Donnerstag, 21. September 2017

Ein paar Gedanken zu „Starship Troopers: Traitor Of Mars“

(© Sony Pictures Home Entertainment)
„Starship Troopers: Traitor of Mars“ (USA 2017)

Regie: Shinji Aramaki
Drehbuch: Edward Neumeier

Mit: Casper Van Dien, Dina Meyer, DeRay Davis

Handlung: 20 Jahre ist es her, dass Johnny Rico (Stimme im Original: Franchise-Rückkehrer Casper Van Dien) als junger Soldat seine ersten Schlachten gegen die Bugs schlug. In der Zwischenzeit wurde der Infanterist sogar zum General befördert – jedoch auch wieder degradiert, nachdem er nicht verhindern konnte, dass eine gewaltige Bug-Königin die Erde erreicht. In seiner neuen Rolle als Colonel muss der dekorierte Kriegsheld nun auf einer Raumstation unerfahrene Rekruten unterrichten und auf den Kriegsdienst vorbereiten. Als das todbringende Alien-Ungeziefer jedoch urplötzlich eine Satellitenstation auf dem Mars unter ihre Kontrolle bringt, ist Rico gefragt – und ohne zu überlegen stürzt er sich mit seinen Soldaten-Schülern in die aussichtslos erscheinende Schlacht. Währenddessen befindet sich der medial begabte Geheimdienstoffizier Carl Jenkins (Stimme: Justin Doran), ein alter Freund von Rico aus Schultagen, in der Gefangenschaft von Militär-Anführerin Amy Snapp (Stimme: Emily Neves). Er wird verdächtigt, für die plötzliche Bug-Invasion auf dem Mars verantwortlich zu sein.


Wertung★★★★

Wie bereits „Starship Troopers: Invasion“ ist „Traitor of Mars“ ein Animationsfilm im Stile der „
Final Fantasy“-Filme. Doch im Vergleich zum misslungenen Vorgänger ist schon alleine optisch eine deutliche Verbesserung erkennbar:
 Die staubig-roten Landschaften des Mars, die Weiten des Alls und die darin umherschwirrenden Raumschiffe sehen blendend, stellenweise fast fotorealistisch aus. Und wenn sich Rico und seine wenigen Untergebenen in futuristischen Kriegsanzügen den heranrückenden Alien-Horden gegenüberstellen und wie die 300 Spartaner im Kampf gegen eine um ein vielfaches überlegene Perser-Armee tapfer ihr Leben verteidigen, dann bekommt man nicht nur die bestaussehendsten Bugs der Film-Reihe zu sehen, sondern darüber hinaus auch die unterhaltsamsten Action-Sequenzen seit 1997. Nur bei der Darstellung der Protagonisten gibt es Abzüge in der B-Note: Vor allem beim Körperkontakt zweier Figuren wirken die Animationen schnell unmenschlich. Speziell ein Kuss zwischen Rico und Überraschungsrückkehrerin Dizzy (Stimme: Original-Schauspielerin Dina Meyer) wirkt so leider in keiner Weise gefühlvoll oder leidenschaftlich, sondern vielmehr als würden die Gesichter einer Barbie- und einer Ken-Puppe schroff aufeinander gedrückt.
Beinahe ebenso wenig real wie dieser Kuss erscheinen leider auch die Hauptfiguren, die jeweils auf ihre offensichtlichste Charaktereigenschaft reduziert werden: Rico ist der taffe Kriegsheld, der mit kampflustigen Parolen um sich wirft (gleich zweimal brüllt er das mittlerweile obligatorische: „Wollt ihr etwa ewig leben?“) und „Sky Marshal“ Amy Snapp die ultimativ böse und von sich selbst eingenommene Möchtegern-Diktatorin, die genüsslich ihre eigenen Propaganda-Spots bewundert und sich danach noch bestätigen lässt, welch großartige Person sie doch ist. Alle anderen Figuren außerhalb dieser Held/Antagonist-Konstruktion werden stiefmütterlich behandelt und dienen eigentlich nur als Stichwortgeber oder zum Vorantreiben der Handlung.

Snapp ist aber immerhin an einem der erfreulichsten Elemente von „Traitor of Mars“ beteiligt: Wenn die Politikerin ihre kontroversen Reden an das Volk vor einem leeren Saal aufnimmt und für die Ausstrahlung im Medien- und Propagandanetzwerk FedNet Jubelstürme und brandender Applaus eingespielt werden oder sie aus voller Überzeugung für die Vernichtung eines ganzen Planeten mitsamt seiner Einwohner für das größere Wohl einsteht, wird tatsächlich ein leichter Anti-Kriegs-, Anti-Rassismus- und Anti-Propaganda-Kommentar erkennbar. Die amüsant überhöhten Einspieler aus fiktiven Nachrichtensendungen oder Talkshows sowie die manipulativen Wahlwerbespots versprühen zudem stellenweise den satirischen Charme des Originals.

Darüber hinaus bietet sich dieser fünfte Teil für eingefleischte „Starship Troopers“-Fans auch als hervorragendes Trinkspiel an: Wenn bei jedem Verweis auf Verhoevens Kultfilm ein Schnaps gehoben wird, kippt selbst der härteste Trinker nach spätestens zehn Minuten von der Couch. Und während man bei der Frage von Sky Marshall Snapp, ob man sich Carl Jenkins in der High School vorstellen könne, noch amüsiert an den Beginn von Teil eins und den großmäuligen Neil Patrick Harris zurückdenkt, beginnt die große Verweisdichte spätestens dann zu nerven, wenn ganze Szenen des Originals, wie zum Beispiel das Liebesspiel zwischen Rico und Dizzy, noch einmal ausführlich durchgekaut werden.

Fazit: Mit „Traitor of Mars“ gelingt Regisseur Shinji Aramaki zwar die beste „Starship Troopers“-Fortsetzung, aber dennoch kein großer Wurf. Während die Actionszenen sowie die stellenweise durchschimmernden satirischen Untertöne zu gefallen wissen, bleiben vor allem die Figuren ärgerlich unterentwickelt.


(Kritik zuerst erschienen auf: www.filmstarts.de)

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