Montag, 7. August 2017

Meine Gedanken zu: Edgar Wrights "Baby Driver"

(© Sony Pictures)

Baby Driver (USA 2017)

Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Edgar Wright
Mit: Ansel Elgort, Kevin Spacey, Jon Hamm, Jamie Foxx


Es gibt nur wenige Filmemacher, bei denen ich ausnahmslos alles weiterempfehlen würde, an dem sie mitgearbeitet haben – Edgar Wright ist einer von ihnen. Und tatsächlich muss ich nun sagen: Mit seinem neuesten Film Baby Driver hat der Brite sich noch einmal selbst übertroffen.

Im Mittelpunkt steht Baby (Ansel Elgort), ein mehr als nur talentierter Autofahrer. Für Gangsterboss Doc (Kevin Spacey) verdingt er sich als Fluchtfahrer nach geglückten Raubüberfällen – wobei ihm stets die passende Musik hilft, die er wegen eines Tinitus, der seit einem Unfall in der Kindheit jede einzelne Sekunde mit einem penetranten Pfeifen untermalt, stets im Ohr hat. 

Die Musik ist auch das absolute Herzstück von Baby Driver (Der Titel ist eine Anspielung auf den gleichnamigen Song der Folk-Rock-Giganten Simon & Garfunkel). Nahezu jede Minute ist untermalt mit einem Soundtrack, der es in sich hat: Ob Queen, T-Rex, Beck oder The Commodores – jeder Song passt perfekt. Wright schafft es, dass jedes akustische Zahnrad ohne jegliches Rumoren in sein optisches Gegenstück passt. Baby Driver ist eine einzige durchchoreopraphierte Achterbahnfahrt voller Action, Humor und Gefühl. Ein einziges auf und ab, während dem es so einige Szenen gibt, in denen man einfach nur im Kinosaal aufstehen, die Faust im John-Bender-Style in die Luft recken und ein lautes "Ja, man" ausstoßen will. Und das hat meist mit der größten Errungenschaft des Films zu tun: Der Regisseur und sein Team – aus dem man vor allem Kameramann Bill Pope noch einmal hervorheben muss – hieven die Symbiose aus Soundtrack, Umgebungsgeräuschen und Leinwand-Geschehen auf eine ganz neue Stufe. Schüsse knallen im Takt der Songs durch die Lautsprecher, während Ansel Elgort sich diesem anpasst, im Rythmus der Musik sprintet und springt. Auch die Verfolgungsjagden über die Straßen Atlantas unterwerfen sich dem musikalischen Metrum, das Quietschen der Bremsen verschmilzt mit der Melodie, das Aufeinanderkrachen zweier Gefährte mit dem Anschlag des Basses. Alles wirkt wie aus einem Guss und die Melodie des Films legt sich wie ein enges Seil um den Körper und lässt vor Ende des Abspanns nicht mehr los, erlaubt dem Körper höchstens dem Takt der Szenen zu folgen.

Alles, was du brauchst, ist ein Killer-Track!


Allein dieses perfekte Zusammenspiel würde mir reichen, um bald erneut ins Kino zu rasen – doch sollen auch die perfekt inszenierten Verfolgungsjagden durch verstopfte Straßen ebenso wenig unerwähnt bleiben wie die Darsteller, die allesamt vor Spielfreude sprühen, in ihren überspitzt-absurden Figuren aufgehen und sowohl in puncto Action, als auch in den humoristischen Situationen perfektes Timing beweisen. Aber auch das Skript von Edgar Wright gehört gewürdigt: Neben der furios-unterhaltsamen Verbrecher-Story bringt er mit den Beziehungen Babys zur süßen Musiknarrin Debora (Lily James) und seinem taubstummen Ziehvater Joseph (CJ Jones) noch eine wunderbare Spur Emotionalität in seinen Film, die manch andere Werke in 90 Minuten nicht erreichen – obwohl das deren einzige Aufgabe ist. 

Für mich ist Baby Driver ohne Frage einer der besten und vielleicht sogar der mitreißendste und fulminanteste Film des Jahres. Hätte ich ein Auto, ich säße schon längst am Steuer, hätte den Radio-Verstärker auf 11 gedreht und würde gen Sonnenuntergang rasen. Doch so bleibt mir zur Würdigung des Films nur die folgende Sterne-Wertung: 
★★★★★★★★★☆


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