefern sehr gute Leistungen ab. Die Figuren sind sympathisch und interessant – wenn auch nicht frei von Klischees. Schnell schließt man die Protagonisten in der ersten Hälfte des Films in sein Herz, umso härter trifft dann auch der Flugzeugabsturz. Natürlich wird dabei nicht mit Pathos gegeizt, vor allem gegen Ende, doch ist Gänsehaut dadurch garantiert. 
Insgesamt ein wirklich charmant-tragischer Film, der nichts besonderes bietet, aber das Thema wirklich gut aufarbeitet und über seine 90 Minuten durchgängig höchstes Fernseh-Niveau bietet. Schade ist dabei nur das fast gänzliche Fehlen von Spielszenen, die für mich in einem Fußballfilm doch recht wichtig sind, was aber wahrscheinlich dem Budget geschuldet ist. Alles in allem auf jeden Fall einen Blick wert – 6 von 10 Punkten.


3. Hooligans (2005)
(© Universal Pictures)
Der Film der deutschen Regisseurin Lexi Alexander stellt – wie der Titel unschwer vermuten lässt – nicht den Fußball selbst, sondern die gewaltbereite Fanszene in den Mittelpunkt.
Der Amerikaner Matt Buckner (Elijah Wood) steht kurz vor dem Abschluss seines Journalismus-Studiums, als er unregelmäßig von der Bildungseinrichtung verwiesen wird. Er fliegt daraufhin zu seiner Schwester und ihrem Mann nach London, wo er den Schwager seiner Schwester, Pete (Charlie Hunnam), kennenlernt. Dieser ist Anführer der berühmt-berüchtigten Hooligan-Vereinigung Green Street Elite (GSE) aus dem Umfeld des englischen Erstligisten West Ham United. Der "Yankee" findet Gefallen am europäischen Sport und der fragwürdigen Leidenschaft seiner Anhänger, erarbeitet sich nach und nach Respekt in der GSE und wird in die blutige und seit langem existierende Fehde mit den Hooligans des FC Millwall hineingezogen.

Wie auch Goal! gehört Hooligans zu den Filmen, die ich zur Zeit ihrer Entstehung und damit in meinen Teenie-Jahren, für wahrlich großartig hielt. Während Ersterer in meiner Gunst doch stark gesunken ist, halte ich Hooligans noch immer für eine wirklich gute Milieustudie. Er ist dabei nicht sonderlich tiefgründig, sondern legt viel wert auf die blutigen Kämpfe, doch schafft er es trotzdem, die Hooligan-Szene glaubhaft zu porträtieren. Elijah Wood liefert dabei, nicht lange nach seiner großen Rolle als Frodo in Der Herr der Ringe, eine starke Performance ab und bringt die Gradwanderung zwischen kultiviertem Studenten und verrohtem Hooligan gekonnt auf die Leinwand. Auch abseits davon überzeugen sämtliche Darsteller und so inszenierte Lexi Alexander in ihrem ersten Langfilm ein packendes Action-Drama im Fußball-Dunstkreis 7 von 10 Punkten.


2. The Damned United – Der ewige Gegner (2009)
(© Columbia Pictures)
Bevor Tom Hooper 2010 mit The King's Speech den Besten Film der Oscarverleihung 2011 inszenierte, für den er auch die Auszeichnung als Bester Regisseur einheimste, drehte er 2009 The Damned United über die Rivalität des Fußballtrainers Brian Clough zu seinem Kollegen Don Revie. 
Der Film nimmt dabei das Jahr 1974 als Aufhänger, in welchem Don Revie (Colm Meaney) nach 13 Jahren seinen Rücktritt als Trainer von Leeds United verkündet, um Nationaltrainer Englands zu werden. Sein größter Konkurrent der Vorjahre, Brian Clough (Michael Sheen), übernimmt seinen Posten in Leeds. Ausgehend davon, wird die Rivalität zwischen beiden Trainern vom Jahr 1968 an erzählt, in dem Clough noch Co-Trainer bei Zweitligist Derby County ist, welchen er in den Folgejahren zum englischen Meister aufbaut und Revie gerade zum Trainer des Jahres in England gewählt wurde – beginnend mit einem Match im FA Cup, wo beide das erste Mal aufeinander treffen.

Im Nachklang des Films gab es laute Kritik an der negativen Darstellung Don Revies und seiner Mannschaft Leeds United – und tatsächlich werden diese, im Vergleich zum Gegenpol, nicht gerade in einem strahlenden Licht dargestellt. Doch auch Brian Clough ist nicht frei von Makeln: der Kernpunkt der Erzählung, die krankhafte Rivalität zu seinem Kollegen, zeigt einen Getriebenen, einen Mann, der von seinem Gegenüber besessen ist. Diese psychologische Studie einer faszinierenden Person fesselt durchgehend, wozu die nicht-chronologische Erzählweise noch einmal beiträgt. Weiterhin können auch die Szenen, in denen der Fußball im Vordergrund steht, vor allem der Aufstieg Derby Countys vom Zweitligisten zum Europapokal-Halbfinalisten durchweg überzeugen.
Besonders hervorgehoben sei noch die historische Authentizität, die den Film so glaubhaft wirken lässt und vor allem auch der grandiose Cast um Michael Sheen und Colm Meaney, der neben unbekannteren auch mit prominenteren Darstellern wie Timothy Spall und Jim Broadbent gespickt ist. Diese beiden Faktoren, im Zusammenspiel mit einem interessanten und fesselnden Drehbuch, lassen The Damned United zu einem kurzweiligen, unterhaltsamen und – für mich – besten Fußball-Spielfilm werden. 7,5 von 10 Punkten.


(© Mindjazz Pictures)
1. Tom meets Zizou  Kein Sommermärchen (2011)
Mit dieser Dokumentation über den deutschen Fußballer Thomas Broich schuf Aljoscha Pause die wohl intimste und faszinierendste Nahaufnahme des Lebens als Fußballprofi, die es derzeit zu sehen gibt. Von 2003 bis 2011 verfolgte der Regisseur den Profi Broich – vom steilen Aufstieg in die Bundesliga, über den langsamen Abstieg und schließlich in die sonnige Fußballliga Australiens. 

Thomas Broich ist als Protagonist dieser Langzeitdokumentation ein überaus sympathischer Ankerpunkt, der alles andere als auf den Kopf gefallen ist und immer unangepasst blieb. Ein Typ, der den Fußball bereicherte, aber mit seiner Art auch immer wieder aneckte. Deshalb entstand hier eine Geschichte, die so nicht besser hätte geschrieben werden können. Vom Aufstieg, den folgenden Problemen, kleinen und großen Dramen und einem schönen und emotionalen Finale. Neben dem Portrait eines faszinierenden Menschen, bietet Tom Meets Zizou viele tiefgehende Einblicke in die (scheinheilige) Welt des Profifußballs, beschäftigt auch über die Laufzeit von (keineswegs zu langen) 135 Minuten hinaus und lässt den Zuschauer mit einem guten Gefühl zurück. Die beste Fußball-Dokumentation, die ich bisher gesehen habe 9 von 10 Punkten.


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