Donnerstag, 3. August 2017

Noch nicht totgeredet: Acht sehenswerte Filme aus diesem Jahr, die ihr vielleicht verpasst habt

Was haben LaLaLand, Moonlight, Dunkirk und Logan gemeinsam? Richtig, es sind alles gute Filme – und wurden bereits von allen Seiten tot geredet und –geschrieben. Aus diesem Grund will ich euch an dieser Stelle einmal von den zehn Filmen vorschwärmen, die mir größtenteils genauso gut oder sogar besser gefallen haben, denen aber nicht die ganz große Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Und wahrscheinlich hast du (ja, genau du!) sogar einen oder mehrere davon nicht gesehen. Apropos: Die Filmtitel führen zu den Trailern. Und nun: Viel Freude, Freunde.


(© Koch Media)
Die Taschendiebin★★★★★★★★☆☆
Kinostart: 5. Januar 2017
Regie: Park Chan-wook
Mit: Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo

Das Jahr startete mit einer visuellen Bombe: Die Taschendiebin von Oldboy-Regisseur Park Chan-Wook ist so wunderschön gefilmt, dass man sich über die stolze Laufzeit von 145 Minuten (Extended Edition sogar 167 Minuten) auch nur die atemberaubenden Kamerafahrten durch das vornehme 30er-Jahre-Anwesen anschauen könnte, auf dem der Hauptteil der Geschichte spielt. Die mysteriös-spannende und weit verzweigte Geschichte hingegen ist zwar auch sehens- und erlebenswert, hätte zwischendurch jedoch gerne etwas packender und griffiger sein können. 


(© Universum Film)
Jackie: ★★★★★★★★★★
Kinostart: 26. Januar 2017
Regie: Pablo Larraín
Mit: Natalie Portman, Peter Sarsgaard, John Hurt

Ebenfalls direkt im Januar feierte mein bisheriger Lieblingsfilm dieses Jahres seine Deutschlandpremiere. Regisseur Pablo Larraín erzählt in Jackie die Geschichte von JFK-Gattin Jackie Kennedy – und das auf außergewöhnliche Art und Weise. Mit kreativ-verschachtelter Erzählweise, einem brillant-kühlen Score von Mica Levi und schöner Kamera-Arbeit erzählt Larraín eine emotional mitreißende Geschichte von Einsamkeit und Trauer, von der schnellen Vergänglichkeit von Macht und dem verzweifelten Versuch und verzweifelten Frau, ihrem Mann einen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern. Doch noch weit über alldem, was Jackie so grandios macht, thront die wunderbare Natalie Portman, die die Präsidentengattin auf der Leinwand in Perfektion wieder zum Leben erweckt.


(©  20th Century Fox)
A Cure For Wellness: ★★★★★★★★☆☆
Kinostart: 23. Februar 2017
Regie: Gore Verbinski
Mit: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth

Zugegeben: Man muss sich in diesen filmgewordenen Alptraum entführen lassen und darf dabei nicht versuchen, das Ganze irgendwie in der realen Welt zu verordnen. Wenn man das geschafft hat, lullen die großartigen Bilder und der sich bis zum Ende steigernde Score auf der Stelle ein und man gibt sich der soghaften Atmosphäre hin, ohne die Geschichte weiterhin zu hinterfragen. Bei mir hat das auf jeden Fall funktioniert, stellenweise fühlte ich mich wie Protagonist Lockhart (Dane DeHaan) in einer fesselnden Szene im Isolationstank. Ein Film, der mich noch länger verfolgt hat und den ich beim ersten definitiv nicht zum letzten Mal gesehen habe.


(© Splendid Film)
Army of One★★★★★★☆☆☆☆
DVD-Start: 24. Februar 2017
Regie: Larry Charles
Mit: Nicolas Cage, Russel Brand, Rainn Wilson


Nicolas goes full Cage again!
Und das ist auch der ganz große Pluspunkt dieses kleinen, aber enorm kreativen und verrückten Filmchens von Borat-Regisseur Larry Charles. Oscar-Preisträger (lang, lang ists her…) Cage dabei zuzusehen, wie er daran scheitert mit einem Hängegleiter nach Pakistan zu gelangen, mit einem Samurai-Schwert durch den Nahen Osten torkelt und immer wieder Zwiegespräche mit Gott (Russel Brand) führt, macht einen Heidenspaß! Zwar verliert sich die Erzählung – vor allem in der zweiten Hälfte – gerne Mal in seinen Absurditäten und es kehrt etwas (noch immer unterhaltsam-schriller) Stillstand ein. Dennoch: Wer Lust hat, Nic Cage mal wieder voll und ganz in seinem Hang zum exzentrischen Overacting aufgehen zu sehen, der sollte Army Of One definitiv eine Chance geben!


(© Sony Pictures)
Hunt for the Wilderpeople★★★★★★★★★☆
DVD-Start: 27. März 2017
Regie: Taika Waititi
Mit: Sam Neill, Julian Dennison, Rima Te Wiata


Nachdem 2014 schon What we do in the Shadows? einen der oberen Plätze meiner Jahres-Topliste belegte, sprang der neue Film von Regisseur Taika Waititi Hunt for the Wilderpeople sogar auf die Spitzenposition – und das, obwohl da nicht mal ein Deutschland-Start in Aussicht war. Ich war so entzückt von der skurril-sympathischen Außenseiter-Komödie, dass ich meine Begeisterung einfach in die Welt tragen musste. Nun gibt es den Film, der mit Wo die wilden Menschen jagen leider einen furchtbaren deutschen Verleihtitel spendiert bekam, sogar bei Netflix – wo ich ihn nochmals gesehen habe und erneut begeistert war. Was ein gutmütiger, emotionaler und urkomischer Film. Schaut ihn euch an! Und für alle, die das schon getan haben: Bei der Mad-Max-Sequenz gegen Ende bin ich tatsächlich aufgestanden und habe gejubelt. Nochmals: Was ein toller Film.


(© FOGMA GmbH)
Tiger Girl★★★★★★★★★☆
Kinostart: 6. April 2017
Regie: Jakob Lass
Mit: Ella Rumpf, Maria Dragus, Enno Trebs


Schon der erste Film von Regisseur Jakob Lass, Love Steaks, gefiel mir mit seiner umfassenden Authentizität wirklich sehr gut. Tiger Girl knüpft dort an und setzt meiner Meinung nach noch einen drauf: Ein wenig Außenseiter-Drama, ein wenig Comic-of-Age-Geschichte, ein wenig Action-Thriller. Rotzig, roh, realitätsnah. Wie auch schon bei seinem Debüt ließ lass seinen Darstellern nahezu die gesamte Zeit improvisieren – und das zahlt sich aus. Bei keinem Film in diesem Jahr war ich so elektrisiert, so in den Kinosessel gedrückt. Wahnsinnig schade, dass Tiger Girl in Deutschland nahezu niemanden ins Kino locken konnte. Aber immerhin durfte ich Regisseur Jakob Lass und Hauptdarstellerin Ella Rumpf interviewen und mit ihnen über den Film sprechen – was ihr euch gern HIER anschauen könnt.


(© Splendid Film)
Shin Godzilla★★★★★★★★☆☆
Kinostart: 4. Mai 2017
Regie: Hideako Anno / Shinji Higuchi
Mit: Hiroki Hasegawa, Satomi Ishihara, Yutaka Takenouchi

Als Kind und Jugendlicher war ich ein großer Fan der alten Mann-im-Kostüm-Godzilla-Filme. Diese Begeisterung ließ in den vergangenen Jahren etwas nach – doch natürlich saß ich im Kinosaal, als das erste Mal seit 2004 wieder ein japanischer Godzilla über die Kinoleinwände stapfte. Und im Gegensatz zu den beiden US-Godzillas wurde ich alles andere als enttäuscht. Was das Monstrum selbst angeht, so haben die Filmemacher viel Kreativität bewiesen – vor allem die verschiedenen Entwicklungsstufen, die es durchläuft, sind fantastisch. Aber auch der große Handlungsteil, der sich augenzwinkernd mit den Reaktionen der japanischen Politik-Spitze auf den Kaiju-Angriff befasst, wirkt erfrischend, trotz der Thematik nicht trocken und oft sogar wirklich komisch. Und außerdem sind auch noch die Effekte wirklich in Ordnung. Godzilla-Fan-Herz, was willst du mehr?


(© Tiberius Film)
The Greasy Strangler★★★★★★★★☆☆
Kinostart: 1. Juni 2017
Regie: Jim Hosking
Mit: Michael St. Michaels, Sky Elobar, Elizabeth De Razzo

Tja, was soll ich zu The Greasy Strangler sagen? Es ist auf jeden Fall einer der verstörendsten und widerlichsten Filme, die ich jemals gesehen habe, aber auch gleichzeitig einer der verrücktesten und skurrilsten. Und gerade diese Mischung macht die Geschichte des Bratfett-Killers, die in einem bunt-verschrobenen Disco-Paralleluniversum zu spielen scheint, so unglaublich unterhaltsam. Vielmehr möchte ich dazu auch gar nicht sagen – erlebt es einfach selbst!

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