Donnerstag, 27. Oktober 2016

#Horrorctober: Tenebre – Der kalte Hauch des Todes (1982)

(© Titanus)
So langsam geht es auf die Zielgrade meines diesjährigen Horrorctobers, was meine Liste betrifft, aber vor allem, was den Monat selbst betrifft. Beim heutigen Film handelt es sich um Tenebre von Dario Argento aus dem Jahr 1982.
Der Film erzählt die Geschichte des amerikanischen Autors Peter Neal, der nach Rom reist, um dort sein neuestes Buch Tenebrae vorzustellen. Noch bevor er dort ankommt, wird ein junges Mädchen brutal ermordet – genauso wie es in Neals Buch passiert und darüber hinaus werden im Mund des Mädchens auch noch Seiten aus Tenebrae gefunden. Kurz darauf erhält Neal einen ersten anonymen Drohbrief und auch das Morden hört nicht auf: als nächsten sind zwei Lesben an der Reihe, die ebenfalls auf bestialische Art nach Vorlage des Buches über den Jordan geschickt werden. Ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem scheinbar von Neal besessenen Killer entfaltet sich.

Bereits zu Beginn des Films fallen zwei Dinge ganz deutlich auf: zum einen der extrem fetzige und progressive 1980s Score, für den sich die italienische Band Goblin verantwortlich zeigte, zum anderen die unheimlich miese deutsche Synchronisation, die im besten Falle aufgesetzt, im schlechtesten stimmungstötend und unfreiwillig komisch wirkt. Insgesamt dauert es eine ganze Weile, bis man sich an Tenebre gewöhnt hat. Die Charaktere sind nicht gerade sympathisch und verhalten sich oft merkwürdig, wodurch viele abstruse Momente entstehen, die in der ersten Hälfte des Films einer ernsthaften Stimmung im Weg stehen. Auch an die bereits erwähnte Musik muss man sich erst einmal gewöhnen, ist sie doch atypisch für die Szenen, in denen sie eingesetzt wird. Sobald man sich aber damit angefreundet hat, entfaltet der Soundtrack von Goblin eine sphärische Dichte, die zu faszinieren weiß und schließlich einen großen Mehrwert für den Film bedeutet – zumindest war dies aus meiner Sicht so; ich kann ebenso gut verstehen, wenn man mit der Musik nicht warm wird.

Wenn man sich schließlich mit dem merkwürdigen, teils surrealen Charakter des Films abfinden konnte, wird man mit Tenebre jedoch eine Menge Spaß haben. Das liegt vor allem auch daran, dass er sich in seiner zweiten Hälfte deutlich zu steigern weiß, nachdem Charaktere und Geschichte etabliert sind. Die Spannung zieht deutlich an, es entsteht eine packende und düstere Atmosphäre. Bis zum Finale, welches auch den absoluten Höhepunkt des Films darstellt, hat Tenebre den Zuschauer in seinen Bann gezogen. Das muss nicht unbedingt an der Atmosphäre liegen, denn in die wird sich nicht jeder problemlos fallen lassen können – bei mir hat es auch rund 45 Minuten gedauert –, doch gibt es einige wirklich starke Szenen mit tollen Kamerafahrten und schönen Suspense-Momenten, die definitiv faszinieren und auch für Wohlwollen sorgen sollten, wenn man vom Film ansonsten nicht so recht angetan ist.

Allerdings ist Tenebre eines nicht: ein Horrorfilm. Auch wenn es heißt, er vereine Elemente aus Giallo, Thriller und Horror in sich, so sind die des Horrors doch mit Abstand die am seltensten vertretenen. Ja, der Film ist brutal. Ja, es gibt viele Tote. Und ja, es gibt düstere und verstörende Momente. Aber weder artet es in Splatter aus, noch wird es gruselig. So ist Argentos Film ein brutaler Giallo, als Horrorfilm würde ich ihn beim besten Willen aber nicht bezeichnen. Doch auch wenn Tenebre vielleicht nicht ganz ins Konzept des Horrorctober passt, bleibt bei mir insgesamt ein positives Gefühl zurück. Meine Gewöhnungsschwierigkeiten und die offensichtlichen Mängel der ersten Filmhälfte sind aufgrund des starken Finales fast vergessen und bei einer zweiten Sichtung würde es mir mit Sicherheit leichter fallen, den Film von Beginn an zu mögen. Feststeht in jedem Fall: Tenebre ist ein Gemütsspalter und für ein Mainstream-Publikum wohl nicht die richtige Empfehlung. Wer jedoch bereit ist, über die eine oder andere Skurrilität hinwegzusehen, oder gerade daraus einen Mehrwert zu ziehen weiß, wird seinen Spaß haben! Von mir gibt es 7 von 10 Punkten.

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Tenebre – Der kalte Hauch des Todes (Tenebre, Italien 1982, 99 Minuten, FSK Ungeprüft/Geschnitten ab 18)
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Darsteller: Anthony Franciosa (Peter Neal), Christian Borromeo (Gianni), Mirella D'Angelo (Tilde), Veronica Lario (Jane McKerrow), Carola Stagnaro (Detective Altieri), John Steiner (Christiano Berti)
Produktion: Claudio Argento
Musik: Goblin
Kamera: Luciano Tovoli




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