Donnerstag, 13. Oktober 2016

#Horrorctober: Die Fliege (1958)

(© 20th Century Fox)
Es folgt der bisher größte Zeitsprung in meiner Horrorctober-Liste. Nach Der Wolfsmensch von 1941 geht es 17 Jahre nach vorn, ins Jahr 1958. Mit Die Fliege habe ich mir einen Film angeschaut, der den meisten heutzutage hauptsächlich als Vorlage des Remakes von David Cronenberg aus dem Jahr 1986 bekannt ist (welches ich Rahmen des letztjährigen Horrorctober behandelte und für großartig befand!). Allerdings wählt das Original von Regisseur Kurt Neumann einen anderen Ansatz als Cronenberg fast 30 Jahre später:
Der Film von 1958 beginnt mit dem Tod des Wissenschaftlers André Delambre, der von einer großen Presse zerquetscht aufgefunden wird. Seine Frau erzählt daraufhin die Geschichte, wie es zum tragischen Tod ihres Gatten kam. Dieser forschte erfolgreich an einer Teleportationsmaschine – bis er eine Fliege übersah, die sich mit ihm im Teleporter befand. Während der Teleportation vermischten sich die Moleküle von Mensch und Fliege und ein Mensch-Fliegen-Wesen ward geboren. Ab diesem Moment verschanzte Delambre sich in seinem Keller, nicht einmal seine Frau durfte ihn ansehen. Als letzte Hoffnung blieb, die Fliege mit dem Menschenkopf zu fangen und zu versuchen, den Vorgang rückgängig zu machen. Doch wer schon mal versucht hat eine Fliege lebendig zu fangen weiß, dass das kein Zuckerschlecken ist...

Während Cronenbergs Fliege in ihrem zweiten Teil das Hauptaugenmerk auf schleimigen Body-Horror legt, ist Neumanns Version in ihrem eigentlichen Sinne ein Science-Fiction-Drama. "Delambrefly" ist nicht böse, verfügt nicht über abnorme Fähigkeiten, giert nicht nach Rache oder Blut. Auch die Verwandlung wird nicht thematisiert. Der zentrale Aspekt dieses Films ist die tragische Geschichte eines Wissenschaftlers, der durch ein verunglücktes Experiment verunstaltet wird und seiner Frau, die ihm als Einzige helfen kann, wieder zur Normalität zurückzukehren. Vor allem das Leiden von Helene Delambre steht dabei im Mittelpunkt, denn ihr Mann verbringt die größte Zeit des Filmes hinter der verschlossenen Kellertür. Damit lebt Die Fliege zu großen Teilen von den guten Darstellerleistungen, die David Hedison als André Delambre, Patricia Owens als Helene Delambre und der große Vincent Price als Francois Delambre, dem Bruder des Wissenschaftlers, abliefern. Darüber hinaus erzeugt auch die Frage, welche schreckliche Verwandlung im Laborkeller vonstatten gegangen ist, eine gewissen Spannung. Lange baut Regisseur Neumann den enthüllenden Moment auf und erzeugt so eine angespannte Atmosphäre mit einer guten Portion Suspense. 

Die Auflösung ist dann auch einer der Höhepunkte des Films, die Fliegenmaske sieht klasse aus und wirkt schön fies – auch wenn der Unterschied zu Cronenbergs glitschig-schleimigem Fliegenkostüm natürlich himmelweit ist. Insgesamt ist Die Fliege definitiv einen Blick wert und man versteht, was Cronenberg daran gereizt hat, diesen Klassiker aufzugreifen und auf seine eigene Art zu interpretieren. Leider macht der Unterschied zu Cronenbergs Fliege auch deutlich, was dem Original fehlt: der Grusel- und Ekelfaktor. Es ist beim besten Willen kein Horrorfilm, vielmehr ein morbides Drama. Das ist auf keinen Fall schlecht und macht Freude zu schauen, doch möchte man einfach mehr von dem faszinierenden Fliegen-Wesen sehen und dies wird verwehrt. Wahrscheinlich wird dieses Versäumnis in den beiden Fortsetzungen Die Rückkehr der Fliege (1959) und Der Fluch der Fliege (1965), die aufgrund des großen Kommerziellen Erfolges des Originalfilms entstanden, wieder wettgemacht – leider habe ich beide nicht gesehen.

Als Freund des Remakes sollte man Die Fliege von 1958 zumindest aus Interesse einmal gesehen haben. Und auch sonst sind es definitiv keine verschenkten 90 Minuten – die schauspielerischen Leistungen sind klasse, der Film ist dramatisch und spannend und auch die Maske weiß zu überzeugen. Dennoch bleiben gerade im Vergleich zur 1986er Version viele Aspekte, die man gern gesehen hätte, auf der Strecke und die Handlung versumpft (wenn man einen Horrorfilm erwartet) zu sehr in der Drama-Ecke. Aus heutiger Sicht wirkt Die Fliege daher leider ein wenig eingerostet und der Grusel, der vor 60 Jahren vielleicht noch zündete, ist davon heute weit entfernt. Dennoch gibt es von mir verdiente 7 von 10 Punkten. 


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Die Fliege (The Fly, U.S.A. 1958, 93 Minuten, FSK 16)
Regie: Kurt Neumann
Darsteller: David Hedison (André Delambre), Patricia Owens (Helene Delambre), Vincent Price (Francois Delambre)
Drehbuch: James Clavell; basierend auf einer Kurzgeschichte von George Langelaan (erschienen 1957 im Playboy)
Kamera: Karl Struss
Produktion: Kurt Neumann


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