Dienstag, 8. August 2017

Meine Gedanken zu: "Die Mumie" als Auftakt zu Universals Dark Universe

(© Universal)
Die Mumie (USA 2017)

Regie
: Alex Kurtzman
Drehbuch: Christopher McQuarrie, Jon Spaihts
Mit: Tom Cruise, Sofia Boutella, Russel Crowe, Annabelle Wallis, Jake Johnson
Wertung: ★★★★★★☆☆☆☆



Von den 1920ern bis in die 1950er Jahre produzierten die Universal-Studios eine Vielzahl populärer Monster-Horrorfilme und etablierten damit einige Figuren, die heute auch aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken sind – darunter Dracula, Frankenstein, der Wolfsmensch oder die Mumie. Im Zuge des derzeitigen Remake- und Reboot-Sturm ließ sich nun auch Universal mitreißen und so kamen die findigen Studio-Köpfe auf die Idee, ihre ikonischen Monster in einem Dark Universe zu vereinen. Dazu sollen unter anderem sollen Jekyll & Hyde, der Wolfsmensch und Frankensteins Braut gehören – den Startschuss sollte in diesem Sommer jedoch zunächst Die Mumie geben.

Der Ansatz des Films ist dabei ein anderer als im Original von 1932 und in Stephen Sommers Remake von 1999: Statt Hohepriester Imhotep ist es hier die ägyptische Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella), die lebendig mumifiziert begraben und rund 3000 Jahre später wieder aufgeweckt wird. Nun ist an Nick Morton (Tom Cruise), die Untote wieder zurück ins Grab zu schicken und daran zu hindern, die Welt in den Abgrund zu stürzen. Doch ein Plot-Twist macht ihm schwer zu schaffen: Nach einem Flugzeugabsturz wird er nur durch die dunklen Mächte Ahmanets wieder zum Leben erweckt, woraufhin sie sich in seinem Kopf festsetzt und versucht, ihn zu ihrem willenlosen Untertan zu machen...

Vorweg: Obwohl Die Mumie nahezu überall zerrissen wurde, fühlte ich mich sehr gut unterhalten und habe nun tatsächlich Lust auf Universals Dark Universe. Doch bevor ich euch erkläre, wie das sein kann, zunächst mal meine Kritikpunkte. Wir haben es hier mit kurzweilig-doofer Horror-Action nach der Hollywood-Standard-Formel zu tun, die vor allem durch aufwendige Krawall-Sequenzen und einem großen Schwall sehr künstlich ausschauender Special Effects glänzen will. Auch die meisten Charaktere sind nicht mehr als gesichtslose Abziehbilder (Annabelle Wallis als Jenny Halsey) oder plumpe Comic-Reliefs (Jake Johnson als Sergeant Chris Vail) und das Finale wird, wie es sich für einen Blockbuster anno 2017 gehört, ziemlich in den staubigen Wüstensand gesetzt – und das, obwohl es sich größtenteils in der feuchten Unterwelt Londons abspielt.

Hört sich zunächst mal alles andere als vielversprechend an. Aber woher kommt nun der Unterhaltungsfaktor, woher der Appetit auf das (hoffentlich auch jetzt noch) anstehende Monster-Universum? Ein Grund dafür ist der unerwartet lockere Tonfall von Die Mumie: Tom Cruise' Figur ist ein trotteliger Tunichtgut und Dampfplauderer, der sich selbst in den ausweglosesten Situationen einen dummen Spruch nicht verkneifen kann – so ist die wirklich bedrohliche und von Sofia Boutella stark verkörperte Ahmanet für ihn nicht mehr als „the Chick in the Box“. Und die Rolle liegt dem Schauspieler, er geht vollkommen auf im verschmitzten Charme Nick Mortons!

Schön beängstigend als Mumie: Sofia Boutella.
Der Punkt jedoch, der mir Die Mumie als Dark-Universe-Startschuss schließlich verkauft hat, ist der mit ordentlich Screen Time gelegte Grundstein für eben dieses Universum: Durch den Mumien-Fluch, der auf Nick Morton liegt, landen er und seine Partnerin Jenny bei Dr. Jekyll (Russel Crowe) – der den beiden erstmal mit den Worten „Welcome to a new world of gods and monsters“ sein Sammelsurium von Ungetüm-Artefakten vorführt. Natürlich wird dabei auch die Geschichte von Jekyll und seinem gewalttätigen Alter Ego Mr. Hyde angeschnitten, die jedoch nur als Appetithäppchen für den Solo-Film des Doktors dient.

Insgesamt sind es genau diese appetitanregenden Teaser, die mir schlussendlich Lust darauf gemacht haben, mehr aus diesem Universum zu erfahren. Cruise und Crowe spielen nicht nur überzeugend, auch die von ihnen verkörperten Figuren scheinen mehrere Schichten zu haben, als uns hier präsentiert werden. Das noch nicht im Ansatz ausgeschöpfte Potential ist quasi greifbar. Endgültig bei meiner Meinung, die ihr euch hier gerade durchlest, angekommen, war ich dann nach dem Finale – ganz egal, wie enttäuscht ich von diesem selbst war. Spoiler: Nachdem sich Nick Morton gen Ende opfert, selbst zum Monster wird und Jekyll daraufhin bestätigt: „He’s a monster now. But also still a man.“, und den Film mit den Worten „Sometimes it does take a monster to fight a monster“ schließt, währenddessen man Morton auf der Suche nach einer Lösung seines Fluch-Problems durch die ägyptische Wüste reiten sieht, dann kommt tatsächlich eine Stimmung auf, die Gänsehaut verursachen kann und einen nicht bis 2019 auf den nächsten Dark-Universe-Film Frankensteins Braut warten lassen will.

Schlussendlich muss ich sagen, dass Die Mumie zwar kein guter Film ist, mit der Kombination aus größtenteils schön-grausig designten (wenn auch nicht immer schön animierten) Grusel-Sequenzen und einem locker-coolen Ton aber dennoch fast durchgehend unterhält. Stellenweise zieht dabei sogar ein dezenter Fluch der Karibik-Wind auf. Vor allem gefällt aber das begonnene World-Building, das überraschenderweise gut gelingt und damit Lust auf mehr macht. Stände Die Mumie für sich allein, wäre der Film von Alex Kurtzman nichts weiter als ein typisches Hollywood-Effekt-Gewitter, das sich nur ganz knapp über dem Unterhaltungswert der meisten anderen seiner Artgenossen bewegt. Doch durch die immer wieder leise angespielte Zukunftsmusik, gewinnt er noch einmal Faszinationspotential – auch wenn dieses hauptsächlich aus Versprechungen, die sich genauso gut als leer erweisen können, geboren wird.



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