Dienstag, 11. Oktober 2016

#Horrorctober: Der Wolfsmensch (1941)

(© Universal)
Auf meiner Horrorctober-Zeitreise habe ich die 1940er Jahre erreicht. Genauer gesagt: das Jahr 1941. Während der zweite Weltkrieg die Welt in kollektive Angst versetzte, versuchte Universalfilm mit seinen Horror-Produktionen die Menschen auf positive Art das Fürchten zu lehren und von den realen Schrecken abzulenken. Bereits zehn Jahre zuvor war der legendäre Dracula-Film mit Bela Lugosi in der Hauptrolle erschienen und auch Frankenstein mit Boris Karloff stammte aus dem Jahr 1931. Nun sollte eine neue Legende des Gruselfilms geboren werden und seine große Hollywoodkarriere starten: Der Wolfsmensch.

Handlung: Larry Talbot kehrt auf das walisische Schloss seines Vaters zurück. Zurück in der Heimat lernt er in einem Antiquitätengeschäft die schöne Gwen kennen, mit der er sich zu einem Abendspaziergang verabredet. Als er sie am Abend abholt, begleitet auch Gwens Freundin Jenny die beiden. Im Wald begegnen sie einigen Zigeunern, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben. Jenny lässt sich von einer alten Zigeunerfrau aus der Hand lesen – welche dort ein Pentagram entdeckt, erschrickt und sie wegschickt. Auf dem Heimweg wird Jenny schließlich von einem Wolf angefallen. Larry geht dazwischen, kann den Angreifer erschlagen, wird jedoch in die Brust gebissen. Am folgenden Morgen sind die Bissspuren auf sonderbare Weise verschwunden und statt eines toten Wolfes wird ein toter Zigeuner gefunden... womit das Unheil seinen Lauf nimmt.

Der Film von Regisseur George Waggner stellt die Geburt des Wolfsmenschen als kultige Horrorfigur dar, die noch in einer Vielzahl von Filmen zu sehen sein sollte – zuletzt im Remake Wolfman von 2010 mit Benicio Del Toro in der Hauptrolle. Neben der Figur des Wolfsmenschen feierte mit diesem Film auch Hauptdarsteller Lon Chaney Jr. seinen großen Durchbruch und wurde in den folgenden Jahren, vor allem durch seine Rollen in den Universal-Horrorfilmen, zum Star. Leider gehört der Film selbst nicht zu den Höhepunkten der frühen Gruselfilme. Das liegt hauptsächlich an der wenig spannenden und gruseligen Geschichte, die sich über zwei Drittel der nur 70-minütigen Laufzeit sehr schleppend entwickelt. Die Figuren des Larry Talbot und seines Schwarmes Gwen bieten nicht genug Tiefe, nicht genug Schattierungen, um interessant und unterhaltend genug zu sein und den Film damit zu tragen. Chaney füllt seine tragische Rolle zwar gut aus, kann ihr jedoch auch nicht mehr Facetten verleihen, als es die Vorlage hergibt. Einer der Höhepunkte der ersten Hälfte des Films bleibt damit die Rolle des Zigeuners Bela und seine Geschichte. Von Dracula-Star Bela Lugosi verkörpert, strahlt diese Figur eine besondere Aura aus. Daneben weiß hauptsächlich die Ausstattung des Films durchgehend zu überzeugen: Sei es die Maske des Wolfsmenschen oder die gut gewählten Locations altes Schloss, dunkler Wald und Friedhof, die zumindest ansatzweise eine düster-morbide Atmosphäre heraufbeschwören können.

Etwas spannender wird Der Wolfsmensch in seinem letzten Drittel, nachdem Larry zum Werwolf geworden ist – wobei diese Metamorphose sehr schlicht, aber für das Jahr 1941 überzeugend dargestellt wird. Die Tragik der Figur breitet sich ab diesem Punkt besser aus und zieht den Zuschauer ein Stück weiter in den Film hinein. Auch Lon Chaney Jr. weiß hier schauspielerisch zu überzeugen. Leider bleibt trotzdem alles recht vorhersehbar (zumindest aus heutiger Sichtweise) und größtenteils frei von Grusel – wenn man von einigen kurzen Momenten und dem großen Finale absieht. Selbst unter den Kinobesuchern im Jahr 1941 dürfte Der Wolfsmensch nur die Schreckhaftesten geängstigt haben. Trotz allem ist der Film einen Blick wert – ob als Zeitdokument, oder als tragisches, aber leider nicht allzu spannendes Drama mit guter Ausstattung und einem überzeugenden Hauptdarsteller. Von mir gibt es durchschnittliche 6 von 10 Punkten.

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Der Wolfsmensch (The Wolf Man, U.S.A. 1941, 70 Minuten, FSK 12)
Regie: George Waggner
Darsteller: Lon Chaney Jr. (Larry Talbot/Wolfsmensch), Evelyn Ankers (Gwen Conliffe), Bela Lugosi (Zigeuner Bela), Claude Rains (Sir John Talbot), Fay Helm (Jenny Williams), J. M. Kerrigan (Charles Conliffe)
Drehbuch: Curt Siodmak
Kamera: Joseph Valentine
Produktion: Universalfilm


Kommentare:

  1. Hi!
    Das ist der nächste Film, den ich mir im Rahmen meiner Universal Monster Serie vornehmen werde. Spätestens jetzt hab ich richtig Lust drauf ;)
    Wenn es dich interessiert:
    https://magofilmtipps.wordpress.com/2016/01/30/beitragsreihe-universal-monsters/

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  2. Ah, sehr geil! Das Projekt hatte ich auch schon lange vor, aber fehlende Zeit und Motivation haben mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber sehr interessant, ich bin gespannt auf deine Gedanken zu den jeweiligen Filmen – und vielleicht dient mir das ja auch als Anstoß, endlich mal damit zu beginnen.
    Besten Gruß!

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